Zeltschulen im Libanon Münchner Grundschüler helfen geflüchteten Kindern

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
130 Kinder besuchen das Schulzelt an der syrischen Grenze. Foto: az

Kinder, Eltern und Lehrer der Tumblingerschule sammeln für ein besonderes Projekt.

 

München - Lillith (8) aus München hat die Flugzeuge gesehen, die Bomben abwerfen, und den Rauch der brennenden syrischen Städte. Angst hatte die Zweitklässlerin nicht. Sie hat Verstecken mit den Kindern im Flüchtlingscamp gespielt.

Im August war Lillith mit ihrer Mutter Jaqueline Flory (40) in der Bekaa-Ebene im Libanon an der syrischen Grenze, um eine Schule zu bauen. 130 Kinder besuchen seitdem die Zeltschule, die Schüler aus der Ludwigsvorstadt ermöglicht haben.

„In den Camps leben die Kinder in Notunterkünften ohne Zugang zu Bildung“, sagt Jaqueline Flory, Übersetzerin für Arabisch. „Die Generation, die Syrien nach dem Kriegsende aus den Ruinen aufbauen soll, wächst im Analphabetismus auf.“

Der syrische Mathelehrer freut sich mit

200.000 solcher Kinder sind das in der Bekaa-Ebene. Deshalb hat Flory im Februar mit Eltern und Lehrern der Tumblingerschule den Verein „Zeltschule“ gegründet. Mittlerweile packt die ganze Schule mit an, sodass bald noch mehr geflüchtete Kinder zur Schule gehen können. Derzeit werden sie in drei Gruppen über den Tag verteilt von einem Lehrer unterrichtet. Jakob (8) weiß, wie’s an seiner Partnerschule ist: „Der Lehrer ist ein Mathelehrer aus Homs und der hat sich mit den Kindern am meisten gefreut, dass er unterrichten darf.“

Zur Zeit wird in München fleißig für den Adventsmarkt gebastelt: Die dritten Klassen bedrucken T-Shirts und bekleben Kerzen, die 1b malt Karten. Einige Schüler haben daheim Lichthauskirchen aus Holz und Engel aus Korken gebastelt. Mit dem Geld wollen sie zwei weitere Schulen bauen.

8000 Euro sind die einmaligen Kosten, 6000 Euro braucht’s, um eine Schule ein Jahr zu betreiben – inklusive Essen und Schulmaterial. Eine neue Schule wird erst gebaut, wenn das Geld für mindestens ein Jahr Betrieb da ist.

Ein 60 Quadratmeter großes Zelt, das im Januar als Schule im Libanon aufgebaut wird, steht jetzt für den Markt auf dem Schulhof. „Wenn der Krieg vorbei ist, bauen wir unsere Zelte in Syrien auf“, sagt Jasmin (9). Die Kinder wissen viel über den Libanon und Syrien. „Da ist’s im Sommer warm wie im Backofen und im Winter schneit es“, sagt Jakob.

Zum Schullandheim in den Libanon!

Trotz des Wetters hat Jasmin eine Idee, die sie vorschlagen will: „Schullandheim im Libanon!“

Bis das tatsächlich klappt, müssen Lillith und ihre Mama wieder und wieder erzählen, wie sich die Kinder im Libanon über die gepackten Schulrucksäcke aus München gefreut haben, wie sie „Danke“ und „Gut“ auf Deutsch sagen – und wie gerne sie in die Schule gehen.


Spenden können Sie auch online auf der Website des Projekts.

 

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