Zinsen und Gebühren bei Banken in München Dispo-Abzocke: Wer überzieht, wird arm!

Dispo-Zinsen: Die Münchner Banken im Vergleich. Foto: dpa/AZ-Grafik

Rutscht das Konto ins Minus, wird es teuer. Zu teuer, meinen Finanztester – auch wenn einige Institute zuletzt die Dispozinsen gesenkt haben. Dabei leihen sie sich das Geld zurzeit fast zum Nulltarif.

 

München - Geht es nach der Stiftung Warentest, zahlen Bankkunden immer noch deutlich zu viel Dispozinsen, wenn sie ihr Konto überziehen. Bis zu 14,25 Prozent können das sein. Das geht aus der gestern veröffentlichten Studie der Verbraucherorganisation hervor. Und das, obwohl sich Banken und Sparkassen für weniger als ein Prozent Geld bei der Europäischen Zentralbank leihen können.

Zumindest einige Kreditinstitute lenken mittlerweile ein: Knapp 250 der 1504 untersuchten Banken haben ihren Dispozins seit dem Vorjahr um mindestens einen Prozentpunkt gesenkt. „Bewegt haben sich vor allem die Institute, die im vergangenen Jahr besonders dreist zugegriffen hatten“, weiß Hubertus Primus, Vorstand der Stiftung Warentest. Wie aus dem Test hervorgeht, schlagen einigen davon dafür aber anderswo wieder kräftig drauf, beispielsweise durch höhere Kontoführungsgebühren. Dreiste Masche:

Günstiger Dispo, teure Führungsgebühr Die Tester ermittelten Zinsunterschiede von fast zehn Prozentpunkten. Den günstigsten Dispozins verlangt die Deutsche Skatbank mit 4,90 Prozent, 14,25 Prozent zahlen hingegen Kunden mit schlechter Bonität bei der Volksbank Westenholz und der Raiffeisenbank Weil und Umgebung. Der Durchschnitt der Dispozinsen liegt bei 10,65 Prozent.

Bei den Münchner Banken bietet die PSD München mit 7,65 Prozent den niedrigsten Dispozins an, gefolgt von der Hausbank München mit 8,21 Prozent und der VR Bank München Land mit 7,90 Prozent. Den Kunden kräftig zur Kasse bitten hingegen die Genossenschaftsbank München (13 Prozent) und die Münchner Bank (12,90 Prozent).

Einige Geldinstitute versuchen, beim Dispo besser auszusehen, als sie sind, erklären die Finanztester. Sie bieten günstige Dispozinsen nur für Girokonten mit hoher Kontoführungsgebühr an. Sehr viele Banken veröffentlichen den Zins nicht im Internet Von den über 100 Banken, die Dispozinsen von 13 Prozent und mehr verlangten, sind noch 35 übrig geblieben. „Das sind allerdings genau 35 zu viel“, kritisiert Primus.

Bundesjustizminister Heiko Maas springt dem Stiftungs-Vorstand zur Seite. Der SPD-Politiker kritisiert, dass eine Bank, die auf Überziehungszinsen von 14 Prozent angewiesen sei, „kein wirkliches Geschäftsmodell habe“. „Ein fairer Zins müsste deutlich unter 10 Prozent liegen“, sagt Stiftungs-Vorstand Hubertus Primus.

„Zu viele Banken nutzen den Dispozins, um ihre Kunden zu schröpfen“, sagt Primus. Jeder Prozentpunkt mehr spüle – grob über alle Institute gerechnet – knapp 380 Millionen Euro in ihre Kassen. Ein Riesengeschäft, denn laut einer Umfrage der ING-DiBa sind rund 20 Prozent aller Girokonteninhaber jeden Monat im Dispo.

Darüber hinaus bemängelt Stiftung Warentest, dass sehr viele Banken den Dispozins nach wie vor nicht im Internet veröffentlichen, so dass kaum ein Vergleich möglich ist. Auch ein Preisaushang vor Ort in den Filialen war nicht immer auffindbar, obwohl die Banken gesetzlich dazu verpflichtet sind.

Die Ausreden der Mitarbeiter waren dabei abenteuerlich, schildern die Tester: Man kenne den Dispozins selbst nicht oder teile ihn erst nach der Eröffnung eines Kontos mit. Oft handle es sich dabei um teure Banken, die den Kunden die Höhe des Zinses ihres Kontos bewusst verschweigen.

 

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