Kaufingerstraße, Sendlinger, Tal Fußgängerzone: Preiskluft in der Nebenstraße

Für Fußgänger geöffnet: die Sendlinger Straße. Foto: Petra Schramek

In der Kaufingerstraße ziehen die Ladenmieten weiter an. 800 Meter weiter zählt der Immobilienverband IVD die Passanten gar nicht erst.

München - Im Schnitt flanieren pro Stunde 7.291 Passanten über den Stachus. Das ergab die aktuelle Frequenzerhebung des Immobilienverbandes IVD. Zwei Mal im Jahr analysiert er so den Marktwert der Einzelhandelsflächen. Die nackte Zahl ist es allerdings nicht, die hier interessiert, sondern die Frage, wie viel besser ein Standort ist als andere. Und da reicht schon eine geringe Entfernung, um eine gehörige Kluft abzuspazieren – im Tal laufen die Preise quasi mit den Passanten herunter. An der Großbaustelle Sendlinger Tor (und damit die Sonnenstraße Richtung Passantenrekordhalter Stachus hinauf) hat der IVD die Passantenfrequenz gar nicht erst erhoben.

Als absolute Nummer Eins in München rangiert, wenig überraschend, die Kaufingerstraße. Hier sind die Preise im Vorjahresvergleich um etwa 9,1 Prozent gestiegen – heiß begehrt sind die Flächen trotzdem. Nur einmal kurz abgebogen, in die Rosenstraße sieht es ganz anders aus – da ist der Flächenwert nicht einmal halb so hoch. Im vergangenen Jahr kam den Investoren hier auch die Hugendubel-Baustelle in die Quere. Allerdings zeichnet sich der Trend schon länger in den Zahlen des IVD ab.

Zum ersten Mal erfasst die aktuelle Erhebung auch die Entwicklung der Sendlinger Straße als Fußgängerzone. Dass sich das FuZo-Gefühl hier, unter anderem dank geparkter Autos, nicht so recht entfalten mag, zeigt sich auch in den Zahlen des IVD – im Konkurrenzkampf mit den anderen Einkaufsstraßen fällt die Sendlinger ab.

In der Sendlinger Straße sind die Preise eklatant gestiegen

"Die Sendlinger Straße kann weder mit den Edelmeilen, noch als Masseneinkaufsstraße mithalten", erklärt Dr. Stephan Kippes, Leiter der IVD-Marktforschung. Verbessern ließe sich die Attraktivität mit Cafés und Aufenthaltsbereichen. Wobei das einige Besitzer vor allem alteingesessener Geschäfte wohl nicht wollen dürften: Wie eine erst im April veröffentlichte Untersuchung von "Engel und Völkes" ergeben hat, sind in der Sendlinger Straße die Preise seit der Verkehrsberuhigung eklatant gestiegen – eingeschränkte Attraktivität hin oder her.

Ein Phänomen, das die Münchner eigentlich überhaupt nicht kennen, lässt sich indes in den Nebenkerngegenden, also beispielsweise der Gleichmannstraße in Pasing beobachten: Hier gehen die Mietpreise zurück. Doch wer interessiert sich jetzt für diese Objekte und wird künftig das Bild in den Vierteln prägen? "Dienstleister, wie Versicherer, die eigentlich keine Schaufenster brauchen, aber davon profitieren, oder auch Architekturbüros mieten sich hier vertärkt ein", fasst Kippes seine Beobachtungen zusammen. Es gilt: Um eine Einkaufsstraße attraktiv zu machen, braucht es neben einem schönen Flair auch Zugpferde unter den Einzelhändlern. Und dann steigen die Preise – auf eine Rückkehr der Tante-Emma-Läden lässt das nicht hoffen.

Ein Beispiel für erfolgreiche Aufwertung sieht Kippes in den U-Bahnzwischengeschossen am Marienplatz und dem Hauptbahnhof – womit der Bogen zum Sendlinger Tor wieder geschlagen wäre. In ein paar Jahren – wenn auch hier die U-Bahn renoviert ist.

 

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