"Wir verdienen keine müde Mark mehr" Traditionsgeschäft Musik Rauscher: (R)Aus nach 125 Jahren!

Nach 125 Jahren ist Schluss: Musik Rauscher muss seinen Laden räumen. Foto: Sigi Müller, privat

Musik Rauscher ist eines der ältesten Münchner Geschäfte. Doch jetzt muss der Traditionsladen endgültig schließen. Zu viele Kunden kaufen im Internet – die Miete ist einfach nicht mehr tragbar.

München - Eine Gitarre in die Hand nehmen, die Saiten anschlagen, ein Gefühl für das Instrument bekommen, das hat "beim Rauscher", wie man in München sagt, Tradition - seit 125 Jahren gibt es das Musik-Geschäft nun schon. Im Februar muss es jedoch schließen. "Wir arbeiten hier seit Jahren umsonst", sagt Ingeborg Rauscher. Die 86-Jährige, die seit 40 Jahren treue AZ-Leserin ist, steht immer noch täglich im Musik-Laden. "Mir fällt es sehr schwer, den Laden aufzugeben, aber wir verdienen keine müde Mark mehr", erzählt sie traurig.

Heute bestellten viele die Instrumente lieber im Internet - ohne diese zuvor auszuprobieren, ohne Beratung.

Im Laden der Rauschers hängen Gitarren an den Wänden, verschiedenste Flöten liegen in der Vitrinentheke. Es gibt Zithern, Harmonikas, Hackbretter, Klarinetten und Saxofone. Auf einem großen Schrank stehen noch einige alte Schoßgeigen, die heute gar nicht mehr hergestellt werden.

Ingeborg Rauscher und ihr Sohn Otto freuen sich darauf, wenn Kunden in ihren gemütlichen, hellen Laden kommen, um mit ihnen in aller Ruhe das passende Instrument zu finden - doch immer weniger finden den Weg in den Laden.

Vor 125 Jahren, am 1. Dezember 1892, hatte Josef Rauscher, Urgroßvater von Otto, den Familienbetrieb im Tal 58 gegründet. Davor war er als Trödler mit den Instrumenten auf Dulten und Märkten unterwegs gewesen.

1903 begannen die Rauschers mit der eigenen Herstellung von Harmonikas, Holz- und Blechblas- sowie Zupfinstrumenten. Zu den Stammkunden gehörte auch der musikbegeisterte Karl Valentin, der in der Werkstatt sogar selbst mitgebaut hat. Auch die Jazz-Legenden Max Greger und Hugo Strasser kauften regelmäßig bei den Rauschers ein.

Zwei Weltkriege, Inflation, Wiederaufbau - der Rauscher hat alle überlebt

Nach 115 Jahren der Tiefschlag. "Damals hat man uns im Tal einfach rausgeschmissen", erzählt Ingeborg Rauscher. Die besten Jahre des Musik-Geschäfts waren vorbei. "In unserem alten Geschäft zahlt man mittlerweile 10.000 Euro Miete im Monat", sagt Otto Rauscher. Und in der Rumfordstraße 34, wohin Mutter und Sohn vor zehn Jahren umgezogen sind? Hier werden bereits 3.000 Euro Kaltmiete fällig - und das in einer Straße ohne Laufkundschaft.

Als Ingeborg Rauschers Mann vor 42 Jahren früh verstarb, führte sie den Familienbetrieb zunächst alleine weiter. Nachdem Sohn Otto seine Lehre zum Holzblasinstrumentenmacher abgeschlossen hatte, stieg er mit ein. Seitdem repariert er in einem kleinen Raum im ersten Stock Instrumente.

Seine Instrumenten-Werkstatt wird Otto Rauscher in seinem Wohnhaus in der Allacher Streberstraße weiterführen. "Ich habe meinem Vater als kleiner Junge schon zugeschaut, seitdem wollte ich immer selbst Instrumentenmacher werden." Am Liebsten widmet sich der 57-Jährige Querflöten, aber er repariert mit viel Leidenschaft und Feingefühl auch alle anderen Holzblasinstrumente. Sorgen macht er sich, wie es wohl seiner Mutter gehen wird, so ganz ohne Laden, der ist nun mal ihr Leben.

Nur noch bis 24. Februar hat das Geschäft in der Rumfordstraße 34 geöffnet (Mo. bis Fr. 10 bis 18 Uhr, Sa. 10 bis 15 Uhr). Danach soll ein Geschäft mit Fotoapparaten einziehen. Und 125 Jahre Geschichte sind endgültig vorbei.

Musik Rauscher ist eines der ältesten Münchner Geschäfte. Doch jetzt muss der Traditionsladen endgültig schließen. Zu viele Kunden kaufen im Internet - die Miete ist einfach nicht mehr tragbar.

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