Wohn-Wahnsinn in München Wohnungen: Jetzt kommen die Superreichen!

So berichtete die AZ am 3. Juni im vergangenen Jahr. Rund Zehn Monate später hat die Familie ihre Wohnung jetzt doch verlassen. Foto: AZ

Eine Münchner Familie, die gar nicht mal schlecht verdient, wird nach 30 Jahren im Lehel raussaniert. Jetzt wohnt sie allerdings nicht mehr zusammen – sondern in drei verschiedenen Wohnungen.

München - Schon im vergangenen Juni war das Haus, in dem Familie Geisler wohnte, eine Baustelle: Im Hof Kloschüsseln und Bretter, die Wohnungstüren und Türstöcke entfernt, das Treppenhaus von Bauschutt verdreckt. Trotzdem haben die Geislers noch monatelang in der Wohnung im obersten Stock ausgeharrt.

Wer von außen vorbeiging, hätte im Winter nicht geglaubt, dass in dem Haus in der Lechenfeldstraße, in dem die Fenster herausgerissen waren, noch jemand wohnt.

Vor drei Wochen sind Geislers ausgezogen. Jetzt steht ein Schild da: „Stadtwohnen am Englischen Garten: Park Avenue“, heißt es darauf. Im September geht’s los. Zurzeit gibt es einen Antrag auf Teilabriss, der aber von der Lokalbaukommission noch nicht genehmigt ist.

Die Geislers wohnten seit 1981 dort, damals gehörte das Haus der Vereinsbank. Als Banker bekam Geisler einen Werksmietvertrag. Die Hypo verkaufte dann – seitdem gehört das Haus einer Investorengruppe, und die hat „Dagobert-Duck-Augen“, wie es Wolfgang Püschel vom Bezirksausschuss Altstadt/Lehel nennt. Das Haus steht in der besten Lage der Stadt. In direkter Nachbarschaft gibt es Luxusobjekte mit Quadratmeterpreisen von 14.000 Euro.

Die alten Werksmietverträge schützten die Mieter zwar. Trotzdem zogen viele aus – aus Angst vor Ärger und Anwaltskosten. „Anfangs wurden lächerlich geringe Abfindungssummen geboten“, sagt Püschel. Später wurden die Beträge höher. Die Geislers blieben trotz eines recht hohen Abfindungsangebots stur. Sie wollten ihre Drei-Generationen-WG mit drei erwachsenen Kindern und einer Enkelin nicht aufgeben.

Doch nach einem harten Winter war Schluss. „Früher oder später machen Bauarbeiten, Dreck und Lärm die meisten mürbe“, sagt Anja Franz vom Mieterverein. Jetzt wohnen die Geislers in drei verschiedenen Wohnungen. Die Abfindung verwendet die Familie auch dafür, die höheren Mieten zu finanzieren.

Geisler hat sich immer zu den Besserverdienern zählen dürfen. Für die Lerchenfeldstraße reicht seine Rente nun nicht mehr. Im vergangenen Jahr hat er gesagt: „Im Lehel müssen die Wohlhabenden den Superreichen weichen.“

Wer auch immer in der „Park Avenue“-Anlage einziehen wird. Man darf vermuten, dass die neue Dachwohnung keine Drei-Generationen-WG mehr sein wird.

 

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