Zum 60. Geburtstag Siemens-Chef Joe Kaeser: Ein Leben lang Siemens

Kanzlerin zu Gast bei Siemens: Kaeser überreicht im Elektronikwerk in Amberg eine Leiterplatte aus dem Jahre 1958 und eine aktuelle von 2015. Foto: dpa

Stetig gute Zahlen und viel Lob von den Anlegern: Der Vorstandsvorsitzende hat einen Lauf. Vertreter der Arbeitnehmer sehen zum Geburtstag ihres Chefs neben dem vielen Licht aber auch Schatten.

 

München - Geht Joe Kaeser als Siemens-Chef in die Verlängerung? Derzeit zweifelt daran niemand ernsthaft. Seit fast vier Jahren steht er an der Spitze des Elektrokonzerns und hat in der Zeit viel angepackt. Ein radikaler Umbau, milliardenschwere Zu- und Verkäufe sowie die Neuausrichtung des Konzerns auf wachstumsträchtige Geschäftsfelder - Schritt für Schritt setzt Kaeser seine "Vision 2020" um. Aber er will noch mehr. "Wer sagt, er sei am Ziel, sollte am besten gleich aufhören", sagt der Top-Manager. Am Freitag wird Kaeser 60 Jahre alt.

Beliebt bei den Anlegern

Wichtige Anleger sähen ihn gerne weiter an der Spitze. Schon als er den Chefposten 2013 von Vorgänger Peter Löscher übernahm, sei der langjährige Siemensianer Kaeser der richtige Mann gewesen, lobt Fondsmanager Christoph Niesel von Union Investment. Als Ex-Strategiechef und -Finanzvorstand kannte Kaeser alle Winkel des verzweigten Konzerns - und wusste, wo er ansetzen musste.

"Wir sind sehr zufrieden mit dem, was er auf den Weg gebracht hat", sagt Niesel - angefangen von der noch zur Amtszeit Löschers eingefädelten Trennung vom Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks bis zum Zusammenschluss des Windkraftgeschäfts mit Gamesa.

Als teurer Fehlgriff gilt die 2014 eingeleitete Milliardenübernahme des US-Kompressorenherstellers Dresser-Rand. Kaeser lieferte sich damals ein Rennen mit dem Industriekonzern Sulzer. "Ich denke, das wurmt ihn auch etwas, dass er sich da vom Jäger zum Gejagten entwickeln musste", sagt Niesel. Den Zulieferer für die Ölindustrie kaufte Siemens kurz vor dem Ölpreisverfall. Die Börse hat das jedoch längst verdaut. Zuletzt notierten die Siemens-Papiere bei 125 Euro - nach 80 Euro zu Kaesers Berufung vor knapp vier Jahren.

Gemischtes Fazit der IG Metall

Bei der IG Metall fällt das Fazit zum runden Geburtstag gemischt aus. Der Konzernchef habe einige Weichen richtig gestellt, heißt es bei der Gewerkschaft. "Siemens ist heute wirtschaftlich hervorragend aufgestellt und kann selbstbewusst in die Zukunft blicken." Doch bleibe noch viel zu tun, "denn anhaltender Druck auf die Beschäftigten, Unsicherheit über die strategische Ausrichtung und steigende Margenerwartungen behindern den freien Blick nach vorne." Erst kürzlich hatte Kaeser einen neuen Stellenabbau angekündigt - nachdem Umbau und Aufräumarbeiten in diversen Problemsparten in den vergangenen Jahren schon Tausende Jobs kosteten.

Kaeser hat bei dem Konzern sein ganzes Berufsleben verbracht. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft begann er 1980 in der Sparte Bauelemente. Er wurde Vorstand der Mobilfunksparte, Leiter der Konzernstrategie und 2006 unter Klaus Kleinfeld Finanzvorstand. Im August 2013 löste er Löscher an der Spitze ab.

Für die Zeit nach seiner Vorstandstätigkeit - die Altersgrenze hat Siemens auf 63 Jahre festgelegt - dürfte Kaeser bereits Pläne in der Schublade haben: Ihm werden Ambitionen auf den Aufsichtsratsvorsitz nachgesagt.

 

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