Zwischen Nobelyachten und Einsamkeit Sardiniens Nordosten: Unter heißer Sonne

In der Costa Smeralda verbringen viele Promis ihren Sommer. Foto: Ursula Angelika Küffner

Im Sommer ist Italiens zweitgrößte Insel Sardinien beliebtes Ziel von Promis. Doch sie hat viel mehr zu bieten: Mal steiniges Gelände, mal dichter und grüner Wald und sehr oft ein atemberaubender Blick auf das Meer.

Sardinien - Der kleine Pfad schlängelt sich direkt an der Küste entlang, führt durch die dichte Macchia Mediterranea, bestehend aus Erdbeerbäumen, Myrte, Zistrosen, Thymian und Rosmarin und begleitet den Wanderer mit dem betörenden Duft der vielen Kräuter. Im Nordosten der italienischen Insel führen viele schmale Wanderwege durch diese undurchdringbare immergrüne Wildnis, vorbei an einsamen kleinen Buchten zu verborgenen, schneeweißen Sandstränden und immer wieder erhascht man faszinierende Blicke auf das Meer.

Die Farben des Mittelmeeres zeigen hier eine ganze Palette an Blautönen und erinnern an die Karibik: Vom fast durchsichtigen, zarten Hellblau bis zum grellen Türkis ist alles dabei, um dann in ein kräftiges Kornblumenblau überzugehen. Auf der spiegelglatten Oberfläche schaukeln sanft Yachten von der Größe eines Eigenheimes. Denn an der Costa Smeralda tummeln sich die Reichen und Schönen in eigens für sie aus der Retorte geschaffenen Örtchen.

Im Sommer ist Sardinien das Ziel von Promis – im Winter wie ausgestorben

Berühmtheiten aus Film und Fernsehen verbringen dort ihre Ferien. In Porto Cervo, dem Hauptort der Costa Smeralda, findet man im Sommer Promis, Megayachten, Luxusschlitten und Nobelboutiquen wie Dolce & Gabbana, Prada oder Versace.

Karim Aga Khan, der millionenschwere religiöse Führer von etwa weltweit 20 Millionen ismailitischen Nizariten, kaufte Mitte der 1960er Jahre dafür Land an der wilden, unzugänglichen Nordostküste Sardiniens, um es als luxuriösen Ferienort zu erschließen. Während hier im Sommer reges Treiben herrscht, ist der Ort in den Wintermonaten wie ausgestorben.

Etwas südlicher bei San Teodoro wird der Urlaub auch für "normale" Familien mit Kindern erschwinglich. Um den Ort herum fügen sich viele Hotel- und Bungalowanlagen behutsam in die Macchia ein und am Vorzeigestrand La Cinta gibt es auch im Hochsommer noch ein freies Plätzchen.

Korkeichen: Das Herz der sardischen Wirtschaft

Doch Sardinien hat viel mehr zu bieten als weiße Strände, teuere Yachten und Nobelboutiquen. Abseits der Küste findet man das wahre, ursprüngliche Sardinien, herzliche, freundliche Menschen und eine atemberaubende Landschaft. Die schmale Straße windet sich durch die Berge, gesäumt von trutzigen alten Korkeichen, vorbei an kleinen Weiden mit Pferden und alten Bauernhäusern. Im Herzen der Gallura, dem Hinterland der Costa Smeralda, ist man kilometerweit allein auf der Straße.

Oft führt hier die Fahrt durch lichte Wälder, die fast ausschließlich aus Korkeichen bestehen. Bis sich neue Rinde gebildet hat, leuchten die frisch geschälten Korkeichenstämme in einem kräftigen Rostrot. Über 20 Jahre muss man auf die erste Schälung der jungen Korkeichen warten, nach etwa 9 Jahren ist der Kork dann nachgewachsen und es kann erneut geerntet werden. Durch die Korkproduktion hat es die Gegend zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht.

Die Hirten der Gallura waren einst Banditen

In dem steinigen Gelände werden nach wie vor noch viele Schafe gehalten. In früheren Zeiten waren die Schafhirten der Gallura auch als Banditen verrufen, diese Zeiten sind schon lange vorbei. In Aggius im Herzen der Gallura gibt es heute ein Räuber-/Banditenmuseum zu bestaunen.

Tempio Pausania, das vom Tourismus bisher weitgehend verschonte idyllische Städtchen mitten in der Gallura, punktet mit unverputzten Granithäusern und Mineralwasserquellen. Bei einem Rundgang glaubt man förmlich, die Geschichte zu spüren, die in den grauen alten Mauern und Gassen steckt.

Viele Sarden kommen am Wochenende in die Stadt, um sich mit Vorräten des etwa bei Harnwegsentzündungen empfohlenen Heilwassers, das gleich außerhalb der Stadt aus den Felsen sprudelt, einzudecken. Ganze Familien kommen zusammen und füllen Wasserkanister mit dem wertvollen kühlen Nass. Vielleicht findet man hier die Antwort darauf, warum überdurchschnittlich viele Sarden über 100 Jahr alt werden.

