Zufällig entdeckt LMU: Schatzfund in der Uni-Bibliothek

Vor mehr als 200 Jahren in einem Geometrie-Heft eingebunden: Das bisher unbekannte Exemplar der berühmten Globuskarte von Martin Waldseemüller (ca. 1470 - 1522). Foto: LMU/dpa

Vor 500 Jahren lebte der berühmte Kartograph Martin Waldseemüller. Seine Hinterlassenschaft ist kostbar und rar. Jetzt ist eine neue Landkarte von ihm zufällig entdeckt worden – in der LMU.

 

MÜNCHEN Neuigkeiten aus der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) kommen meist sachlich-gediegen daher. In diesem Fall verkündete LMU-Sprecherin Luise Dirscherl aber plakativ einen „Sensationsfund in der Unibibliothek”. Es geht um nicht weniger als eine Variante der „Geburtsurkunde” Amerikas.

Was war passiert? Mitarbeiterinnen der Bibliothek arbeiteten an der Korrektur von Katalogen. Dabei machten sie die ungewöhnliche Entdeckung: In einem unscheinbaren Bibliothekseinband aus dem 19. Jahrhundert befand sich auf einer Doppelseite die etwa DIN A4 große Karte, gut versteckt zwischen zwei Geometrie-Drucken aus dem frühen 16. Jahrhundert.

Die Bedeutung des Werks des berühmten Kartographen Martin Waldseemüller (etwa 1470 bis 1522) hatten die Bibliothekare im 19. Jahrhundert nicht erkannt, sagt Sven Kuttner, Leiter der Abteilung „Altes Buch”: „So versank der Band im Dornröschenschlaf des Magazins.”

Weltberühmt sind Waldseemüllers drei Quadratmeter große Karten, auf denen erstmals der Name „America” aufgedruckt ist. Mindestens ebenso wichtig sind seine „Globussegmentkarten”. Wie auf einem Bastelbogen stellen sie die Welt in zwölf lamellenartigen Segmenten dar. Aufgefaltet ergeben sie einen Globus von etwa elf Zentimeter Durchmesser.

Bislang war nur die Existenz von vier Exemplaren bekannt. Eines davon kam 2005 bei Christie’s für eine Million US-Dollar unter den Hammer. „Jetzt haben Mitarbeiter der Bibiliothek ein fünftes gefunden – durch reinen Zufall”, sagt die LMU-Sprecherin.

Recherchen Kuttners ergaben, dass der Geometrie-Band samt Karte den Zweiten Weltkrieg in einer Luftschutzkiste mit der Nummer 340 überstanden hat – erst in Burghausen, dann in Niederviehbach bei Landshut.

Die ausgelagerte Kiste kehrte erst 1955 nach München zurück und wurde im Nordostspeicher der LMU zwischengelagert.

„Auch im digitalen Zeitalter verlieren die Originale nichts von ihrer Bedeutung und Einzigartigkeit”, so Klaus-Rainer Brintzinger, der Direktor der Universitätsbibliothek.

Wer sie sehen will, hat dazu jetzt auch Gelegenheit dazu: „Wir stellen die Karte in digitaler Form der Öffentlichkeit zum 4. Juli zur Verfügung – dem Tag der amerikanischen Unabhängigkeit.” 

 

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