Zweifelhafte Delikatesse Demo in der Innenstadt: Gegen den Verkauf von Tier-Stopflebern

Samstagnachmittag in der Dienerstraße: Aktivisten der „Soko Tierschutz“ „stopfen“ Plastikgänse. Ganz links im Bild: Friedrich Mülln. Foto: Petra Schramek

Rein damit: In der Innenstadt demonstrieren Aktivisten der „Soko Tierschutz“ gegen den Verkauf von Stopfleber-Produkten.

 

München – Der Mäster zieht den Hals der Gans fest zu sich heran. Mit der einen Hand reißt er dem Tier den Schnabel auf, mit der anderen stößt er ihm das Stopfrohr in den Rachen, durch das gleich 200 bis 800 Gramm gesalzener Maisbrei in den Gänsemagen fließen. Da hilft kein verzweifeltes Zappeln und kein heftiges Flügelschlagen – drei Mal täglich muss das Tier diese grausame Prozedur ertragen. Zwei bis drei Wochen lang, bis seine Leber etwa ein Kilo auf die Waage bringt, das Zehnfache ihres Normalgewichts, und als „Foie gras“ an Feinkosthändler verkauft werden kann.

„Die Begriffe Stopf- oder Fettleber vermeidet die Delikatessenbranche lieber“, sagt Friedrich Mülln vom Verein „Soko Tierschutz“. „Fettleber ist ein Krankheitsbild – und mit dieser Etikettierung würde man ja zugeben, dass dieses Produkt nur hergestellt werden kann, indem man Enten oder Gänse krank macht.“

Das Ziel der Aktivisten: München soll Stopfleber-frei werden

Am Samstag haben der Augsburger Journalist und seine Mitstreiter in München gegen diese Praxis demonstriert. Vor dem Delikatessenhaus Dallmayr bauten sie eine Mastanlage mit Plastikgänsen auf. Ein Aktivist „stopfte“ die Gummitiere vor den Augen der Passanten. Auf Plakaten forderte „Soko Tierschutz“ dazu einen „Stopfleber-Verkaufsstopp – jetzt!“.

Denn obwohl das deutsche Tierschutzgesetz die Produktion von Foie gras als Tierquälerei verbietet, sind Import (aus Frankreich, Spanien, Bulgarien oder Ungarn) und Absatz der zweifelhaften Delikatesse legal. Rein juristisch spricht also nichts dagegen, wenn Dallmayr auf seiner Homepage mit „erlesensten Foie gras aus dem Périgord“ wirbt und entsprechende Produkte im Angebot hat.

„Aber Dallmayr verdient sein Geld mit Kaffee“, sagt Friedrich Mülln. „Deshalb erwarten wir von diesem alteingesessenen Münchner Unternehmen, dass es sich nicht jedem perversen Kundenwunsch beugt, sondern ein Zeichen setzt und seine Stopfleber-Produkte aus dem Sortiment nimmt.“

Dallmayr ist nicht das einzige Münchner Unternehmen mit Stopfleber im Angebot

Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, wollen sich die Tierschützer jeden Samstag in der Dienerstraße treffen – oder am Viktualienmarkt, wo ebenfalls Stopfleber verkauft wird. Genau wie bei Feinkost Käfer und einem Delikatessengeschäft am Schlachthof. Ziel: München soll Stopfleber-frei werden.

„Man muss sich auch mal Folgendes klar machen: Für eine Stopfleber werden im Schnitt 23 Kilogramm Mais verbraucht und in der EU werden jedes Jahr 50 Millionen Tiere gestopft“, sagt Friedrich Mülln. „Da werden unglaubliche Mengen an Lebensmitteln verbrannt, während andernorts Menschen hungern.“

Bei Kaufhof, Edeka und Karstadt hatte die „Soko“ 2014 mit einer ähnlichen Kampagne Erfolg. Die Unternehmen haben Stopfleber-Artikel aus den Regalen verbannt.

 

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