Wunschberuf: Pflege So werden Altenpfleger ausgebildet

Rolf Liebmanns Traumberuf ist Altenpfleger. Hier kümmert er sich um Franz Singer - der immer einen Witz parat hat. Foto: Petra Schramek

Claudia Merk (22) und Rolf Liebmann (35) lassen sich in München zu Pflegern ausbilden. Für andere da zu sein, ist ihr Traumjob

 

München - Es ist derselbe Satz, den Claudia Merk und Rolf Liebmann immer wieder hören: "Ich könnte das nicht, aber es ist toll, dass du das machst." Ein Satz mit Unterton: Einer muss es ja machen. Aber Claudia Merk und Rolf Liebmann müssen nicht, sie wollen. Die Altenpflege ist ihr Wunschberuf.

Warum das so ist, merkt man schnell, wenn man sie bei ihrer Ausbildung begleitet. Etwa an einem Donnerstagmorgen im Leonhard-Henninger-Haus im Westend. Rolf Liebmann macht hier seine praktische Ausbildung, heute in der Frühschicht, die um halb sieben beginnt.

Er kümmert sich gerade um Franz Singer. Der 74-Jährige grinst, als sein Pfleger das Zimmer betritt. Rolf Liebmann fährt das Bett elektrisch hoch. "Es geht wieder aufwärts!", sagt Franz Singer und greift nach Liebmanns Hand. Beide lachen. Es sind Momente wie diese, wegen derer Rolf Liebmann seine Arbeit liebt.

Dabei ist es eine Arbeit, über die er selbst sagt: "Hätte mir vor einigen Jahren jemand gesagt, dass ich das mache, hätte ich ihm den Vogel gezeigt." Rolf Liebmann war damals noch Spediteur. Heute, mit 35, ist er in seinem dritten Ausbildungsjahr als Pflegefachkraft. "Ich wollte mehr mit Menschen arbeiten, aber in einer Art, die tiefer geht und wirklich intensiv ist." Er fing in einer Behindertenwerkstatt an, von dort kam er zur Altenpflege.

Jetzt geht er durch den Frühstücksraum des Pflegeheims der Inneren Mission München und bringt Verena Babl das Frühstück. Zuvor hat er der 64-Jährigen beim Aufstehen und Waschen geholfen, hat ihr Kompressionsstrümpfe angelegt und sie beim Anziehen unterstützt.

Nun, im grossen Frühstücksraum, muss er für alle da sein. "Kann ich Wasser statt Saft haben", fragt eine Frau, während eine Bewohnerin am Nebentisch murmelt: "Wo sind meine Tabletten?" Eine Dritte klopft einfach so auf den Tisch.

Bereits in der Ausbildung werden die Pfleger gefordert, doch sie sind vorbereitet. Was Rolf Liebmann hier im Heim macht, lernt er in der Evangelischen Pflegeakademie. 2100 Unterrichtsstunden absolviert er dort in drei Jahren, dazu kommen 2500 Stunden Praxis. Die Fächer sind vielfältig: von medizinischen Themen über konkrete Pflegehandlungen und den Umgang mit Senioren bis hin zu Sozialkunde und Berufsrecht.

Für Claudia Merk steht heute Schmerzmanagement auf dem Stundenplan. Sie sitzt in einem Klassenzimmer in Obersendling. Eine Lehrerin erklärt, wie man Pflegebedürftige richtig nach Schmerzen fragt und diese ordentlich dokumentiert. Immer wieder melden sich Schüler und berichten davon, wie sie das bisher in ihrer Arbeit gemacht haben. Viele haben bereits Erfahrungen in der Pflege. Auch Claudia Merk.

Schon als Schülerin am Gymnasium betreute sie nebenher eine Demenzgruppe. Sie beschäftigte sich mit Musiktherapie, schrieb ihre Facharbeit darüber.

Nach dem Abi machte sie ein freiwilliges soziales Jahr im Pflegeheim Eichenau. Heute ist das ihr Ausbildungsheim. Claudia Merk ist im zweiten Jahr der Ausbildung, die bei ihr eine duale ist.

Denn die Pflegeakademie bietet zusammen mit der Katholischen Stiftungsfachhochschule München ein Pflegestudium an, das mit der Ausbildung kombiniert wird.

