Zwei erschreckende Fälle Abgezockt im Online-Shop: So können Sie sich schützen

Beim Online-Shoppen kann viel schief gehen. Die AZ stellt Fälle von Abzocke vor und gibt Tipps, wie man das Risiko klein halten kann. Foto: imago/CHROMORAN

Ein Münchner (53) bestellt einen PC im Netz und zahlt 3.000 Euro. Das Geld ist weg. Eine Kommissarin gibt Tipps, wie Sie sich beim Online-Shopping vor Betrügern schützen können.

München - Von Markenkleidung, hübsche Handtaschen, Elektronikartikel – die Suche nach schönen Weihnachtsgeschenken hat begonnen. In nicht einmal fünf Wochen ist Heiligabend. Nicht nur in den Geschäften brummt es, auch der Online-Handel hat Hochkonjunktur. Große Online-Versandhäuser werben damit, dass heute gekaufte Waren bei Nichtgefallen bis Januar zurückgeschickt werden können.

Zehn Anzeigen pro Tag alleine in München

Das Einkaufen am heimischen PC oder Laptop ist bequem, aber die Gefahren, die beim Online-Kauf lauern, werden immer noch unterschätzt. Wie leicht ein vermeintliches Schnäppchen sehr teuer bezahlt wird, das ist tägliches Geschäft der Münchner Kriminalhauptkommissarin Michael Neueder.

Etwa zehn Münchner erstatten täglich Anzeige, weil sie online etwas bestellt und dafür gezahlt haben, die Ware aber nie bekommen haben. Rund 200 Münchner werden Monat für Monat geschädigt – in der Vorweihnachtszeit steigen die Zahlen rapide an. Wie die Betrüger vorgehen und wie Sie sich schützen, dazu sprach die AZ mit Michaela Neueder, Vize-Chefin des Kommissariats 76.

Gute Ebay-Bewertung schützt nicht vor Abzocke

Der Computer von Apple war genau das Modell, das den Münchner Franz H. (53/Name geändert) interessierte. Der Verkäufer bot das vermeintlich original verpackte teure Gerät per Sofortkauf oder bei Ebay an. Alternativ sollte er ein Kaufpreis-Angebot machen. Franz H. wähnte sich auf der sicheren Seite. "Der Verkäufer hatte zu 100 Prozent gute Bewertungen, der jüngste Verkauf war erst wenige Wochen zuvor abgewickelt worden."

Auf Fotos war die verschlossene Verpackung zu sehen mitsamt einem Code von Apple. Der Verkäufer hatte dazugeschrieben, dass er den Mac geschenkt bekommen, aber keine Verwendung dafür habe. Der Münchner nahm schriftlich Kontakt zu ihm auf, die Männer einigten sich auf 3.000 Euro. Der Verkäufer versprach, die Ware sofort loszuschicken, wenn das Geld auf seinem Postbank-Konto eingegangen sei. Franz H. überwies die Summe am selben Tag. "Ich dachte, ich hätte 500 Euro gespart im Vergleich zum regulären Preis."

Doch bereits am nächsten Tag wurde ihm klar, dass er betrogen worden war. Er informierte Ebay. "Die meinten nur, ich soll bei der Polizei Anzeige erstatten, das war alles!" Der geprellte Kunde informierte die Postbank, wo auch er Kunde ist. Doch dort berief man sich auf das Bankgeheimnis. "Ich habe sogar damit gedroht, mein Konto dort zu kündigen. Das war denen egal." Er suchte außerdem den Menschen, von dem er dachte, dass er ihm das Geld überweisen hatte. Doch der Betrüger hatte den Namen eines völlig Unbeteiligten benutzt. "Der Mann wusste glaubhaft von nichts!"

Keine Banküberweisungen an Fremde

"Man denkt, deutsche Konto-Inhaber müssten leicht zu ermitteln sein. Doch so einfach ist das nicht," sagt Kriminalhauptkommissarin Neueder. Namen und Identitäten können geklaut und missbraucht, Konten gehackt oder von sogenannten Finanzagenten missbraucht werden. Neueder: "Überweisungen bei Online-Käufen unter Fremden sind tabu! Zahlen Sie am besten per Paypal." Denn auch Kreditkarten bieten bei Betrug nicht immer ausreichend Schutz. "Klären Sie das vorher", rät Neueder.

