Auf Herrenchiemsee: Gesponsorte Romantik

Ab jetzt in stürmischer See? Enoch zu Guttenbergs Festspiele auf Herrenchiemsee
| Adrian Prechtel
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Auch Ludwig hätte seine Freude gehabt: Livrierte Alphornbläser blasen abendlich das Ende der Pause ein.
münchenmusik Auch Ludwig hätte seine Freude gehabt: Livrierte Alphornbläser blasen abendlich das Ende der Pause ein.

Diese Festspiele sind eine Verheißung. Sie versprechen das Gegenteil des alberenen Blitzlichtgewitters in Salzburg und des „Schauts’ her, ich habe eine Karte ergattert”-Getue in Bayreuth. Für seine Herrenchiemsee Festspiele verspricht Intendant Enoch zu Guttenberg konzentrierten Hochkultur-Genuss, „der Welt entrückt”.

Diese Romantik stören dann allenfalls dieselnd aufbrummende Reisebusse, die fußlahmes Volk zwischen Anlegestelle und Neuem Schloss hin- und herkutschieren. Dabei wären für die schlimmsten Fälle auch Pferdekutschen angeboten. Im Spiegelsaal kann man sich dann getrost auch in eine der hinteren Reihen setzen, denn die langezogene Pracht-Schuhschachtelform mit Tonnengewölbe lässt viele anderen Fest-Konzert-Säle sich alt anhören.

Aura bekommt das Festival auch durch seinen exklusiven Schirmherren Herzog Franz, Potenz durch den Sponsor, der hier angenehm diskret auftritt: die Deutsche Bank. Aber die macht jetzt Sorgen. Dem Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann nämlich hatte das Festival „in seiner Unverwechselbarkeit”, so gut gefallen, dass er sechs Jahre lang seine Bank immer 1,3 Millionen Euro zur Verfügung stellen ließ – als Exklusiv-Sponsor, der keine anderen Geld-Götter neben sich duldete.

Aber Vorstandswechsel bedeutet in der Wirtschaft oft auch Meinungswechsel. So läuft der gekündigte Sponsorenvertrag 2012 aus. Zwar versichert die Deutschen Bank, weiter zu fördern, aber ein großer Brocken ist weg. Wieviel genau, verrät Intendant Enoch zu Guttenberg nicht, hofft aber, dass jetzt der bayerische Staat dieses Festival, das sich in 14 Jahren fest etabliert hat, nicht hängen lässt – Finanz- und Kunstministerium sind naheliegenderweise im Gespräch.

„Die Logistik und Technik ist vielleicht noch finanziert. Aber damit ist eben noch keine Musik gemacht”, sagt der musische Baron. Einen Vorteil hätte es, wenn zusätzlich nur der Staat als weiterer Unterstützer aufträte. Es gäbe keine hässliche Sponsoren-Logo-Schlacht. Das Bayerische Staatswappen als Zusatz schadete optisch auf der königlichen Herreninsel nicht. „Ich will die Unverwechselbarkeit erhalten”, sagt Guttenberg und meint auch das musikalische Konzept: Es bezieht immer den königlichen Ort, die benachbarte Frauen-Insel als Christianisierungs-Punkt Bayerns und oft auch das Alte Schloss als Ort, wo das Grundgesetzt entworfen wurde, mit ein.

heute: Beethovens „Egmont”; morgen, 26.7.: Schumanns „Das Paradies und die Peri”; Fr, 27.7.: Brahms „Ein deutsches Requiem”; Sa, 28.7.: Liszt’ „Faust-Symphonie”. Bereits ausverkauft ist das Schlusskonzert (So) mit Mozart und Beethovens „Neunter”. Karten: Tel. 93 60 93

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