Wunder-Rasen für Ligaverbleib? Warum Pereira ausgerechnet ins Unterallgäu wollte

, aktualisiert am 18.05.2017 - 14:10 Uhr
Impressionen aus dem Kurztrainingslager der Löwen in Bad Wörishofen Foto: Patrick Mayer

Im Leben kommt es oft auf Details an. Das gilt freilich auch für den Abstiegskampf in der 2. Liga. Für Vitor Pereira ist ein entscheidendes Kriterium für das Not-Trainingslager in Bad Wörishofen der Rasen im Allgäu. Die AZ erklärt, warum.

 

Bad Wörishofen - Hightech hat in der Bundesliga Hochkonjunktur. Zumindest, was die Rasen der Stadien und Trainingsplätze angeht. Wer was auf sich hält, der bestellt eine Greenkeeper-Firma aus den Niederlanden. Die Spezialisten verpflanzen feinfühlig mit komplizierten Geräten, die sich wie Science-Fiction-Maschinen anhören, Kunstrasen in zuvor ausgelegten Rollrasen. So geschehen beim TSV 1860 im vergangenen Jahr.

Kein Hightech wie bei 1860 oder dem FC Bayern

In der Allianz Arena liegt solch ein Rasen längstens. Pep Guardiola ließ einst einen eben solchen Untergrund für die Plätze des FC Bayern an der Grünwalder Straße ordern. Geht es nach Axel Morel liegt einer der besten Fußballrasen Bayerns jedoch in Bad Wörishofen, wo die Sechzger vor der Entscheidung im Abstiegskampf im Trainingslager weilen. Die städtische Sportanlage ist unscheinbar. Lokal wird hier ansonsten Kreisklassen-Fußball gespielt. Doch seit Jahren kommen große Klubs wegen der Abgeschiedenheit des Ortes, um sich hier auf die Saison vorzubereiten.

Gladbach war da, Besikats Istanbul, auch schon Klubs aus den Emiraten, weil es im Allgäu nicht so heißt ist. Sie alle schätzen hier eines: den Sportrasen. Dieser, saftig grün, kaum ein Unkraut, akkurat geschnitten, liegt unauffällig zwischen einem Wanderweg und der Böschung, die das Gelände zur Bundestraße abgrenzt. Hier also will Sechzig die Grundlagen für den Verbleib in der 2. Liga legen?

Ein Rasen für Vitor Pereira

Das Training am Mittwochnachmittag war intensiv. Berichtet Sechzig. Medienvertreter waren, wie so oft in dieser Saison, nicht zugelassen. Vor allem aber der Rasen hat es Chefcoach Vitor Pereira, auf den Investor Hasan Ismaik via Facebook Druck ausübte, angetan."So einen Rasen gibt es nicht oft in Bayern", erklärt Axel Morel der AZ. Der Krefelder hat das Not-Trainingslager kurzerhand für Sechzig organisiert. Morel: "Wir mähen den Rasen dreimal die Woche. Das ist das Geheimnis!"

Wie von Löwen-Coach Vitor Pereira bestellt wurde der Rasen am Mittwochvormittag nochmal exakt auf 2,7 Zentimeter gemäht, danach gewässert, "damit der Ball besser läuft. Das wird er wohl für seine Außenverteidiger brauchen. Auf diesem Rasen kommt kein Ball zum Stehen", erklärte der Dienstleister, der seit 19 Jahren Trainingscamps im Allgäu und Alpenvorland ausrichtet.

1860 braucht mehr Druck über außen

Genau an diesem Punkt wird der Faktor Rasen bedeutend: Beim Showdown beim 1. FC Heidenheim (So., 15.30 Uhr, im AZ-Liveticker) könnte Marnon Busch als verkappter Rechtsverteidiger in die Startelf zurückkehren. Das Spiel über die Außen mit dynmaischen Vorstößen in Richtung Grundlinie und direkten Flanken in die Box, war zuletzt beim 1:2 gegen den VfL Bochum kein Faktor.

Die Bedingungen im Unterallgäu brächten einen weiteren Vorteil, erklärt Morel: "In Garmisch bleiben die Wolken an den Alpen hängen. Da regnet es auch mal drei Tage am Stück. Hier ziehen die Wolken schnell wieder vorbei." Ergo: Der Rasen wird natürlich gewässert, kann aber meist schnell wieder trocknen, steht nie unter Wasser. Auch da heißt es wie so oft im Leben: Die Mischung macht's!

 

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