Winterurlauber trotzen Schneemangel Wandern, Mountainbiken - und ein bisschen Skifahren

Ein Winter (fast) ohne Schnee - zumindest bis jetzt. Szenen aus Garmisch-Partenkirchen. Foto: dpa

Grüne Hänge, wo sonst im Winter alles weiß ist. Seit drei Wochen hat es in Bayerns Bergen nicht mehr geschneit. Die Urlauber nehmen es gelassen - und finden Alternativen.

 

München - Auf der Startseite des Tourismusverbandes für Oberbayern wirft eine Urlauberin kess einen Schneeball, zwei Langläuferinnen drehen in herrlicher Winterlandschaft ihre Runden auf einer frisch gespurten Loipe - Idylle pur. "Die Berge Oberbayerns haben alles, wovon Skifahrer träumen", heißt es.

Verschwiegen wird allerdings, dass etwas Entscheidendes in diesen Weihnachtsferien fehlt: der Schnee. In den bayerischen Alpen herrscht akuter Schneemangel, nur wenige Skigebiete ermöglichen derzeit Wintersport. Der Geschäftsführer des Verbandes Tourismus Oberbayern München, Oswald Pehel, räumt ein: "Die jetzige Situation macht uns zu schaffen." Völlig ohne Schnee müsse die Region zwischen Berchtesgaden und Garmisch-Partenkirchen Einbußen hinnehmen.

 

Winterwanderungen in der Sonne

Allerdings könne Oberbayern gerade bei Schneemangel die ganze Breite seiner Angebotspalette ausspielen. Die Urlauber nutzten das sonnige Wetter für Winterwanderungen. "Fahrräder werden kostenlos in der Gondelbahn zur Winklmoos-Alm transportiert", heißt es auf der Seite des Parade-Wintersportortes Reit im Winkl. Mountainbiken statt Skifahren lautet die Devise. Dabei hat sich die Gemeinde Mühe gegeben, wenigstens ein bisschen Wintersport zu ermöglichen. Im Tal sind drei Lifte in Betrieb, damit vor allem Kinder Skifahren können. Auch gibt es eine zwei Kilometer lange Loipe, die inmitten grüner Wiesen gespurt wurde.

Auf der Zugspitze und im benachbarten Skigebiet Garmisch-Classic ist der Skibetrieb mit Einschränkungen möglich. Von Heiligabend bis einschließlich Sonntag zählte die Zugspitzbahn AG 28.000 Gäste. "Vor dem Hintergrund der aktuell gegebenen Bedingungen sind wir sehr zufrieden mit den Besucherzahlen", sagt eine Sprecherin. In einem Spitzenwinter wären freilich an die 15.000 Gäste mehr gekommen.

 

So ist die Lage in den österreichischen Skigebieten

Die Skigebiete im benachbarten Österreich profitieren von den Gletschern. Aber auch für Tirol sagt der Schneebericht bei einer ganzen Reihe von Abfahrten: null Zentimeter.

Im Allgäu, wo nur die Hochlagen Skibetrieb ermöglichen, ist die Stimmung ebenso wie in Oberbayern ungetrübt. "Die schneearmen Bedingungen haben aktuell keine negativen Auswirkungen für die Buchungslage", weiß Pfrontens Tourismuschef Jan Schubert. Das schöne Wetter beschere dem Ferienort einen Ansturm auf die Berghütten. "Unsere Gäste genießen die fantastische Fernsicht." Auch Füssen ist laut Tourismuschef Stefan Fredlmeier sehr gut gebucht. "Die Weihnachts- und Silvesterurlauber, die nach Füssen kommen, sind eher nicht auf einen reinen Skiurlaub fokussiert. Sie schätzen den Urlaub zum Jahresende als Auszeit nach dem Motto: Schnee in den Tallagen kann gerne, muss aber nicht sein."

Nesselwang bietet ebenfalls ein umfangreiches schneeunabhängiges Winterprogramm an. Käsereibesuche oder Wildfütterungen gehören dazu. Am Großen Arber, dem höchsten Berg des Bayerischen Waldes, ist Skifahren derzeit überhaupt nicht möglich. Lediglich Wanderer nutzen die Gondelbahn. So bleibt der Seilbahnbranche nach einem Supersommer nur das Warten auf Schnee. Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern erhofft sich rund die Hälfte der Unternehmen auch für die Wintersaison ein Umsatzplus.

 

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