Zu langes Genehmigungsverfahren Elterninitiative gibt auf: Keine Kita im Wirtshaus

In München müssen bis 2020 fast 15.000 neue Kita-Plätze geschaffen werden. Foto: dpa

Eine Elterninitiative wollte aus einer Gaststätte eine Kinderkrippe machen – scheiterte mit dem Projekt jedoch an dem langwierigen Genehmigungsverfahren der Stadt.

München – Wenn sie selbst ein Lokal aufmachen würde, dann vielleicht ein Badisches. Alexandra Sigg lebt und arbeitet seit einiger Zeit in der Nähe von Freiburg. Was sie in München noch hat, ist ein Haus mit Gaststätte im Erdgeschoss. Den dortigen Wirten war zuletzt jedoch kein Glück beschieden. Und da sie selbst keine gastronomischen Ambitionen verfolgt, war es ihr ganz recht, als sich bei ihr eine Elterinitiative meldete. Die Idee: Aus dem etwas abgelegenen Wirtshaus könnte man doch auch eine Kita machen.

Aus dem Kita-Projekt wird nun allerdings nichts. Zu der Untergiesinger Gaststätte gehört nämlich auch eine kleine Wirtewohnung. Um die als Kinderkrippe mitnutzen zu können, hätte die Stadt eine Zweckentfremdung genehmigen müssen. Dauer der Prüfungsphase: in der Regel drei bis vier Monate. Die Räume so lange leerstehen zu lassen, kann sich Alexandra Sigg allerdings nicht leisten. Nach zwei Monaten endet das Projekt deshalb nun im nichts.

Dabei hätte die Stadt doch Bedarf. Bis 2020 müssen in München fast 15 000 Kita-Plätze geschaffen werden. Eine extra eingerichtete Arbeitsgruppe sucht bereits seit sechs Jahren eifrig nach Standorten. Vor allem im Innenstadtbereich sind die Flächen für neue Kita-Bauten jedoch sehr knapp. „Wenn sich dann mal so eine Chance ergibt, sollte die Beamtenmühle doch ein bisschen in Schwung kommen“, sagt Sigg. In einem privatwirtschaftlichen Unternehmen würde so eine Prüfung keine 24 Stunden dauern.

Christine Strobl, die Dritte Bürgermeisterin, kennt solche Probleme. Dass Wohnraum für eine Kita-Nutzung umgewidmet werden soll, solche Fälle kämen immer wieder vor. Derartige Anträge würden auch schneller bearbeitet als andere. Nicht innerhalb von zwei Wochen, aber „so schnell wie möglich“, sagt Strobl

Dass ein solches Verfahren trotzdem einige Zeit in Anspruch nimmt, liegt daran, dass sich dabei zwei sensible Themen gegenüberstehen: der Kita-Ausbau und der Wohnungsmangel. Deswegen muss das Planungsreferat die Nutzungsänderung genehmigen, das Sozialreferat die Zweckentfremdung – und am Ende muss auch der Stadtrat noch zustimmen.

Aus der Kita im Wirtshaus wird deshalb nichts. Alexandra Sigg muss sich nach einem anderen Mieter umschauen. Ein Spanier hat sich schon beworben. Tapas statt Teddybär, Rioja statt Rassel. Mit einer Turbo-Genehmigung wäre es anders ausgegangen. 

 

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