Zug von Nürnberg nach München ICE rast gegen Stahlseil - Drohschreiben aufgetaucht

, aktualisiert am 29.10.2018 - 13:49 Uhr
Parallel zur Autobahn A9 verläuft nahe dem mittelfränkischen Allersberg die ICE-Strecke Nürnberg-München. Foto: Armin Weigel/dpa

Die Ermittlungen laufen, ein terroristischer Hintergrund ist nicht auszuschließen: Auf der ICE-Strecke von Nürnberg in Richtung München haben Unbekannte über die ICE-Gleise ein Stahlseil gespannt. Der Vorfall liegt drei Wochen zurück.

 

München/Allersberg - Ein ICE ist auf der Bahnstrecke von Nürnberg nach München im Hochgeschwindigkeitsbereich nahe Allersberg möglicherweise nur um Haaresbreite an einem schweren Unglück vorbei geschrammt.

Wie das bayerische Landeskriminalamt (BLKA) in München am Montag auf AZ-Nachfrage bestätigte, liegt der besorgniserregende Zwischenfall drei Wochen zurück. In der Nacht des 7. Oktober hatte der Lokführer demnach auf Höhe des mittelfränkischen Allersberg während der Fahrt ein verdächtiges Geräusch bemerkt. (Lesen Sie hier: Nach ICE-Brand: Ab Mitte November Gleise wieder befahrbar)

BLKA: Drohschreiben in arabischer Sprache gefunden

"Am Endbahnhof in München kontrollierte er dann den Zug, stellte einen Kurzschluss am Triebwagen fest und informierte die Bundespolizei sowie weitere Stellen", sagte Ludwig Waldinger, der stellvertretender Leiter der LKA-Pressestelle. "Das ist Routine. Der Lokführer muss solche Vorfälle melden, dann werden Nachforschungen angestellt." (Lesen Sie hier: Bahn sperrt ab 2019 Hauptstrecken monatelang)

Am 24. und 26. Oktober hätten dann Beamte der Bundespolizei an der entsprechenden Stelle das Gleis und die nahe Umgebung intensiv abgesucht. Dabei ergaben sich Anhaltspunkte, dass offensichtlich von Unbekannten ein Stahlseil über die Gleise gespannt wurde. Reste davon konnten an der Strecke sichergestellt werden; ebenso Holz- und Eisenteile, die möglicherweise auf die Gleise aufgebracht waren.

Waldinger: "Die Ermittler fanden an der Strecke zudem ein Drohschreiben in arabischer Sprache. Es ist allgemein gehalten, es wird kein konkretes Ereignis genannt, aber es werden deutliche Drohungen ausgesprochen. Wir nehmen das sehr ernst." An einem Brückenpfeiler befand sich zudem ein Graffiti mit arabischen Schriftzeichen.

Stahlseil über die Gleise gespannt

Die Generalstaatsanwaltschaft München, Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET), übernahm zusammen mit dem Bayerischen Landeskriminalamt die Ermittlungen. Unterstützt werden die Ermittler durch das Polizeipräsidium Mittelfranken, durch die Bundespolizei, durch das Bundeskriminalamt und durch das Polizeipräsidium München.

Eine konkrete Bewertung des möglichen Schadenspotenzials bei derartigem Vorgehen werde unter fachlicher Einbindung des Eisenbahnbundesamtes erstellt, heißt es in einer entsprechenden Pressemitteilung. Demnach ist die Bewertung des Drohschreibens "noch nicht abgeschlossen". Offiziell handelt es zunächst einmal um "einen gefährlichen Eingriff in den Schienenverkehr".

Die Ermittlungen gehen aber in alle Richtungen. Hinweise auf verdächtige Personen oder verdächtige Wahrnehmungen nimmt das Bayerische Landeskriminalamt unter 0800/3000060 oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

 

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