Zu viele Kandidaten Wirbel um die Landshuter Bürgermedaille

Im vergangenen Jahr wurde die Bürgermedaille von Oberbürgermeister Alexander Putz an Irmengard Rottmann vom Kinderschutzbund und Sigrid Lössl vom Trägerverein Kleines Theater verliehen. Wem in diesem Jahr diese Ehre zuteil wird, darüber wird hinter den Kulissen erbittert gestritten. Foto: AZ-Archiv/cv

Déjà-vu-Erlebnis: Wieder gibt es viel Aufregung vor der anstehenden Verleihung der Bürgermedaille. Sieben Kandidaten sind im Gespräch, also mindestens vier zu viel.

 

Landshut - Die Verleihung der Bürgermedaille ist stets ein würdevoller Akt, ein gesellschaftlicher Höhepunkt im Jahreskalender. Der Weg freilich, auf dem die zu Ehrenden nominiert werden, gehörte in der Vergangenheit nicht immer zu den stilistischen Preziosen kommunalpolitischer Entscheidungsfindung. Auch heuer scheinen sich die Dinge schwierig zu gestalten – nach AZ-Informationen werden aktuell mindestens sieben Kandidaten für ungefähr drei Bürgermedaillen gehandelt.

Momentan sei das Thema festgefahren und nicht erkennbar, wie man noch elegant aus der Nummer rauskommen könne, heißt es aus Stadtratskreisen. Der Streit, der vor Ostern im Ältestenrat zutage trat, hat maßgeblich damit zu tun, dass die Sitzungsteilnehmer eine sehr unterschiedliche Erinnerung daran haben, was sie im Zuge der Bürgermedaillenvergabe 2018 vereinbart hatten – oder auch nicht.

Im vergangenen Jahr war die Ehrung Sigrid Lössl vom Trägerverein Kleines Theater und Irmengard Rottmann vom Kinderschutzbund zuteil geworden; dem Vernehmen nach war damals im Vorfeld auch über andere Kandidaten diskutiert worden, bei denen es sich nach AZ-Informationen um Kelly Baumann und Martin Hilz – die das Stadtspektakel ins Leben gerufen hatten – sowie um Michael Orth und Birgit Horn – die Macher des Kurzfilmfestivals – handelte.

Angeblich wurde die letztjährige Entscheidung zugunsten von Lössl und Rottmann mit einer Art positiver Vormerkung für die anderen vier Kandidaten mit Blickrichtung 2019 gekoppelt. Aber war das ein eher unverbindliches Vorgespräch oder vielmehr eine belastbare Verständigung?

Darüber gehen nun die Meinungen in den Fraktionen auseinander, und so kam es im Ältestenrat zu heftigen Kontroversen. "Sehr gereizt" sei die Stimmung gewesen, berichtet ein Teilnehmer, und während sich die eine Seite – aus ihrer Sicht absprachegemäß – für die Verleihung der 2019er Medaille an Baumann, Hilz, Orth und Horn ausgesprochen habe, habe sich die andere Seite daran nicht erinnert und mithin nicht gebunden gefühlt.

Die Folge waren dem Vernehmen nach nicht nur hochkochende politische Emotionen hinter verschlossenen Türen – sondern auch weitere Namen, die ins Spiel gebracht wurden. Im einzelnen soll es sich dabei um Ingrid Roederstein von "Answerk", Angelika Hirsch vom Frauenhaus sowie Xaver Grüneis, einen der Initiatoren des Landshuter Krippenwegs, handeln. Damit sind nun "viel zu viele Namen" (Selbstkritik aus dem Rathaus) im Gespräch, und wie man diese Personaldebatte einigermaßen versöhnlich moderieren beziehungsweise zu einem guten Ende führen kann, ist im Moment noch nicht abzusehen.

Anfang Mai will der Stadtrat einen neuen Anlauf nehmen; Kompromissbereitschaft dürfte dabei ein kostbares Gut sein. Denn nimmt man die aktuellen Hintergrundinfos als Maßstab, dann stehen sich die beiden Lager nicht dringend versöhnungsbereit gegenüber.

Bürgermedaille: Diplomatische Töne aus der Stadtverwaltung

Mit der Bürgermedaille, so lässt die eine Seite durchblicken, sollten nicht unbedingt größere Festivalveranstalter, die eh schon im Rampenlicht der Öffentlichkeit stünden, dekoriert werden, sondern vor allem weniger bekannte Menschen, die eher im Stillen Gutes tun. Die Gegenseite argumentiert: Wer Landshut um das Spektakel beziehungsweise das Kurzfilmfestival bereichert habe, der habe sich fraglos um die Stadt verdient gemacht.

Während von politischer Seite unter Verweis auf die hohe Sensibilität des Themas das Gespräch mit der Zeitung bevorzugt flüsternd hinter vorgehaltener Hand geführt wird, übt sich die Stadtverwaltung in der Kunst der höheren Diplomatie. Auf AZ-Nachfrage, wie das denn nun 2018 gewesen sei mit einer etwaigen Absprache für 2019, teilt die Pressestelle mit, dass man sich letztes Jahr "im Rahmen eines Fraktionsführertreffens darauf geeinigt" habe, 2018 den Schwerpunkt der Bürgermedaillenverleihung "auf den sozialen Bereich" zu legen und 2019 "auf den kulturellen Bereich".

Darüber hinaus sei "vereinbart" worden, "neu eingereichte Vorschläge im Jahr 2020 zu berücksichtigen". Was diese fein austarierten Formulierungen in der Landshuter Lebenswirklichkeit bedeuten, wird die interessierte Öffentlichkeit (spätestens) beim Sommerempfang im Juli erfahren.

Dann wird sich bestimmt auch herausstellen, wie viele Bürger heuer die Medaille bekommen. Hier bewegt sich die Stadtverwaltung in ihrer Stellungnahme gegenüber der AZ im Bereich des ganz konkret Unkonkreten: "Laut der Satzung über 'Auszeichnungen der Stadt Landshut' können grundsätzlich drei Bürgermedaillen pro Jahr verliehen werden. Hiervon wurde jedoch bereits einmal eine Ausnahme gemacht."

 

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