Wondratscheks Comeback Auf einer anderen Frequenz

Wondratschek mit Muhammad Ali Foto: DTV

Wolf Wondratschek beschreibt in „Das Geschenk” ein Vater-Sohn-Verhältnis

 

Fast könnte man von einem Comeback sprechen: Wolf Wondratschek, der in den 60er und 70er Jahren das Klischee vom „Dichter der Bars und Boxringe” perfekt bediente, wie kein Zweiter über „Die Einsamkeit der Männer” , die Frauen, die Liebe (und die Drogen) schrieb, hat sich mit „Das Geschenk” zurückgemeldet: ein 170 Seiten dünnes, aber großes Buch.
„Einunddreißig Jahre später...” beginnt der Roman, zuvor zitiert Wondratschek ein Gedicht aus „Chucks’s Zimmer” (1974), das vom flirrenden Begehren der Männer handelt und mit der Zeile endet: „Chuck, der sein Kind liebt, das nie zur Welt kommen wird.” Aber das Leben schreibt halt gern seine eigene Geschichte, und so ist Wondratscheks Alter Ego Chuck in den Nullerjahren Vater eines vierzehnjährigen Jungen, der gerade so gar nichts von seinen Eltern hören möchte. Erst recht keine Ratschläge.

Jede sendet auf anderer Frequenz


„Gesprochene Scherben, Reste eines alles abwehrenden Schweigens”, mehr umfasst das Kommunikationsangebot des Sohnes zur Zeit nicht. Chuck kennt das, er war früher selbst nicht anders und ist es bis zu einem gewissen Punkt auch jetzt nicht, eingerichtet in seinem rücksichtslosen Eigensinn.
An der Erziehung hat Chuck eher sporadisch teilgenommen, die Beziehung zu der Frau, wie zu so vielen anderen, war nicht von Dauer. Er hat sie ausgenutzt, als er tiefer denn je zuvor am Boden lag. Eine junge Frau, die ihn nur wegen ihrer Blüte interessierte: „Vater, Mutter, Kind, das waren in diesem Fall drei Generationen, getrennt durch grob gerechnet jeweils 25 Jahre; und jede sendete auf einer anderen Frequenz.”

Hübsche Urologin, aussichtsloses Duell

So ist „Das Geschenk”, mit dem natürlich der Sohn gemeint ist, die Selbsterklärung und -Vergewisserung eines in die Jahre gekommenen Mannes. Chuck aber beherrscht mittlerweile nicht nur die Sprache des alternden Machos, er federt die Tücken auch mit Selbstironie ab: Ein gereifter Mann, der sich wegen mangelnder Haarpracht „kaum noch zum Friseur traut” und sich in der Praxis mit heruntergelassener Hose im ramponierten Ali-I-Am-The-Greatest-T-Shirt mit der hübschen Urologin ein aussichtsloses Duell liefert.
Egal, ob Wondratschek über Hunde und Katzen philosophiert oder über die 68er-Revolutionäre, sein Sound ist ebenso wiedererkennbar wie seine Pose: „Gott sollte sich eben nicht selbst ans Steuer setzen. Nicht einmal nüchtern.” Wer noch solche Sätze raushaut, braucht das Alter nicht zu fürchten.

Volker Isfort


Wolf Wondratschek stellt „Das Geschenk” (Hanser, 170 Seiten, 17.90 Euro) an diesem Donnerstag in der Münchner Buchhandlung Lehmkuhl vor (Leopoldstraße 45, 20.30 Uhr)

 

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