Wohnmobile Sabotiert Parkplatzkrieg: Jetzt schlitzen sie Reifen auf

Platte Reifen - die Bilder aus Laim. Foto: Hub

Rund um die Rushaimerstraße in Laim tobt der Krieg zwischen Anwohnern und Wohnmobil-Besitzern. Jetzt gibt’s die ersten platten Reifen. Wie sich eines der Opfer jetzt dagegen wehrt.

 

München - "Sehr geehrter Herr Reifenstecher...“, beginnt Tina G. ihre Nachricht höflich. Doch im Grunde ist die 32-jährige Münchnerin stinksauer. Zwei Reifen hat ihr ein Unbekannter an ihrem Camper zerstochen. Die Polizei ermittelt.

Tina G. war auf dem Weg zu einer Beerdigung, die Mutter einer Freundin war gestorben. Fast wäre es für die Künstlerin zur letzten Fahrt in ihrem Leben geworden. Auf der Autobahn A 99 platzte nahe der Ausfahrt Gröbenzell an ihrem Wohnmobil der rechte Vorderreifen. „Ich war nicht schnell unterwegs und hatte Glück“, erzählt Tina G. Der umgebaute Lieferwagen, früher beim Paketzusteller UPS im Dienst, geriet ins Schlingern. Die Münchnerin schaffte es, unfallfrei und mit heiler Haut über zwei Spuren quer rüber bis auf den Pannenstreifen.

Der ADAC schleppte den Camper ab und brachte ihn zurück in die Rushaimerstraße. Zwei Tage später war der eben erst erneuerte Vorderreifen wieder platt. Der Reifenstecher hatte erneut zugeschlagen.
Tina G. ist nicht das einzige Opfer. Bei Camping-Fan Ulrich M. wurde ebenfalls ein Reifen am Wohnmobil zerstochen. Auch er hatte in der Rushaimerstraße geparkt.

Seit über einem Jahr tobt ein erbitterter Kleinkrieg zwischen Wohnmobilbesitzern und Nachbarschaft. Anfangs begnügten sich die Anwohner damit, den Camping-Fans Zettel an die Scheibenwischer zu stecken. Darin beschwerten sie sich, dass zu viele Wohnmobile abgestellt seien. Die Zahl der Fahrzeuge habe „eine solches Ausmaß angenommen, dass die Straße nahezu durchgehend zugeparkt ist“, schrieben sie. Die Parkflächen seien in erster Linie für die hier lebenden Personen gedacht.

Die Wohnmobil-Besitzer wurden aufgefordert, in einer anderen Straße zu parken. „Somit bleibt Ihnen und uns viel Ärger erspart und wir können auf weitere Schritte verzichten.“ Gezeichnet: „Die Anwohner der Rushaimerstraße“, endet der Brief. Eine unverhohlene Drohung.

Die Polizei wurde eingeschaltet. Die Beamten sprachen mit Anwohnern. Doch geändert hat sich nichts. Noch immer parken Wohnmobile in der Straße – und die Nachbarn sind weiterhin sehr sauer.
„Ich bin von einer Frau vom Balkon aus beschimpft worden“, berichtet Tina G. Auch auf der Straße wurde sie wegen ihres Wohnmobils angesprochen – nicht gerade freundlich.

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Jetzt scheint ein Anwohner tatsächlich ernst zu machen und Wohnmobile, die ihn besonders ärgern, zu sabotieren.
Tina G. hat inzwischen Anzeige bei der Polizei erstattet. Für ihr Wohnmobil braucht sie spezielle Oldtimer-Reifen. Das Stück kostet rund 130 Euro plus Montage. Eine Menge Geld für die junge Künstlerin.

Doch es geht nicht nur ums Geld. Es geht ums Prinzip. „Die Wohnmobile sind zugelassen und versichert. Sie haben TÜV“, sagt Ulrich M., „wir dürfen in der Straße parken.“
Doch der Reifenstecher treibt den Konflikt jetzt auf die Spitze. Er benützt ein nadelartiges Werkzeug. Dadurch verlieren die gestochenen Reifen langsam an Luft. „Man merkt, dass nicht sofort, wenn man losfährt“, sagt Ulrich M.
Die Opfer hatten bisher alle Glück, dass sie trotz Sabotage keinen Unfall bauten. „Dabei könnte es eines Tages auch Tote und Verletzte geben“, sagt Tina G. „Gott sei Dank, ist bisher nichts passiert.“

 

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