Claudia Merks Berufsvorbereitung dauert dadurch länger, dafür hat sie am Ende aber auch einen Bachelor-Titel. "Das war mir sehr wichtig", sagt sie. "Schliesslich habe ich Abitur und will auch was daraus machen."

Fragt man die 22-Jährige, warum sie Altenpflegerin werden will, überlegt sie nicht lange: "Weil es ein sehr schönes Gefühl ist, wenn man für jemanden sorgt und aufrichtige Dankbarkeit spürt." Denn Pflege, sagt sie, gehe über blosse Handgriffe hinaus. "Beziehungsarbeit" heisst das im Fachjargon. Ein Hilfsbegriff, der für all das steht, was auch Rolf Liebmann am Pflegeberuf so mag: "Die ganze Wertschätzung, mit der man den Pflegebedürftigen begegnet, bekommt man auch zurück. Das ist toll."

Dafür nehmen die Pflegeschüler auch in Kauf, dass sie später recht wenig verdienen werden. "Ich will nicht undankbar sein", sagt Rolf Liebmann, "aber es ist schon zu wenig für diesen anstrengenden Beruf."

Claudia Merk ärgert vor allem das geringe Ansehen der Altenpflege. "Wenn jemand vorschlägt, alle entlassenen Schlecker-Verkäuferinnen könnten ja Pflegerinnen werden, dann ist das eine totale Degradierung", sagt sie. "Als könne das jeder einfach mal schnell machen."

Dabei müssen Altenpfleger weitaus mehr können als nur Pflegehandgriffe, sagt die Leiterin der Pflegeakademie, Lisa Hirdes. "Unsere Schüler lernen auch eine Haltung, die Ausbildung ist Persönlichkeitsentwicklung."

Man merkt, dass sie sehr stolz ist auf ihre Schüler. 220 sind es momentan in der Ausbildung an der Pflegeakademie. Sie alle werden danach wohl eine Stelle bekommen. Denn sie alle werden gebraucht.

Ausbildung zum Altenpfleger - Das müssen Sie wissen

Wo kann man sich in der Altenpflege ausbilden lassen? In München gibt es mehrere Einrichtungen, die eine qualifizierte Pflegeausbildung anbieten, zum Beispiel die Evangelische Pflegeakademie, die Schwesternschaft vom Bayerischen Roten Kreuz, die Caritas, der Dritte Orden, die AWO, die Heimerer Schulen oder Münchenstift. Auch am städtischen Klinikum kann man sich ausbilden lassen. Es gibt zudem Studienangebote in der Pflege, etwa an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München.

Wer darf die Ausbildung machen? Bewerber für die Ausbildung müssen einen mittleren Schulabschluss oder einen Hauptschulabschluss mit zusätzlicher zweijähriger Berufsausbildung haben. Alternativ gilt auch eine abgeschlossene Ausbildung zum Pflegefachhelfer als Qualifikation. Voraussetzung ist natürlich auch die persönliche Eignung, die bei einem Gespräch getestet wird.

Was lernt man? Man lernt, wie man die Pflege alter Menschen plant, durchführt und kontrolliert. Dazu gehören einerseits medizinisches und pflegerisches Handwerk, aber auch psychologische Aspekte wie etwa Gesprächsführung. Hinzu kommen rechtliche Aspekte sowie Berufsethik.

Was verdient man? Nach dem Tarifgefüge der Hilfe im Alter gelten seit Anfang dieses Jahres folgende Beträge: 924 Euro im ersten Ausbildungsjahr, 990 Euro im zweiten und 1096 im dritten. Dazu kommen Zuschläge etwa für Nacht- und Sonntagsschichten.

Wo kann man danach arbeiten? In der Pflege gibt es verschiedene Möglichkeiten, etwa Alten- und Pflegeheime, ambulante Dienste, gerontopsychiatrische Kliniken oder Behinderteneinrichtungen. Auch in Reha-Kliniken oder Krankenhäusern gibt es Arbeitsplätze für Pfleger. Schliesslich kann man auch noch in der Ausbildung arbeiten und andere angehende Pfleger ausbilden. Da Altenpfleger stark benötigt werden, sind die Aussichten auf einen festen Arbeitsplatz sehr gut.

 

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