Wolf im AZ-Interview Die Begierde von Michael Wolf

EHC-Kapitän Michael Wolf. Foto: GEPA pictures/ho

Michael Wolf, Kapitän des EHC Red Bull München, spricht in der AZ über den Saisonverlauf, seine überwundene Torflaute, den Deutschland-Cup und sein erstes Länderspiel.

 

AZ: Herr Wolf, es ist Spielpause in der DEL aufgrund des Deutschland-Cups, Anlass genug, ein Zwischenfazit zu ziehen. Was sagt der Kapitän über die bisherigen Leistungen des EHC Red Bull München?

MICHAEL WOLF: Ich denke, wir können ganz zufrieden sein. Nein, streichen Sie das. Zufrieden sollte man nie sein, selbst wenn es bestens läuft. Zufriedenheit ist eine gefährliche Geisteshaltung. Daher will ich es anders ausdrücken: Ich denke, wir sind in dieser Spielzeit besser, als wir zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison waren. Wir hatten einige sehr gute Spiele und einige Partien, die sicher nicht beeindruckend waren. Aber alles in allem sind wir konstanter als vergangene Saison, was sicher auch daran liegt, dass wir viel weniger neue Spieler haben, die wir integrieren mussten. So wusste eigentlich immer jeder, was er zu tun hat, aber auch, was der andere macht. Wir sind Tabellenführer, von dem her ist alles in Ordnung. Wenn wir auch sicher Luft nach oben haben.

Trainer Don Jackson war aber nach dem knappen Sieg gegen Schwenningen und der Heimpleite gegen Bremerhaven so angefressen, wie ihn die Öffentlichkeit selten erlebt hat.

(lacht) Da war er sicher nicht allein. Wir alle, die gesamte Mannschaft war extrem sauer darüber, wie wir da gespielt haben, dass wir da Punkte haben liegenlassen. Wir wissen, dass wir nicht gut gespielt haben. Und keiner ärgert sich mehr darüber als wir selbst.

Jackson hat indirekt dem Team den Vorwurf gemacht, dass die Einstellung nicht gestimmt hat.

Ich weiß nicht, ob es daran lag. Es ist nicht so, dass wir Teams, die vielleicht auf dem Papier nicht so stark sind, auf die leichte Schulter nehmen. Dass genau dieses Papier nicht immer viel wert ist, haben wir ja selber erfahren. Wir haben eine erfahrene, eine charakterstarke Mannschaft, die gewinnen will. Immer. Aber man merkt schon, dass die anderen Teams gegen den Meister immer noch ein bisschen was draufpacken, dass uns alle ein Bein stellen wollen. Aber das ist okay, dafür haben wir vergangene Saison alles getan, dass es so ist, dafür tun wir jetzt wieder alles. Und die anderen Teams wissen auch, wie dominant wir spielen und auftreten können. Sie wissen, dass sie alles geben müssen, um nicht überrollt zu werden.

Auch bei Ihnen lief es zu Saisonbeginn alles andere als gut.

Das stimmt. Nur ein Tor in den ersten 15 Spielen, das ist nicht der Anspruch, den ich an mich habe.

Wolfs Begierde nach Toren.

Es hat schon an mir genagt. Aber solange wir trotzdem Tabellenführer sind, ist es nicht so schlimm. Am wichtigsten ist, dass der Puck ins Netz geht, wir gewinnen. Wer letztlich als Torschütze aufgeführt wird, hat keine Priorität, aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir völlig egal ist, wenn ich nicht treffe. Ich will schließlich mit Toren der Mannschaft weiterhelfen. Daher waren die beiden Tore Sonntag gegen Wolfsburg sicher eine Befreiung, haben mir auch persönlich gutgetan.

Das war eine der längsten Torflauten der Karriere?

Ich führe darüber nicht Buch, aber es ist sicher so, dass es, was die Tore angeht, eine der schlechtesten Episoden meiner Karriere war. Gut, dass es jetzt vorbei ist, dass ich mich mit diesen Erfolgserlebnissen in die Deutschland-Cup-Pause begeben kann. Ich werde jetzt im Kreise der Familie Kraft tanken, die Akkus wieder aufladen – und den Deutschland-Cup im Fernseher anschauen. (lacht)

Da sehen Sie, der vor zwei Jahren die Karriere in der Nationalmannschaft beendet hat, ein paar Ihrer Teamkollegen: Jerome Flaake sowie Konrad Abeltshauser und Maximilian Kastner, die beide ihr Debüt in für Deutschland geben.

Und sie haben es sich vollkommen verdient. Konny hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht, ist ein sehr guter Verteidiger – obwohl er erst 24 ist und erst ein knappes Jahr in der DEL spielt. Und Kastner hat auch einen Riesenschritt gemacht. Er kann ein richtiger Faktor sein. Ich hoffe, dass beide diesen Moment richtig genießen können, alles aufnehmen, denn dieses erste Länderspiel ist schon ein Moment, den man nicht vergisst. Das ist das, wovon man als Kind ja auch immer geträumt hat. Sie haben sich diese Ehre erarbeitet, sie können stolz auf sich sein und ich finde, auch München sollte als Stadt stolz sein, zwei weitere Nationalspieler vorweisen zu können.

Ihr erstes Länderspiel...

(lacht) Ist vor allem lange her. Aber Spaß beiseite. Das war auch beim Deutschland-Cup, wir haben sogar gewonnen. Aber ich habe das damals gar nicht so richtig genießen können, ich war schon sehr nervös, da ist so viel auf einen einsgestürzt. Mir war in dem Moment fast am wichtigsten, dass ich keinen Fehler mache. Daher hoffe ich, dass Abeltshauser und Kastner sich von all dem einfach frei machen können und einfach jede Sekunde genießen. Denn diese sind einzigartig.   

 

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