Zum Abschluss des Ramadan Premiere: BR zeigt islamisches Festgebet live im TV

Imam Benjamin Idriz. Foto: dpa

Christen kennen es von Weihnachten oder Ostern: An kirchlichen Festtagen können sie Gottesdienste live im Fernsehen sehen. Für Muslime gab es das bislang nicht - trotz Rundfunkgebühren. Das Bayerische Fernsehen überträgt nun erstmals live aus einer Moschee.

 

München - Zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Nacht zu Freitag sendet das Bayerische Fernsehen erstmals live ein islamisches Festgebet. Zelebriert wird es von Imam Benjamin Idriz in der Moschee im oberbayerischen Penzberg. Für Muslime sei die Übertragung im Fernsehen von besonders hoher Bedeutung, teilte das Islamische Forum Penzberg am Mittwoch mit. Andere hätten die Chance, das Geschehen in einer Moschee kennenzulernen und zu verstehen. Das überwiegend auf deutsch abgehaltene Festgebet zum Zuckerfest beginnt frühmorgens um 4.55 Uhr.

Der Bayerische Rundfunk (BR) ist nach eigenen Angaben der erste Sender in Deutschland, der so ein Festgebet überträgt. Bei christlichen Gottesdiensten ist eine Live-Übertragung dagegen üblich. Während des Fastenmonats, der in diesem Jahr Mitte Juni begonnen hat, dürfen gläubige Muslime nur in den Stunden zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang essen. Abschluss und Höhepunkt ist das Zuckerfest, das mit dem Festgebet eingeläutet wird.

In Penzberg treffen sich die Gläubigen an diesem Tag nach Sonnenaufgang zum Gebet. Koranverse werden zitiert, es gibt eine stille Andacht und Kinder und Jugendliche singen traditionelle geistliche Lieder. Imam Idriz wird nach Angaben des BR eine Predigt in deutscher Sprache halten, auch Vertreter der christlichen Kirchen in Penzberg werden sich an die Gläubigen wenden. Später bekommen die Kinder Süßigkeiten verbunden mit dem Wunsch für ein süßes Leben. Nach dem Gebet trifft sich die Penzberger Gemeinde noch zu Tee und Süßspeisen.

Erklärt und kommentiert werden die Vorgänge in der Moschee von dem Münsteraner Professor Milad Karimi und der Vizedirektorin des Islamischen Forums Penzberg, Gönül Yerli. Die knapp zweistündige Sendung ist Teil des Themenschwerpunkts Ramadan, der Mitte Juni im Bayerischen Fernsehen begonnen hatte.

Zu Beginn hatte der BR bei diesen Sendungen einen islamischen Halbmond als Logo eingeblendet, das Zeichen aber nach vielen Protesten entfernt. "Es gibt viele Menschen, die nicht verstehen, dass dieser Halbmond eben kein politisches, sondern ein religiöses Symbol ist. Beginn und Ende des Ramadan richten sich nach dem Mond", hatte der Programmverantwortliche Andreas Bönte erklärt. Kritiker hatten argumentiert, bei christlichen Festen habe der BR noch nie das Kreuz eingeblendet. Sollte der Sender das tun, seien auch hier Proteste programmiert. Auch in der Sitzung der CSU-Landtagsfraktion hatten nach Teilnehmerangaben Abgeordnete scharfe Kritik geübt. Es war von "Zerfließen vor Toleranz" die Rede.

 

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