Zwei Jahre Bauzaun Sanierung der Glyptothek: Ausstellungen in der Antikensammlung

Die Glyptothek, inzwischen mit Holzbrettern eingezäunt. Sie wird zwei Jahre lang geschlossen bleiben. Florian Knauß plant trotzdem viele Ausstellungen. Foto: Bernd Wackerbauer

Die Münchner Glyptothek bleibt zwei Jahre zu. Warum Leiter Florian Knauß in der Umbauzeit auf Stacheldraht um das Gebäude und dunkle Keramik in einer Ausstellung in der Antikensammlung setzt.

 

Maxvorstadt - Der Chef beginnt erst einmal mit den schlechten Nachrichten: "Wir haben den Stacheldraht und den Bauzaun um die Glyptothek nicht zum Spaß aufgezogen", sagt Florian Knauß, leitender Sammlungsdirektor am Königsplatz bei der Jahrespressekonferenz.

Sanierung wegen Angst vor Kunstdieben

Das prominente Gebäude am Königsplatz ist sanierungsbedürftig und in die Jahre gekommen. Brandmelder, Elektrizität, Einbruchssicherung: Vor allem Letzteres scheint den Verantwortlichen Kopfschmerzen zu bereiten.

"Man weiß ja, dass es einige Kriminelle derzeit durchaus auf wertvolle Kunstgegenstände abgesehen haben", sagt Knauß und verweist auf spektakuläre Einbrüche wie zuletzt in Berlin, als Diebe sogar eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze entwendet haben, die "Big Maple Leaf". Die Diebe stehen vor Gericht, die Beute ist verschollen.

"Black is beautiful" - Ausstellungen in der Antikensammlung

Es folgen danach gute Nachrichten, die Knauß dabei hat. 2019 sind gegenüber, in der Antikensammlung, wieder einzigartige Ausstellungen und sogar Theaterstücke im Innenhof der Kunstsammlung geplant.

Knauß hat ein persönliches Highlight, eine Weltpremiere im Sommer, mit dem Titel: "Black is beautiful."

Zeitlose antike Keramiken

"Ich freue mich sehr auf die Glanztonkeramiken", sagt Knauß, "von der Ausstellung träume ich schon seit 15 Jahren."

Die Besonderheit: Die schlichten schwarzen Keramiken stammen aus der griechischen Antike und wirken hochmodern. "Einige Modelle könnten in zeitgenössischen Museen für Industriedesign stehen." 


Antikensammlung - Aktuelle und kommende Ausstellungen:

"Schimmernde Krüge von Erz"

Becher: etwa 4. Jh. v. Chr.
Becher: etwa 4. Jh. v. Chr. Foto: ho

Diese aktuelle Ausstellung der Antikensammlungen ist noch bis einschließlich 23. Juni zu sehen: Gezeigt werden antike Gebrauchsgefäße aus Silber und Bronze. Sie wurden oft dekoriert mit Figuren, aber auch oft schlicht und glatt belassen, zum Beispiel Bronze oder Silber schimmernd.

Im Bild ist ein Achaimenidischer Becher mit Lotosblattdekor zu sehen, der fast 2.500 Jahre alt ist. Mit der nötigen Pflege kann er noch so glänzen wie damals. Alle Ausstellungsstücke stammen von Griechen, Etruskern und Römern. Es handelt sich um deren Tafel-Luxus, der nur zum richtigen Anlass ausgepackt wurde.

Schön, schlicht, schwarz

2400-jähriger Becher.
2.400-jähriger Becher. Foto: Kühling

Wer bemalte Keramiken mit bunten Motiven sucht, ist hier definitiv falsch. Schlichte, schöne und zeitlose Eleganz begegnet all jenen Besuchern der Antikensammlung, die zwischen 10. Juni 2019 und 6. Januar 2020 eine Eintrittskarte einlösen.

Unter dem Motto "Black is beautiful" werden schwarze Glanztonkeramiken gezeigt. Deren Form wirkt auch heute noch brandaktuell. Dabei handelt es sich um Gegenstände, die seit der griechischen Antike überlebt haben.

Zeitlose töpferische Qualitätsleistung

Die Tongefäße sind schwarz bemalt und könnten auch heute in Designstudios stehen, wie etwa die Tasse im Bild. Nur wenige Farbakzente schimmern durch. Der Trinkbecher ist älter, als die Form vermuten lässt. Er stammt aus vierten Jahrhundert vor Christus, ist somit etwa 2.400 Jahre alt.

Unglaublich, dass diese Gefäße so lange ganz blieben, könnte man sich denken. Florian Knauß, der Leiter der Antikensammlung am Königsplatz ordnet das so ein: "Das zeugt eigentlich nur von der großartigen töpferischen Leistung, die einem hier begegnet."

"Glanzlichter"

Anhänger: Fast 2000 Jahre alt.
Anhänger: Fast 2.000 Jahre alt. Foto: ho

Der Hamburger Künstler Wolfgang Skoluda verknüpfte Zeit seines Lebens antike Glyptik mit zeitgenössischem Schmuck. Glyptik, auf Deutsch Steinschneidekunst, ist ein Sammelbegriff für handgefertigten Steinschmuck.

Künstler schliffen und schnitten bereits vor Jahrhunderten mit großer Präzision Tiere, Menschen und Götter in kleine bunte Steinchen wie Jaspis, Sard, Karneol oder Granat.

Detaillierte antike Steine in moderner Fassung

"Man weiß bis heute nicht, wie sie das gemacht haben. Es ist nämlich nicht bekannt, dass sie in der Antike bereits Seehilfen hatten", sagt Florian Knauß, Leiter der Antikensammlungen.

Skoluda sammelte während seiner Schaffenszeit diese Steine. Er kombinierte die Antiken aus unterschiedlichen Kulturen mit frei modellierten Edelmetallteilen. In der Ausstellung werden Exemplare aus der gesamten Zeit seines Schaffens gezeigt.

"Glanzlichter" findet statt vom 13. März bis 10. Juni 2019. Für Kinder ab acht Jahren veranstaltet die MVHS eine Sonderführung mit begleitenden Erwachsenen: 7. April 2019, 14 bis 16 Uhr.

Lesen sie hier: Wegen Sanierung: Glyptothek für zwei Jahre geschlossen

 

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