Züge völlig überbucht ICE-Sprinterstrecke nach Berlin: Der Bahnsinn

Clemens Hagen.
Die 623 Kilometer von München nach Berlin in unter vier Stunden: Ein ICE fährt auf der insgesamt zehn Milliarden Euro teuren Neubaustrecke. Foto: dpa

Auf der Sprinter-Strecke nach Berlin herrscht der Ausnahmezustand: Die Züge sind völlig überbucht – was die Bahn jetzt dagegen unternimmt.

 

München - Die ersten 100 Tage hat die mit großem Bohei eröffnete ICE-Neubaustrecke von München nach Berlin inzwischen hinter sich gebracht – sehr erfolgreich, wie die Fahrgastzahlen belegen. Zu erfolgreich sogar.

In den Sprinterzügen, die die 623 Kilometer in unter vier Stunden zurücklegen, herrscht regelmäßig Ausnahmezustand. Statt wie früher 5.000 nutzen heute 10.000 Menschen täglich die schnelle Verbindung zwischen bayerischer Landes- und Bundeshauptstadt. "Mit einer so positiven Entwicklung haben wir bei Inbetriebnahme nicht gerechnet", gibt ein Bahnsprecher gegenüber der AZ zu.

Der Bahn fehlen schlicht die Züge

Dass so viele Fahrgäste die bis zu 300 km/h rasante Reise in den Sprintern auf dem Boden im Schneidersitz verbringen müssen, hat einen Grund: Der Bahn fehlen die nötigen Züge, um die Strecke in Doppeltraktion bedienen zu können, das heißt mit zwei aneinandergekoppelten Zügen. Der Bahnsprecher: "Das deutsche Schienennetz ist ein so großes und komplexes System, dass man Züge nicht einfach hin- und herschieben kann."

Wie oft bei der Bahn soll aber alles bald besser werden. Mit Beginn des Winterfahrplans im Dezember werden zwei zusätzliche Sprinter auf der Strecke München-Berlin eingesetzt, einer gegen 8 Uhr, der zweite gegen 16 Uhr, die genauen Uhrzeiten stehen noch nicht fest. Sie ergänzen die bestehenden Verbindungen um 6, 12 und 18 Uhr. Damit, so hofft man bei der Bahn, können Engpässe minimiert werden. Der Zahl der zur Verfügung stehenden Plätze steigt dann von 10.000 auf 13.000. Außerdem kommt Zug um Zug auch der neue ICE 4 zum Einsatz, von dem Siemens Mobility 120 Stück für die Bahn herstellt.

An Ostern wird es eng bei der Deutschen Bahn

Andreas Barth vom Fahrgastverband Pro Bahn möchte aufgrund des neu ausgebrochenen "Bahnsinns" auf der Strecke München-Berlin auch nicht zu hart mit dem Betreiber ins Gericht gehen: "Die Bahn ist derzeit vom eigenen Erfolg etwas überfordert. Aber, und das ist wichtig, das Problem ist bei den Entscheidern angekommen und sie arbeiten daran."

Das freilich hilft Fahrgästen an den bevorstehenden Osterfeiertagen nichts. Der Bahnsprecher: "Wer am Gründonnerstag oder Karfreitag stressfrei reisen will, sollte unbedingt eine Sitzplatzreservierung tätigen. Wer es familiär einrichten kann, hat es angenehmer, wenn er an einem anderen Tag reist." Das gelte für viele Strecken der Bahn – und ganz besonders den Sprinter München-Berlin.

 

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