Zum 150. Todestag von Leo von Klenze Leo von Klenze hat die Antike und die Renaissance neu gedacht

Eines der bekanntesten Werke von Architekt Leo von Klenze: Die Ruhmeshalle oberhalb der Theresienwiese. Sie ist nur eines der zahlreichen Gebäude, die er für König Ludwig I. entwarf. Foto: Wikipedia/R. Pirkner

Am 27. Januar vor 150 Jahren starb Leo von Klenze, der München prägte, wie kein anderer Architekt

 

"Glanz im Odeon, Glanz in der Pinakothek, überall Glanz und nichts als Glanz“, rief ein Abgeordneter 1831 dem abwesenden König im Landtag zu – und meinte es ironisch: „Die Glänze, meine Herren!, erdrücken das Volk!“ Gemeint waren die Summen, die Ludwig I. für die Prachtbauten seines Lieblingsarchitekten Leo von Klenze ausgab, anstatt für bessere Straßen, Schulen und Krankenhäuser zu sorgen."

Die Münchner betrachteten das Braunschweiger Nordlicht als Stadtverschandeler und hätten ihm viele üble Worte auf seiner Ludwigsstraße zurufen können – und teilweise recht gehabt: „Hochstapler!“: Klenze bastelte sich eine adelige Abstammung zusammen, ehe er 1833 wirklich geadelt wurde. Außerdem behauptete er ein Diplom der Pariser École Polytechnique, wo er aber nur ein Jahr war. „Pfuscher!“: Ja es hatte schon vor München massive Baumängel an seinen Marställen für den „König Lustig“, Jérome, Napoleons Bruder, in Kassel gegeben. „Opportunist!“, weil Klenze nach der Niederlage Napoleons sich zum glühenden Vertreter der Befreiungskriege stilisierte und den französischen Empire-Stil fallen ließ, als sein Gönner und Franzosenhasser Ludwig I. den 32-Jährigen 1816 zum Hofarchitekten machte. „Mobber!“: Ja, Klenze war nicht zimperlich beim Ausschalten von Gegenspielern: erst den Hofbauintendanten Andreas Gärtner, später dessen Sohn Friedrich von Gärtner.

Mit der Thronbesteigung Ludwigs 1825 aber war Klenze nicht mehr zu stoppen, auch wenn ihn die Dauereinmischung des Königs in alle Pläne zum Wahnsinn trieb. Klenze verwarf die Pläne von Carl von Fischer und Friedrich Ludwig Skell, die eine durchgrünte, villenartige Bebauung der Ludwigsstraße vorgesehen hatten. Klenze war für Monumentalität und neue Sachlichkeit im klassizistischen Stil.

Zu große Paläste

Er entwarf auch in der Briennerstraße den Wittelsbacher Platz mit dem Arco-Palais (wo jetzt das Restaurant Koi drin ist), das Ludwig-Ferdinand-Palais (Siemens-Zentrale) und das Odeon (heute Finanzministerium). In diesem war ein Konzertsaal für 1450 Leute eingerichtet, dessen Akustik gerühmt wurde. Falsch platzierte Eingänge und innere Konstruktion aber führten zum Chaos, so dass der ausgeschaltete Konkurrent Friedrich von Gärtner über das Eröffnungs-desaster schadenfroh schrieb: Kellner kippten Gästen auf im steilen Treppenhaus Soße über die Kleider, die „Scheißhäuser“ waren so gut einzusehen, dass eine Frau beim Anblick eines urinierenden „Dimpfls“ ohnmächtig wurde...

Für die zu großen Paläste in der Ludwigstraße, die der König durchgesetzt hatte, fanden sich keine Käufer. Klenze musste feststellen: „München ist nicht Rom und Herr Meyer kein Farnese noch Pitti“ – deren Palazzo in Florenz hatte Klenze bei der Gestaltung des Königsbaus der Residenz am Max-Joseph-Platz einfließen lassen. Gegenüber steht das Klenzesche Postgebäude (heute Louis Vuitton) mit florentinischen Arkaden und deren pompejanisch inspirierter Ausmalung.

Zwei Gebäude Klenzes sind bis heute wegweisend: die Glyptothek als erstes Antikenmuseum Europas für „schmutzige, zerbrochene Puppen“, wie man schmähte: Mit deren Ausstellung könne man aus der hiesigen „Rasse von Biertrinkern keine Griechen und Römer machen“. Und die Alte Pinakothek wird bis heute für das kluge Oberlicht gerühmt.

Der Zweite Weltkrieg hat viele Klenze-Gebäude schwer getroffen. Oft ging die überbunte Innenausstattung für immer verloren, wie in der Allerheiligen-Hofkirche. Hier aber ist das Ergebnis so fast schöner und erhabener.

 

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