Wintersport Michi Greis und seine Kathrin: Das gesprengte Traumpaar

Eigentlich wollten sie gemeinsam in Vancouver ihren Olympia-Traum verwirklichen, Doch während Michael Greis sicher dabei ist, ist eine Qualifikation für Kathrin Hitzer nur noch illusorisch. Foto: sampics/Augenklick

RUHPOLDING - Biathlon-Superstar Michael Greis soll in Ruhpolding glänzen, seine Freundin Kathrin Hitzer jedoch fehlt – genau wie bei Olympia in Vancouver. Der Traum, gemeinsam Medaillen zu feiern, ist geplatzt.

Im Programmheft, ja, da ist Kathrin Hitzer zu sehen. 40 Seiten hat die Broschüre für den Weltcup in Ruhpolding, und auf der letzten Seite, ganz hinten, macht sie Werbung für einen Energieversorger. Dabei ist Kathrin Hitzer selbst gar nicht da, denn die 23-Jährige läuft in diesen Tagen gar nicht vor zehntausenden Fans in Ruhpolding, sondern nur vor einer Handvoll Zuschauer. Beim zweitklassigen IBU-Cup in Nove Mesto. Hinter Prag, 500 Kilometer entfernt von Ruhpolding. „Gerade beim Heimrennen zu fehlen“, sagt sie zur AZ, „das macht schon a bissl traurig." So weit weg von der Heimat – und weit weg von ihrem Freund, von Michael Greis, der am Donnerstag beim Sprint über zehn Kilometer an den Start ging.

Vor zwei Jahren kamen sich Greis und Hitzer näher. Letzten Winter freuten sich beide, weil sie sich auch im Winter bei den Wettkämpfen sehen konnten. Denn anders als etwa bei den alpinen Skifahrern tragen Frauen und Männer im Biathlon die Weltcups gemeinsam am gleichen Ort aus. Nun sind beide allein unterwegs. Das Traumpaar des Biathlon ist gesprengt und wird es noch lange bleiben. Die Seele leidet, das Herz tut weh, und das alles, weil ihr Fuß schmerzt.

Begonnen hatte das im Frühjahr 2008. Hitzer hatte gerade ihre beiden ersten und bislang einzigen Weltcup-Siege gefeiert, als sie einen neuen Schuh ausprobierte. Doch der Schuh drückte, sie bekam ein Ganglion, ein Überbein am rechten Knöchel, eine Geschwulst, die oft bei Sportlern auftritt, die enge Schalenschuhe tragen. Als sich die Schmerzen den Winter durchzogen, folgte im April 2009 die OP im Harlachinger Krankenhaus.

Doch damit war es nicht ausgestanden. „Ich hatte mich so langsam wieder aufgerappelt", sagt Hitzer, „da ging es am linken Knöchel los. Wir haben 30 Paar neuer Schuhe ausprobiert, ich kam mir fast vor wie Aschenputtel." Aber besser wurde es nicht, die ersten Weltcups in Östersund Anfang Dezember, die Plätze 39 und 55, ein einziger Frust. Kurz vor Weihnachten ein nächster Versuch in Pokljuka, da kam sie aber auch nur auf Rang 32. „Es hat einfach keinen Sinn mehr gemacht", sagt sie.

Das sah auch Trainer Uwe Müssiggang, der sie aus dem Weltcup nahm und sie in den IBU-Cup, in die Zweite Liga des Biathlons schickte. Letzte Woche war sie Siebte in Altenberg, immerhin, nun das Rennen in Nove Mesto. „So langsam", sagt sie, „kommt der Spaß wieder und die Form auch." Aber nicht rechtzeitig für die Olympischen Winterspiele in Vancouver.

Der Olympia-Traum, gemeinsam mit ihrem Michi Medaillen zu feiern, ist geplatzt, die Qualifikation reine Illusion. Henkel, Beck, Neuner, Wilhelm, Hauswald – viel zu stark und übermächtig ist die interne Konkurrenz. „Ich werde mir das von daheim dann anschauen“, sagt sie, „das ist einfach eine blöde Saison. Aber zum Glück habe ich den Michi an meiner Seite, der fängt mich in den schweren Zeiten immer auf, auch wenn wir miteinander telefonieren und uns nicht sehen." Sehen werden sie sich auch im Februar nicht, aber vielleicht kommt er dann Anfang März wie 2006 aus Turin mit ein paar Olympiasiegen heim. Als goldener Traumprinz für das Aschenputtel.

Florian Kinast

 

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