Wunderbarer Glitzerkitsch: Das "Winter Wonderland" lockt nach Augsburg

Der Verwandlungskünstler Chris Kolonko – hier gerade als Weihnachtsengel eingeschwebt. Foto: Spiegelpalast / Matthias Leo

Erotik, Akrobatik, Witz und viel Glitter: Chris Kolonkos Show "Winter Wonderland" lockt nach Augsburg.

Augsburg - Wir Münchner haben Dinnershows schon funktionieren (Schubecks "Theatro") und scheitern (Giovane Élbers "Do Brasil") erlebt, und seit das GOP täglich auch Essen zum Varietétheater anbietet, ist fast so etwas wie eine Sättigung eingetreten, auch weil gerade wieder das Wintertollwood mit Menü und Circus Oz auf der Theresienwiese zeltet. Warum also nach Augsburg aufs Plärrergelände fahren ins "Winter Wonderland"?

Eine Glitzergestalt als Weihnachtsengel

Die Antwort gibt die Glitzergestalt Chris Kolonko selbst. Da steht er, dieser geschlechtslose Weihnachtsengel und erzählt uns mit Zarah-Leanderstimme sein wahres Kindheitsmärchen "vom kleinen Jungen" – und sagt charmant-melancholisch augenzwinkernd im Strasskleid dazu: "...auch wenn sie das mit dem Jungen jetzt vielleicht seltsam finden."

Chris Kolonko ist ein wunderbarer Entertainer, weil er rühren und begeistern kann. Und eine rührende Geschichte ist eben die vom "Traum des kleinen Jungen", der immer auf den Zirkus auf dem Augsburger Plärrergelände gewartet hat, zu Hause das Erlebte nachspielte und beschloss, Conférencier zu werden. "Es heißt immer, dass Träume wahr werden, wenn man nur fest an sie glaubt. Ich glaube, dass Träume wahr werden, wenn man ganz fest an ihnen arbeitet."

Glamouratmosphäre im Augsburger Spiegelpalast

Und so ist Chris Kolonko in dreißig Jahren zu dieser erotisch schillernden, warmherzigen Kunstfigur geworden und hat – mit größtem Risiko – jetzt einen Spiegelpalast nach Augsburg gesetzt. Er erinnert an das Moulin Rouge, hat Plüsch und Tiffany, Tingeltangel und Glamouratmosphäre. Es ist Kolonkos persönliches, intimes "Winter Wonderland": witzig, wunderbar kitschig, charmant frivol und damit eben doch anders als andere Angebote diverser Dinnershows.

Satirische Jongleure und Stangenakrobaten

Schon an der Garderobe empfängt ein rustikaler Transvestit, gleich zu Beginn ziehen zu "It’s the Most Wonderful Time of the Year" viel Haut , viel Federn tanzend ein und verbreiten brasilianisches Las-Vegas-Flair. Dann kommt die singende, erzählende Königin der Nacht, die sich später auch auf einem leuchtenden Mondsichel-Sessel in den Kuppelhimmel ziehen lässt. Und weil Chris Kolonko manchmal auch vor Zotigem nicht zurückschreckt, rechtfertigt man sich lässig: "Lieber unter Niveau amüsiert als über Niveau gelangweilt", wobei das spielerische Niveau des Abends angenehm hoch bleibt: vom sympathischen Jungspunt-Zauberer über satirische Jongleure, Romeo-und-Julia-Trapezpaare und einer Mental-Mystikerin, die nur 48 Kilogramm schwer sein will, aber nicht gehoben werden kann bis zum muskulösen Stangenakrobaten.

Und kulinarisch? Da ist das Niveau auch hoch: vom Vorspeisenarrangement über die Entenbrust bis zum verführerischen Schokoapfel, in dessen Inneren sich Fruchtig-Eisiges verbirgt. The Show must go on, Chis! Du Winterwunderwesen!

 

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