Wohnanlage Gabelsberger Hof Hecken-Kahlschlag in der Maxvorstadt: "Ein Desaster!"

Der Kahlschlag, wie die Anwohner sagen: Ein Arbeiter holzt im Gabelsberger Hof. Foto: privat

Kahlschlag in den gewachsenen Hecken der Wohnanlage Gabelsberger Hof. "Alle Sträucher sind weg. Ich kann kaum mehr schlafen, so sehr schmerzt mich das", sagt eine Mieterin.

 

Maxvorstadt - Sie werden seltener in der Stadt: Hecken mit Fliederbaum, duftender Jasmin, Schneeball- und Holunderbusch. Ihr Vorteil: Diese Sträucher geben nicht nur einen guten Sichtschutz und blühen schön. Nebenbei bieten sie mit ihrem Nektar oder Beerenfrüchten Insekten und Vögeln Nahrung.

"Gerade in der Stadt ist diese Vielfalt doch so wichtig, als Lebensraum für die Arten. Jetzt, kurz nach dem Rettet-die-Bienen-Volksbegehren, ist das doch den Münchnern besonders präsent“, sagt eine Mieterin der Wohnanlage Gabelsberger Hof. Sie gehört der Wohnungs- und Siedlungsbau Bayern (WSB), mit 13.000 Wohnungen in München und Augsburg.

Gewarnt von dem Schreiben der Hausverwaltung "Neugestaltung Außenanlage" äußert sich die Mieterin nun "völlig entsetzt" über den radikalen Kahlschlag vor ihrer Haustür: "Alle Sträucher sind weg. Ich kann kaum mehr schlafen, so sehr schmerzt mich das."


Noch ist das Grün da, aber schon liegt es am Boden ... Foto: privat

Erschüttert hat sie am Montag ab acht Uhr früh gemeinsam mit anderen Mietern beobachtet, wie Arbeiter alle Blühsträucher im großen Innenhof der Gabelsberger Straße 48 a bis f gefällt haben. "Innerhalb von drei Stunden war alles weg, auch die Eiben, eine Eberesche und ein kleiner Apfelbaum", berichtet die Mieterin im Gespräch mit der AZ.

Ihre Wut ist groß: "Das ist ein ökologisches Desaster. Mein vogelkundiger Nachbar hat hier bereits Rotkehlchen, Eichelhäher und Elstern gesehen. In der Abenddämmerung im Sommer gab es sogar Fledermäuse. Das war ein absolutes Paradies für Tiere", erklärt die Mieterin. Sie will anonym bleiben. Ihr Nachbar ebenfalls, der den Kahlschlag fotografisch dokumentiert hat.


... bevor ein Lkw alles abtransportiert. Foto: privat

Diplom-Biologe Cornel Babel (48), seit über 20 Jahren Mieter in einer der rund 200 Wohnungen, ist der gleichen Meinung: "Das ist wie ein Verlust von Heimat. Uns tut die Rodung sehr weh. Ich ärgere mich über die so kurzfristige Ankündigung der WSB. Für die Rodung wurden Scheinargumente gebraucht, die keiner überprüfen kann. Zum Beispiel: die Wurzeln seien faul."

Der Fachmann bestätigt die außergewöhnlich artenreiche Tierwelt, die der Innenhof mitten in der Maxvorstadt angezogen hat: "Es war halt eine heimische Flora, die hier wuchs. Deswegen gab es Wildbienen, Kohlmeisen und bunte Stieglitze. Im Winter hatten wir noch bis zu 20 Stieglitze auf unserem Balkon", schwärmt der Tierkenner.


Reste liegen noch im Hof. Foto: privat

Die WSB kann die Enttäuschung der Mieter, die mit der AZ sprechen, nicht nachvollziehen: "Wir wollen dem Innenhof einen freundlicheren Touch geben", sagt Pressesprecher Günter Glasner: "Die Bepflanzung war etwa 30 Jahre alt. Auch Bäume und Sträucher können vergreisen."

Doch viele Mieter der großen Anlage haben Angst, dass als Ersatz nun pflegeleichte, immergrüne Kirschlorbeer-Hecken gepflanzt werden. "Darin kann kein Vogel nisten. Kirschlorbeer kommt aus Kleinasien und hat bei uns nichts verloren", kommentiert Cornel Babel. Auf AZ-Nachfrage äußert sich die WSB beschwichtigend: "Es wird nicht einheitlich Kirschlorbeer gepflanzt", sagt Günter Glasner, "das können auch wieder Buchenhecken werden." 

Der Maxvorstädter Cornel Babel spricht noch ein zweites Ärgernis an, das die Mieter vom Gabelsberger Hof schlucken müssen: Die Gärten der Mieter im Erdgeschoss werden vergrößert, plant die WSB.

Biologe Babel findet das "schade", weil der Gemeinschaft so Platz und Rasenfläche zum Sonnenbaden verloren geht. "Wir sind Kinder der 70er Jahre. Wir haben eine gewisse Freiheit in unserem großzügigen Hof genossen. Jetzt bekommen die Mieter unten größere private Gärten, die WSB erhält dadurch vermutlich höhere Mieteinnahmen – und der Rest der vielen Mieter hat das Nachsehen."

Nicht nur in der Maxvorstadt gibt es Unmut, weil Bäume fallen sollen. Für Unmut sorgte jüngst eine illegale Blitzfällung in Obermenzing. Anwohner sehen die Gartenstädte bedroht. In Ramersdorf engagierten sich Anwohner für den Erhalt einer 100 Jahre alten Pappel

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