Zu Unrecht beschuldigt? München: Prozess um Baby-Mord - Gutachter zweifelt

Der Angeklagte mit den Anwälten Peter Guttmann und Antonio Agosta beim Prozessauftakt im November. Foto: jot

Im Mordprozess gegen den Vater, der sein Baby so geschüttelt haben soll, dass sie starb, sagte am Mittwoch ein Mediziner aus.

München - Der Vorwurf wiegt schwer. Giovanni S. (32) soll seine kleine Tochter Alessia so heftig geschüttelt haben, dass sie an den Folgen verstarb. Weil die Mutter im fraglichen Moment nicht bei den beiden war, sondern sich gerade im Badezimmer aufhielt, spricht Staatsanwalt Laurent Lafleur von Mord.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der Vater überfordert war, weil seine wenige Wochen alte Tochter laut weinte und sich nicht beruhigen ließ. Doch es gibt Gutachter, die Zweifel anmelden, ob man als Todesursache von einem Schütteltrauma ausgehen kann. Unter ihnen ein LMU-Mediziner, der am Mittwoch im Mordprozess gehört wurde.

Er spricht von einem "komplexen medizinischen Geschehen, das zum Tod von Alessia geführt hat". Es sei nicht bewiesen, dass das sechs Wochen alte Mädchen wegen eines Schütteltraumas gestorben sei.

Medizinisches Gutachter lückenhaft

Das Kind könne an einer Vorerkrankung gelitten haben und dann zusätzlich bei der Reanimation verletzt worden sein, so der erfahrene Mediziner. Auch der plötzliche Kindstod sei als Todesursache denkbar. Ein Schütteltrauma könne, so der Stand der Medizin heute, erst nach Ausschluss aller anderen Ursachen diagnostiziert werden.

Genau dieser Ausschluss anderer Ursachen fehle aber im rechtsmedizinischen Gutachten. Auch bei den Obduktionsergebnissen findet der Gutachter Fehler. Im Ergebnis wundert er sich, dass da keine Zweifel an der Schütteltrauma-Theorie aufgekommen sind. Der Angeklagte will mit Hilfe von medizinischen Gutachtern beweisen, dass das kleine Mädchen nicht geschüttelt wurde. Die Verteidigung hat noch drei weitere Gutachter als Zeugen benannt, die ebenfalls am Mittwoch aussagen sollten. Auch das Gericht hat weitere Gutachter benannt.

Verteidigung: Alessia war ein Wunschkind

Für Anwalt Peter Guttmann fehlt es nicht nur an Beweisen für den Ausschluss anderer Todesursachen, sondern auch am Motiv für den Mord. Alessia sei ein Wunschkind gewesen.

Unter den Zuhörern ist auch an diesem Verhandlungstag die Mutter von Alessia. Sie hält weiter zu ihrem Mann. Bei ihrer Zeugenaussage vor einigen Wochen, erklärte die 29-Jährige, dass sie an die Unschuld von Giovanni S. glaubt: "Ich habe meinen Mann nie anders erlebt als liebevoll und nett und darum kann ich mir nicht vorstellen, dass er sowas gemacht haben soll." Der Prozess wird fortgesetzt.

 

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