Wortkarger zeuge NSU-Prozess: Herkunft der Waffen bleibt verborgen

Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im Münchner NSU-Prozess. Foto: dpa

Ein früheres Bandenmitglied aus Jena gab sich als Zeuge im NSU-Prozess zwar letztlich ziemlich wortkarg. Der Mann bestärkte aber dennoch den Verdacht, dass die Neonazi-Szene um die mutmaßlichen NSU-Terroristen mit Rotlicht- und Drogengangstern kooperierte.

 

München - Ein früheres Mitglied einer Jenaer Unterweltbande hat im NSU-Prozess nach anfänglicher Aussagebereitschaft jede weitere Antwort verweigert. Der Mann, der in Begleitung eines Anwalts vor dem Oberlandesgericht München erschienen war, berief sich am Mittwoch auf das Recht, sich nicht selbst belasten zu müssen. Bei der Vernehmung ging es um die Beschaffung von Waffen für die mutmaßlichen Terroristen des "Nationalsozialistischen Untergrunds".

Neonazis mit Waffen ausgestattet

Der Zeuge hatte in einer früheren Vernehmung ausgesagt, seine Bande habe Neonazis mit Waffen ausgestattet. Sie habe sich davon Unterstützung beim Zurückdrängen ausländischer Krimineller im Rotlicht- und Drogengeschäft versprochen. Am Mittwoch ergänzte er, er kenne mehrere Männer aus dem Umfeld der Jenaer Neonazi-Szene, zu der auch das NSU-Trio gehörte. Mit einem dieser Männer sei er bis heute befreundet. Dieser Mann gilt der Anklage als Mitbeschaffer der Mordwaffe vom Typ "Ceska".

Die "Ceska" war bei neun der zehn Morde verwendet worden, die die Bundesanwaltschaft dem NSU anlastet. Alle Opfer, die mit dieser Pistole erschossen wurden, waren türkisch- oder griechischstämmige Gewerbetreibende. Verantworten muss sich dafür die Hauptangeklagte Beate Zschäpe. Die Anklage wirft ihr Mittäterschaft vor.

Nebenklage-Anwalt Yavuz Narin beantragte anschließend, weitere Zeugen aus dem Umfeld des kriminellen Milieus zu laden. Einer dieser Männer habe in den 1990er Jahren ebenfalls zur Jenaer Unterwelt gehört und den späteren mutmaßlichen Terroristen Uwe Böhnhardt "zur gewerbsmäßigen Begehung von Straftaten" angestiftet. Dieser Mann sei außerdem mit Angehörigen der Polizistin Michèle Kiesewetter befreundet, die als letztes Mordopfer des NSU am 25. April 2007 in Heilbronn erschossen wurde.

Mit einem neuen Verfahrensantrag wandten sich am Mittwoch die Verteidiger des mutmaßlichen Terrorhelfers Ralf Wohlleben an das Gericht. Sie verlangten, die komplette Prozessakte in Papierform an ihre Kanzleien geliefert zu bekommen. Sie reagierten damit auf eine Anmerkung des Gerichts, es könne nicht garantieren, dass die bisher an die Prozessbeteiligten versandten digitalisierten Akten vollständig seien. Die gesamte Akte umfasst nach einer Schätzung der Wohlleben-Verteidigerin Nicole Schneiders rund 200 000 Seiten.

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Am Rande des Prozesses wurde ein Brief Zschäpes an das Gericht bekannt, in dem sie sich über ihre beiden Pflichtverteidiger Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl beklagte. Die beiden hätten einen Mitarbeiter einer mutmaßlich von Böhnhardt und Uwe Mundlos überfallenen Sparkassenfiliale "unpassend" und "formaljuristisch" unterbrochen, als der darauf hinwies, dass staatliche Stellen sich nur bei den Angehörigen der Mordopfer entschuldigt hätten, nicht aber bei überlebenden Opfern von NSU-Verbrechen.

 

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