Zivilcourage in der Isarvorstadt Nachts im Glockenbachviertel: Anwohner jagt Graffiti-Sprayer

Ohne Knut K. wäre der Sprayer in jener Nacht wohl kaum gefasst worden. Foto: Daniel von Loeper

Ein Nachtschwärmer beobachtet zufällig, wie ein junger Mann in der Fraunhoferstraße Hauswände besprüht. Der Passant (48) beweist Zivilcourage.

 

Knut K. war lange unterwegs gewesen. Der Münchner (48), der selbst im Glockenbachviertel wohnt, hatte sich mit Freunden getroffen. Erst gegen halb zwei macht er sich zu Fuß auf den Heimweg.

An der Post in der Fraunhoferstraße möchte Knut K. noch Geld am EC-Automaten ziehen und dann schnell ins Bett gehen. Doch es kommt alles ganz anders.

Die Nacht wird für den Zeugen zum Krimi. Er spielt eine Hauptrolle

„Ich habe ein komisches Geräusch gehört: Klackklackklack“, so Knut K. zur AZ. Als er sich umsieht, entdeckt er drei Männer vor einer Hauswand. Einer von ihnen schüttelt eine Dose und sprüht in riesigen, verschnörkelten Lettern drei Buchstanden an die Wand: HBS. Knut K. bemerkt, dass dieses Tag (Sprayer-Signatur) bereits auf mehreren anderen Häusern in der Fraunhoferstraße prangt.

Knut K.’s Puls schlägt schneller: „Mir war klar, dass ich etwas unternehmen muss. Ich bin selbst Haus- und Grundbesitzer. Da weiß man, wie teuer es ist, solche Schmierereien wieder entfernen zu lassen.“

Er überlegt. Soll er die Männer ansprechen? Würde er sich damit in Gefahr bringen? Knut K. ist schnell klar: Das einzig Richtige ist, die Polizei zu verständigen. Er wählt die 110.

Doch damit ist die aufregende Situation noch nicht vorbei. Im Gegenteil. Für Knut K. wird die Nacht zu einem Krimi, in dem er eine Hauptrolle spielt. Denn der Polizist in der Einsatzzentrale fragt ihn, ob er sich zutrauen würde, dem Sprayer unauffällig zu folgen. „Ich war sehr nervös. Schließlich war niemand mehr auf der Straße außer denen und mir. Aber ich habe es gemacht.“

Der Münchner folgt den Männern mit Sicherheitsabstand und wählt erneut die 110, um seinen Standort durchzugeben. „Aber der Polizist sagte mir, sie wüssten, wo ich bin. Die haben mich offenbar per GPS genau orten können.“

Über 100 Schriftzüge am Hartaus: Polizei jagt vier Graffiti-Sprayer mit Helikopter

An der Ecke Müllerstraße vor der Wirtshausbar „Moro“ greift die Polizei schließlich zu: „Plötzlich kamen sie von überall her. Die Polizisten kesselten uns ein und rissen uns alle zu Boden.“ Wenig später kümmern sie sich um Knut K. „Sie haben mir eine Jacke vors Gesicht gehalten, damit die aus der Sprayer-Gruppe mein Gesicht nicht sehen. Die Beamten haben mir auch zu trinken gegeben und meinen Puls gefühlt. Die waren sehr freundlich zu mir.“

Ärgerlich: Der Täter kann zunächst entwischen. Doch weit kommt er nicht. K. kann ihn und seine auffällige schwarze Jacke mit weißen Applikationen genau beschreiben. Wenige Minuten später wird der Sprayer gefasst. Und noch ein weiteres Mal hilft Knut K. der Polizei: „Ich sollte in eine Limousine mit getönten Scheiben einsteigen. Dann führten zwei Beamte den Mann am Auto vorbei. Ich konnte ihn eindeutig als den Täter identifizieren.“ Ein Polizist, der mit im Auto sitzt, bedankt sich bei Knut K.: „Den haben wir schon lange gesucht! Der hat schon viele Gebäude in München besprüht.“

„HBS“ soll übrigens für Hasenbergl stehen.

 

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