ZOB an der Hackerbrücke Sparfüchse fahren jetzt Bus

Viele Anbieter drängen auf den umkämpften Fernbus-Markt – auch „Flixbus“.Foto: imago Foto: imago

Seit dem Start der Fernbus-Linien Anfang des Jahres quer durch Deutschland boomt der ZOB an der Hackerbrücke. Tickets zu Kampfpreisen gibt’s schon ab 1 Euro. Fragt sich, wie lange noch

München - Seit einer Neuregelung vom 1. Januar 2013 ist der Markt für Fernbusse in Deutschland offen. Zahlreiche Anbieter aus dem In- und Ausland haben sich platziert. Die Preisspanne für die günstigsten Fahrten reicht von 1 Euro (flixbus) bis 11 Euro (Expressbus). Dass die Preise schnell und deutlich steigen können, ist ein offenes Geheimnis.

Frühes Buchen zahlt sich deshalb aus. Mehr als 40 Anbieter sind nach einer Studie des Berliner Iges-Instituts am innerdeutschen Markt aktiv. Und: Ab Freitag schickt sogar Aldi fernbusse auf die Reise. Noch ist die Deutsche Bahn selbst mit ihrer Bahntochter BEX, die den Berlin Linien Bus betreibt, der Anbieter mit dem größten Streckennetz. Wie lange noch, bleibt abzuwarten. Zu den vielen Neuanbietern könnte Ende des Jahres noch ein echtes Schwergewicht dazugesellen: Der ADAC und die Post denken über eine gemeinsame Fernbuslinie nach.

Den neuen Trend wollen beide nicht verschlafen. Die Zahl der Verbindungen wächst rasant an. Die Bundesländer haben bis Mitte Februar 23 neue innerdeutsche Verbindungen im Fernbuslinienverkehr genehmigt, so Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Für weitere 53 Verbindungen sei eine Genehmigung beantragt. Voraussetzung für eine Fernbus-Strecke sind eine Länge von mindestens 50 Kilometern beziehungsweise eine Fahrzeit von mehr als einer Stunde. Bei der Verbindung von München nach Landsberg haben genau diese Anforderungen zum Problem geführt, weil die Fahrt lediglich 58 Minuten dauert (die AZ berichtete).

Das sind aber Einzefälle. Weshalb Christian Rettenbacher vom BRK – als Betreiber des ZOB – froh ist über die neue Möglichkeit des Reisens. Noch vor einem Jahr herrschte oft gähnende Leere an den Haltebuchten im ZOB an der Hackerbrücke. Aber das war einmal: „Wir haben mittlerweile einen Zuwachs von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das hat unsere Erwartungen übertroffen. Darüber freuen wir uns. Wir haben auf das richtige Pferd gesetzt.“

Wer ab München fährt, hat einen klaren Vorteil. Der ZOB liegt nah am Hauptbahnhof. In Frankfurt oder Stuttgart kommen die Passagiere viel weiter außerhalb an. Und müssen dann erst mal umsteigen. Mehr als 25 Ziele steuern die Fernbusse ab München neuerdings an – von A wie Augsburg bis Z wie Zürich ist alles dabei. Anschlussmöglichkeiten sind oft gegeben. Die Bahn fährt mit ihrem „Fern Linien Bus“ auch kleinere Ziele wie Hof an. Abzuwarten bleibt noch, wie viele Unternehmen sich auf Dauer halten können. „Man muss einen langen Atem haben. Vor allem einen finanziellen“, sagt Mario Kunica vom Anbieter „City2City“.

Wer spontan reist, ist mit einer Mitfahrgelegenheit im Auto billiger dran. „Wir bieten eine günstige, nachhaltige Mobilität quer durch Europa“, sagt Markus Barnikel von „mitfahrgelegenheit.de“. Der Chef der carpooling GmbH hat die Einführung der Fernbusse begrüßt, sieht aber Probleme auf den Markt zukommen: „Es gibt derzeit Kampfpreise bei den Bussen. Da wird es sicherlich eine Konsolidierung geben.“

 

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