"Wir haben sehnsüchtig gewartet" Corona-Lockerungen: Ansturm auf die Münchner Gartencenter

Emily Engels ist Rathaus-Reporterin der Abendzeitung.
Nach dem Einkauf geht's in den Schrebergarten. Gärtnern ist bei den Benders "Familiensache". Foto: Emily Engels

Ansturm auf das Gartencenter Seebauer am ersten Tag der Corona-Lockerungen: Münchner kaufen für Balkon und Garten. Die AZ war dabei.

 

München - Die lange Warteschlange zieht sich kurz vor der Öffnung um 9 Uhr über den gesamten Parkplatz des Gartencenters Seebauer. Die meisten Menschen tragen bereits eine Gesichtsmaske, wer noch nicht ausgestattet ist, kann am Eingang eine für 1,50 Euro erwerben. "Pflicht ist sie bei uns aber nicht", sagt Bernhard Gerstenkorn, Geschäftsführer des Münchner Familienunternehmens.

Sehr wohl Pflicht ist ein Einkaufswagen. Und zwar für jeden Kunden, der den Laden betritt. "Wir lassen nach und nach bis zu 200 Menschen ins Center. Um die vorgegebenen 20 Quadratmeter pro Person einzuhalten, könnten wir eigentlich sogar bis zu 750 Kunden reinlassen", sagt Gerstenkorn.

Eine der zahlreichen Kunden, die am Montag den ersten Tag der Lockerungen dazu nutzen, Pflanzen für den heimischen Garten und Balkon einzukaufen, ist die Münchnerin Christa Dornauer (80). Sie war hergekommen, um eine bienenfreundliche Pflanze für den Garten anzuschaffen. "Jetzt nutze ich die Zeit noch, um in Ruhe durch das Center zu schlendern", sagt die gut gelaunte Seniorin, die wie so viele Kunden zum Schutz eine Gesichtsmaske trägt. Den Seebauer, den hätte sie "natürlich vermisst". Schließlich war das Gartencenter für vier Wochen geschlossen.

Warteschlangen quer durchs Gartencenter

Die Schülerinnen Helena Herzog (17) und Luisa Rauscher (16) nutzen den ersten Tag der Wiedereröffnung dazu, Pflanzen für ihre Zimmer zu kaufen. "Grün im Zimmer macht einfach glücklich", sagt Helena Herzog. So sehr sie und ihre Freundin Luisa Rauscher probieren, die Zeit der Ausgangsbeschränkungen so positiv wie möglich zu sehen, vermissen sie doch "die vielen sozialen Kontakte und das organisierte Lernen" in der Schule. Umso schöner finden die Freundinnen es, dass sie sich jetzt wenigstens wieder zu zweit treffen dürfen.

Es ist mittlerweile kurz vor 10 Uhr – und die Warteschlange vor den Kassen zieht sich quer durchs Gartencenter. Weit bis in den Außenbereich. Dorthin, wo außerhalb von Corona-Zeiten das Café geöffnet hätte. Doch das muss freilich noch auf unbestimmte Zeit geschlossen bleiben.

Vor allem bunte Blumen werden eingekauft

In den Einkaufswagen der Kunden befinden sich neben großen Mengen an Pflanzenerde und Zubehör vor allem auffällig viele Blumen in knalligen Farben. Genau so hatte Gerstenkorn das erwartet. "Die Menschen holen sich mit farbenfrohen Pflanzen ein Stück Lebensfreude in die Gärten und auf die Balkons", sagt der Seebauer-Chef.

Unter den vielen Menschen in der Warteschlange ist auch die Münchner Familie Bender. "Wir haben schon sehnsüchtig darauf gewartet, dass das Gartencenter wieder aufmacht", sagt Gaby Bender. Zum Pflanzen-Einkauf ist auch Sohn Stefan mitgekommen. "Für uns ist Gärtnern Familiensache", sagt er gut gelaunt. Sie hätten bereits vorab genau geplant, was sie einkaufen. Gaby Bender voller Vorfreude: "Und gleich legen wir gemeinsam im Schrebergarten los."


Masken-Ersatz: Pappschnabel für Obi-Kunden

Noch herrscht keine Maskenpflicht, aber im Obi-Baumarkt an der Riemer Straße durfte man schon am Montag, am ersten Wiederöffnungstag, nur mit Maske rein. Wer keine dabei hat, erhält am Eingang ein stylishes, orange-farbenes Model aus gefalteter Pappe.

Die Mitarbeiter tragen ebenfalls allesamt Masken, aber andere. Die Gänge zwischen den Regalen sind nun Einbahnstraßen, an den Kassen schützen hohe Plastikwände vor Viren von der Seite. Masken zu kaufen gibt es übrigens keine: alles ausverkauft! Sogar die richtig teuren für 40,99 Euro.

Nina Job

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