Ebenfalls wichtig: "Oftmals schlagen Verkäufer vor, dass die Zahlung über Paypal Freunde und Familie gewählt wird. Das ist für den Verkäufer gratis. Doch diese Zahlungsform sollten nur Menschen wählen, die sich kennen", warnt Neueder. Denn geht etwas schief, erstattet Paypal nichts.

Seitdem Franz H. von dem Betrüger abgezockt wurde, sind zehn Monate vergangen. Die Polizei ermittelt noch. Der Münchner hat seine Lehre aus dem Fall gezogen: "Den nächsten Computer kaufe ich im Geschäft!"

Abzocke mit Fotos von niedlichen Tieren

Auch mit Fotos von niedlichen Haustieren wird im Internet immer wieder übel abgezockt. Ein Münchner Paar entdeckte dieses Foto eines Huskys auf einer Online-Börse. Zunächst hieß es, der Hund müsste umständehalber in gute Hände abgegeben werden – kostenlos.

Doch als das Paar Kontakt zu den Inserenten aufnahm, waren die Besitzer und das Tier angeblich schon verzogen. Nun seien für die Verschickung Versicherungsgebühren zu zahlen. Es kamen Zollgebühren dazu und Tierarztrechnungen, weil der Hund sehr krank geworden sei. Das Geld sollten sie aber später von der Versicherung erstattet bekommen.

Das tierliebe Paar ließ sich wieder und wieder täuschen. Insgesamt zahlten die Münchner mehr als 17.000 Euro per Western Union. Als sie kein Geld mehr hatten, brachten sie sogar Wertgegenstände ins Pfandhaus. Der Husky kam bis heute nicht bei ihnen an.

Vorsicht vor Fake-Shops im Internet

Im Netz tauchen täglich zigtausende Shops auf, die ausschließlich das Ziel haben, Menschen zu betrügen: Ein bisschen Text, ein paar Fotos und eine Bankverbindung, – schon ist ein neuer Fake-Shop online. Sogar gefakte Autohäuser gab es schon.

Allein 2.500 Münchner sind auf drschmittshop.com hereingefallen, sie wurden um etwa eine Million Euro betrogen. Der Anbieter verlangte stets Vorkasse, Waren (vor allem Elektroartikel) wurden nie geliefert. Der Betreiber wurde aus Singapur ausgeliefert, er sitzt in U-Haft.

So erkennen Sie, ob ein Shop seriös ist:

  • Er bietet Treuhanddienste mit Käuferschutz wie Paypal als Zahlungsmethode an.
  • Er hat seinen Sitz in Deutschland.
  • Das Online-Geschäft trägt ein Siegel von Trusted Shop, das 25.000 seriöse Shops listet. Aber Vorsicht: Manchmal wird das Siegel nur kopiert. Vergewissern Sie sich, dass der Shop wirklich gelistet ist: www.trustedshops.de

Tipps einer Kommissarin zum sicheren Online-Shopping

Ebay, quoka, Kleiderkreisel: Ursprünglich waren diese Online-Marktplätze für den Kauf und Verkauf in der Umgebung angelegt. Der Interessent kommt vorbei und nimmt die Ware bei Gefallen mit. Gezahlt wird in bar. "Alles andere birgt Gefahren!", warnt Michaela Neueder, Vizechefin des Betrug-Kommissariats. "Ich persönlich frage mich bei Online-Käufen stets: Kann ich verschmerzen, wenn das Geld weg sein sollte?" Das rät die Kommissarin:

  • Überweisungen größerer Geldbeträge sind tabu!
  • Nehmen Sie Treuhanddienste mit Käuferschutz in Anspruch. Ihr Geld wird erst weitergeleitet, wenn Sie nach dem Erhalt der Ware nichts beanstanden.
  • Verschicken Sie keine gescannten Ausweisdokumente! "Die Daten können ausgenutzt werden, um in Ihrem Namen andere zu betrügen. So könnte jemand damit ein Konto eröffnen."
  • Lassen Sie sich beim Online-Handel nicht zu Video-Ident-Verfahren überreden. Es kann dazu missbraucht werden, mit Ihrer Identität ein Konto zu eröffnen. Wählen Sie für jedes Portal und Online-Konto und jeden Mail-Account ein anderes, sicheres Kennwort. Denn: Wird eines gehackt, können sonst auch alle anderen gehackt werden.
 

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