Zwischen München und Holzkirchen Geheimbordell: 16-Jährige als Sex-Sklavin gehalten

Rotlicht-Milieu: Eine 16-Jährige ist als Sex-Sklavin gehalten worden. Foto: vario-images

Junge Frau wird von Afrika nach Deutschland gebracht. Im Oberland muss sie in einem Geheimbordell Freiern zu Diensten sein. Oft fleht sie sie um Hilfe an. Keiner hilft – bis auf einen.
 

 

München/Holzkirchen - In einem Geheimbordell im Oberland ist eine 16-Jährige über Wochen als Sex-Sklavin gefangen gehalten worden. Erst mit Hilfe eines Freiers gelang Sally (Name geändert) die Flucht.

Einer Streife fiel das völlig verschüchterte Mädchen aus Afrika auf. Ohne Geld und ohne Papiere irrte Sally im Hauptbahnhof herum. Den Beamten erzählte sie eine unglaubliche Geschichte: Von einem geheimen Bordell irgendwo zwischen München und Holzkirchen, in dem sie gefangen war.

Sally stammt aus der Stadt Benin im Süden Nigerias. Sie besuchte eine Realschule. Doch im Alter von 15 nahm sie ihre afrikanische Pflegemutter von der Schule und schickte sie auf den Strich. Im Januar kam Sally nach München. „Sie dachte, sie würde weiter nach London fliegen und dort ihre Pflegemutter treffen“, berichtet Kriminaloberkommissar Stefan Süß. Das hatte ihr jedenfalls ihre Reisebegleitung Lilly erzählt, eine korpulente Afrikanerin, die dem Mädchen nach dem Abflug von Lagos nie von der Seite gewichen war.

Sally wurde in eine S-Bahn gesetzt. Die Polizei glaubt, dass es die S3 nach Holzkirchen war. An welcher Station sie ausstiegen, weiß das Mädchen nicht. Es war dunkel. „Sie kann sich an einen Platz mit einigen Autos erinnern, eine Menge abgestellter Radl und eine Unterführung“, berichtet Kriminalhauptkommissar Uwe Dörnhöfer. Dann wurde sie in ein cremefarbenes Haus etwa zehn Minuten vom Bahnhof entfernt gebracht und eingesperrt. Mit Gewalt wurde die 16-Jährige zur Prostitution gezwungen. Bis zu vier Männer musste sie am Tag befriedigen.

Uwe Dörnhöfer: „Sie bat die Freier um Hilfe, erzählte, dass man sie gefangen hält.“ Unfassbar: Keiner half! Bis nach etwa zwei Wochen ein Mann namens Hans auftauchte. Wieder machte Sally einen Versuch und flehte den Fremden um Hilfe an. Diesmal hatte sie Glück. Hans gab vor, er wolle das Mädchen für längere Zeit „buchen“. In zwei Tagen werde er es zurück bringen.

Unbehelligt durften er und Sally das Haus im Oberland verlassen. Sie fuhren nach München – am Hauptbahnhof ließ er Sally allein und ging.

Die junge Frau wird inzwischen von einer Frauenhilfsorganisation betreut. Glücklicherweise hat sie sich bei den Freiern nicht infiziert. Die Polizei sucht jetzt das Haus. Es müsste zwischen den Haltestellen Fasanengarten und Otterfing zu finden sein. Hinweise erbittet die Polizei unter 2910-0.

Bereits 2009 war einer Chinesin die Flucht aus einem Geheimbordell gelungen. Auch „Lian“, so nannte damals die Polizei die junge Frau, wurde zur Prostitution gezwungen. Das Haus steht in München oder dem Umland, gefunden wurde es nie. Lian hat inzwischen eine Berufsausbildung absolviert und lebt in Deutschland.

 

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