Yannic Seidenberg Mister 254 – der neue Rekordmann des EHC

"Ich bin nach München gekommen, um Titel zu holen, dass ich so einen Rekord mitnehme, ist schön", sagt Yannic Seidenberg. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Yannic Seidenberg löst am Dienstag gegen die Adler Mannheim EHC-Urgestein Uli Maurer als Münchens DEL-Rekordhalter ab. "Ich werde ihn im Sommer in Garmisch besuchen und ein Bier dafür ausgeben."

Nationalverteidiger Yannic Seidenberg (34) spielt seit 2013 beim EHC Red Bull München, am Dienstag gegen seinen Ex-Klub Mannhein Adler bestreitet er sein 254. DEL-Spiel für den EHC und löst damit Uli Maurer als Rekordhalter ab.

AZ: Gratulation, Herr Seidenberg, beim Spiel des EHC bei Ihrem Ex-Klub Adlern Mannheim stehen Sie zum 254. Mal für München in der DEL auf dem Eis und schubsen damit Urgestein Uli Maurer vom Rekordhalter-Thron.
YANNIC SEIDENBERG: Danke, danke. Ich muss zugeben, das war mir bis gerade überhaupt nicht bewusst. Ich werde den Uli gleich mal anrufen. Ich fürchte, ich muss ihn dafür auf ein Bier im Sommer bei ihm in Garmisch einladen. Ich bin nach München gekommen, um Titel zu holen, dass ich noch so einen Rekord mitnehme, ist natürlich schön. Ich werde aber versuchen, noch einige Spiele draufzupacken, ich will noch lange in München spielen.

Dass Sie den Rekord ausgerechnet in Ihrer alten Heimat Mannheim holen, ist pikant.
Stimmt. Ich bin ja mit 14 Jahren ins Internat dort gegangen, habe dort neun Jahre gelebt. Mannheim ist meine zweite Heimat, aber jetzt sind wir Münchner, mein Sohn ist hier geboren, meine Töchter gehen hier zur Schule, machen Ballett, Turnen, Eiskunstlauf hier. Wir sind hier daheim.

Hatten die Töchter keine Lust auf Eishockey wie der Papa?
Doch, als sie drei waren, wollten sie das ausprobieren, aber ich habe sie dann erst mal ins Eiskunstlaufen gesteckt und dann haben sie für sich gesehen, dass das ihrem Naturell eher entspricht. Aber das müssen sie selber entscheiden.

Seidenberg: "Manche Träume brauchen eben Zeit"

Sie sprachen an, wie wohl Sie sich in München fühlen. Doch am Anfang – Sie kamen 2013 zum EHC – war es nicht leicht für Sie hier.
Das stimmt, die Saison unter Trainer Pierre Pagé mit all den neuen Spielern war schwierig, dann kam Don. Und ich musste mir sein Vertrauen erst erarbeiten. Das war nicht immer leicht, aber ich habe das durchgezogen und es hat sich für alle gelohnt. Dann kam meine schwere Knieverletzung. Da wusste ich nicht, ob ich je wieder Eishockey spielen können würde. Es war ein schwerer Weg zurück, aber ein lohnender. Seitdem genieße ich wirklich jede Sekunde auf dem Eis. Weil ich eben weiß, wie nahe ich dran war, dass ich das nicht mehr erleben könnte. Ich lebe hier meinen Traum.

Ein weiterer Traum geht für Sie in Erfüllung – Sie sind bei den Olympischen Spielen in Südkorea dabei!
Das bedeutet mir so viel. Vor acht Jahren bin ich ja direkt vor dem Turnier noch aus dem Kader gestrichen worden. Das war etwas, was mich wirklich mitgenommen hat, womit ich nicht gerechnet hatte, da ich davor bei allen Länderspielen dabei war. Das hat mich tief getroffen. Vor vier Jahren haben wir uns ja dann nicht für Olympia qualifizieren können, ich war mir daher nicht sicher, ob dieser Traum für mich noch in Erfüllung gehen würde.

Jetzt mit 34 ist es soweit!
Manche Träume brauchen eben Zeit, bis sie Realität werden, ich freue mich ungemein auf das Erlebnis Olympia.

Schon einen Reiseführer gekauft?
Nö, ich hoffe, ich finde jemanden dort, der sich auskennt und mir alles zeigt. (lacht)

Ihr Teamkollege Konrad Abeltshauser hat jetzt das Schicksal, das Ihnen vor acht Jahren passiert ist, erleben müssen, er flog aus dem finalen Olympiakader.
Das ist hart für ihn, aber das ist die Entscheidung des Bundestrainers. Ich habe ihm gleich gesagt, er soll den Kopf nicht hängen lassen. Er ist ja noch so jung. Er ist 25. Ja, und er hat ein unglaubliches Potenzial und wird definitiv noch seine Chance kriegen. Man sieht an mir, es kann dauern, aber dann wird es umso schöner. Wer den Koni kennt, weiß, dass er jetzt nicht den Kopf in den Sand stecken wird, sondern das als Ansporn sehen wird, um noch besser zu werden, an sich zu arbeiten. Er lässt sich dadurch nicht unterkriegen, sondern wird nochmal eine Schippe drauflegen.

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