Das mystische Volk der Nuraghen

Etwas außerhalb von Tempio ragt stolz die Nuraghe Majori zum Himmel. Von der Straße aus führt ein unbefestigter Weg zu dem uralten Zeitzeugen. Plötzlich taucht das turmartige, kreisrunde Bauwerk zwischen den Büschen auf, eine geheimnisvolle Steinruine aus der Bronzezeit, von denen es auf Sardinien etwa 7.000 gibt.

Von oben genießt man einen faszinierenden Panoramablick über die Region, während sich in der Nuraghe kleine Bewohner eingenistet haben: Baby-Fledermäuse haben hier ein Zuhause gefunden.

Vor Ort kann man sich über die Kultur der Nuragher informieren, ein Volk von Hirten und Bauern, das in kleinen Gemeinschaften über acht Jahrhunderte auf Sardinien gelebt hat. Die Nuragher errichteten bemerkenswerte Bauten auf der ganzen Insel, deren Funktion heute noch unklar ist. Vermutlich wurden diese Nuraghen als Kultstätten, Grabanlagen oder als Wohn- und Befestigungskomplexe genutzt.

Castelsardo bietet eine unglaubliche Aussicht

Wer durch die bizarre Landschaft der Hochebene der Gallura weiter nach Norden fährt, gelangt schließlich nach Castelsardo, eine pittoreske mittelalterliche Stadt im Norden Sardiniens im Golf von Asinara. Wie Schwalbennester kleben hier die kleinen Häuschen an dem gewaltigen Felsen unterhalb der trutzigen Festung.

Die hübsche Küstenstadt liegt isoliert auf einer felsigen Halbinsel. Schmale Wege durch enge Gassen und steile Treppen führen hinauf zu der Festung. Von hier aus hat man einen atemberaubenden Blick auf die Küste – an klaren Tagen sogar bis nach Korsika.


Allgemeine Informationen über Sardinien:

Unterkunft: Grande Baia Resort & Spa außerhalb von San Teodoro ist empfehlenswert. Das 4,5 Sterne-Haus bietet geräumige Komfort-Zimmer in Bungalows in einer schönen Gartenanlage mit Pool. Die Liegen am Strand sind mit im Preis inbegriffen. Das Hotel bietet Halbpension mit Buffet an. Abends gibt es oft sardische Spezialitäten.

Lage: Sardinien ist eine politisch zu Italien gehörende Insel im Mittelmeer. Sie liegt 202 km vom italienischen Festland entfernt (190 km von der Halbinsel Monte Argentario), dazwischen liegt das Tyrrhenische Meer. Von Tunesien im Süden ist Sardinien 184 km entfernt.

Gesamtfläche: etwa 24.000 km²; etwa 1.653.135 Einwohner

Größe: Sardinien ist nach Sizilien die zweitgrößte Insel Italiens und im Mittelmeer. Sardinien hat eine Länge von 270 km und eine maximale Breite von 145 km. Sie ist von der Nachbarinsel Korsika (gehört zu Frankreich) nur 12 Kilometer entfernt.

Küstenlänge: Küstenlänge von 1848,6 Kilometern. Einige Küstenabschnitte haben bekannte Namen: Costa Smeralda – Costa Rei – Costa Verde – Costa Paradiso – Costa del Sud.

Hauptstadt der Insel: Cagliari (im Süden)

Einwohnerzahl: Cagliari – etwa 157.300 Einwohner; Sassari – etwa 130.300 Einwohner; Olbia – etwa 55.000 Einwohner

Anreise mit dem Auto: Die meisten Auto-Fähren gehen von Genua, Livorno oder Piombino aus nach Sardinien.

Anreise mit dem Flugzeug: Von Deutschland aus gibt es viele direkte Flugverbindungen. Von München aus fliegt man ca. 1,5 Stunden nach Olbia im Norden Sardiniens.

Reisezeit: von Mai bis September bestens für den Familienbadeurlaub geeignet, im Frühjahr und Herbst ein beliebtes Wanderziel. Im Winter ist es regnerisch und kühl.

Souvenirs: Wein, Olivenöl, sardisches Gebäck, Keramikartikel, Korallenprodukte, Gebrauchsgegenstände aus Kork

Kauf von Plagiaten bei Strandverkäufer: Gucci-Tasche, Prada-Sonnenbrille, Rolex-Uhr – das Angebot der Strandhändler ist breit gefächert. In Italien wird der Kauf von Plagiaten bekannter Marken hart bestraft. Bis zu 10.000 Euro Strafe können für den Kauf einer Markenfälschung fällig werden, wenn man dabei erwischt wird.

 

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