Zum Tod der Swing-Legende Max Greger - ein Musikant von Gottes Gnaden

Große Musiker verabschieden sich von Max Greger: Klaus Doldinger würdigt das Schaffen des Stars – und Hugo Strasser spielt bei der Beisetzung des großen Bandleaders am Freitag in Grünwald

 

München - Liebe für die Unterhaltung, das Gespür für die Musik und der starke Wunsch, das Publikum zu erobern – diese Einstellung muss ein Anliegen von Herzen sein. Das kann man nicht lernen, dazu wird man geboren. Das ist eine Gnade Gottes, wenn man das in den Knochen hat. Und Max hatte es zweifellos.

Das sagt Klaus Doldinger (79) über Max Greger, den großen Bandleader und Jazzmusiker, der am Samstag in einer Münchner Klinik mit 89 Jahren seinem Krebsleiden erlegen ist und am Freitag beigesetzt wird.

Es ist die Würdigung eines großen Kollegen. Doldinger zählt selbst zu den berühmtesten deutschen Musikern. Der Soundtrack zum Film „Das Boot“ machte ihn weltbekannt, seine „Tatort“-Melodie lieben Millionen, seine zahlreichen Kompositionen brachten ihm viele Preise ein. Max Greger war ein Musikerkollege, den Doldinger persönlich schätzte.

„Sein Tod ist sehr traurig, weil er auch so plötzlich kam“, sagt Doldinger im Interview mit der AZ. Er erinnere sich noch gut daran, wie Max Greger ihn mit seinem Spiel das erste Mal aufhorchen ließ. „Das war kurz nach dem Krieg, ich war höchstens zwölf Jahre alt und hörte ihn im Radio.“ Er habe ihn in den Jahren darauf als einen der ersten deutschen Musiker, die Swing mitreißend spielen konnten, wahrgenommen.

Irgendwann habe er dann eine Version des Jazzklassikers „Night Train“ gehört, der berühmt ist für sein Solo für Tenorsaxophon. Niemand habe es damals hierzulande so überzeugend spielen können wie Max Greger, sagt Klaus Doldinger. Überhaupt, das musikalische Können des Bandleaders beeindruckte: „Seine Musik mit der Bigband fand ich großartig, sein Engagement für diese Art von Musik ebenso“, sagt Doldinger. „Aber was mich vor allem auch beeindruckt hat, ist, dass er selbst sein Instrument so überzeugend gespielt hat, während andere nur dirigierend vor der Band standen.“

Nicht nur ein Chef, sondern ein glänzender Teil seiner Band

Greger war nicht nur der Chef, sondern ein herausragender Teil seiner Band. „Er war ein richtiger Musikant von Innen her.“ Und Max Greger hatte einen besonderen Stil. Klaus Doldinger beschreibt diese Art zu spielen als „aggressiv mit emotionaler Grundlage“. Der amerikanische Jazzmusiker Coleman Hawkins habe diesen Stil populär gemacht, andere, wie Max Greger, ihn dann auf ihre Weise interpretiert. „Mich hat diese Stilistik sehr angesprochen“, sagt Doldinger. Sie sei sogar einer der Gründe gewesen, weshalb er dann auch selbst mehr zum Tenor-Saxophon neigte.

Max Greger wurde mit seiner Musik zur Swing-Legende, genauso wie Paul Kuhn († 2013) und Hugo Strasser, einer der langjährigen Weggefährten Gregers. Der 93-jährige Strasser zeigte sich bestürzt über den Tod seines Kollegen und Freundes. Er will ihm nun auf seinem letzten Weg ein letztes Lied widmen: Hugo Strasser wird bei Max Gregers Beisetzung spielen – eine bewegende Ehrerweisung.

Am Freitag wird Max Greger auf dem Waldfriedhof in Grünwald beigesetzt. In dem Ort im Münchner Süden hatte der Starmusiker lange Zeit gelebt – nun soll er hier seine letzte Ruhe finden. Die Beisetzung soll im Kreise seiner Familie und Freunde stattfinden.

Melodisch, tiefsinnig – Hugo Strasser will „Yesterday“ spielen“

Hugo Strasser kündigte bereits an, bei der Trauerfeier zu Ehren seines Freundes zu spielen. Das genaue Stück wolle er noch mit der Familie ansprechen, aber: „Ich werde auf alle Fälle mit meiner Klarinette etwas spielen.“ Er denke an „Yesterday“ von den Beatles, das Stück sei „melodisch, tiefsinnig, moll“.

Im Namen der Landeshauptstadt und des Stadtrats kondolierte Bürgermeister Josef Schmid (CSU) am Dienstag zum Tod Gregers. Er wünschte der Witwe Johanna Greger Kraft und Trost, auch in dem Wissen, dass das Andenken an Max Greger „nie vergessen und seine Musik in den Gedanken der internationalen Musikwelt weiterleben wird.“

 

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