Zum ersten Mal seit fünf Jahren Die Frauenkirche enthüllt sich

Wenn das Gerüst bis zur Turmuhr weg ist, werden die renovierten Zifferblätter montiert. Foto: Martha Schlüter

Der Nordturm wird von seinem Gerüst befreit. Im Herbst ist dann der Südturm an der Reihe: Er wird bis ins Jahr 2016 saniert.

 

München - Zugegeben: Im Verhältnis zum Alter der Liebfrauenkirche ist diese Baumaßnahme nur ein Wimpernschlag. 525 Jahre zählt der Dom heuer.

Und gerade mal acht bis neun Jahre wird an ihm herumgebohrt, -gehämmert und -verputzt.

Jetzt haben die Bauarbeiter ein – optisch interessantes – Zwischenziel geschafft: Zum ersten Mal seit dem Jahr 2008 sind nach und nach beide Türme zu sehen. Zumindest vorübergehend. Die AZ erklärt die Mammut-Baumaßnahme in luftiger Höhe.

85 Meter hoch war das Baugerüst, das seit 2008 den 98,57 Meter hohen Nordturm fast komplett verhüllte. Der Grund: Witterungsschäden. Schon 2001 stürzten die ersten Brocken auf den Vorplatz. Durch Risse und undichte Fugen konnte Wasser eindringen. Das ging an die Substanz.

Eine „erschreckende Zunahme“ der Schäden konstatierte das für die Sanierung zuständige Staatliche Bauamt. Eine Generalsanierung war unumgänglich geworden.

Zunächst am Nordturm. Auf den rund 3600 Quadratmetern Außenfläche mussten 179000 einzelne Ziegel untersucht und rund 20 Prozent davon ersetzt oder zumindest bearbeitet werden. Auch die drei Viertel der 55 laufenden Kilometer Fugen am Nordturm wurden unter die Lupe genommen und saniert. Im Turminneren wurde ein Putz angebracht, der Salzschäden verhindern soll.

„Sämtliche Metallteile, Fenster und Schallluken wurden bis zu einer Höhe von etwa 56 Metern überarbeitet und umfangreiche Taubenschutzmaßnahmen durchgeführt“, so das Erzbischöfliche Ordinariat. Das Gerüst am Nordturm wird jetzt Stück für Stück bis Ende April abgebaut. Sobald dabei die Turmuhr erreicht ist, werden die ebenfalls restaurierten Zifferblätter wieder montiert.

Im unteren Teil des Turms wird nach der Winterpause noch bis zum Spätsommer gearbeitet. Gleichzeitig soll die Wand zwischen den beiden Türmen eingerüstet, abgetragen und komplett neu aufgebaut werden. Ab Herbst legen die Gerüstbauer dann am zwölf Zentimeter niedrigeren Südturm Hand an. Diese Arbeiten dauern bis 2016.

Aber erst einmal haben Münchner und Gäste wieder mal einen etwas freieren Blick auf das Wahrzeichen mit den charakteristischen welschen Hauben des Stadtbaumeisters Jörg von Halspach. „Wir freuen uns über diese optische Verschnaufpause bei den Sanierungsarbeiten“, so Domdekan Lorenz Wolf. Rund drei Millionen Euro wird die Nordturm-Sanierung letztlich kosten. Das Geld kommt von der Metropolitankirchenstiftung. Erst wenn die an ihre finanziellen Grenzen stößt, muss auch der Freistaat ran.

 

0 Kommentare