Wintersport Biathlon-Star Neuner: "Meine Seele hat gelitten"

"Immer, wenn ich mich gestresst gefühlt habe, bin ich krank geworden": Jetzt freut sich Magdalena Neuner auf Ruhe und den Urlaub mit ihrem Freund. Foto: GES/Augenklick

Magdalena Neuner ist froh, dass es vorbei ist – die WM in Korea und der Hype um ihre Person

Von Florian Kinast

AZ: Frau Neuner, waren Sie schon jemals so froh, wieder zu Hause sein?

MAGDALENA NEUNER: Daheim ist es immer gleich schön, nur war ich noch nie so froh, eine WM wie jetzt in Pyeongchang hinter mir zu haben. Im Flieger nach Hause haben wir alle gesagt: Gott sei Dank, dass wir weg sind aus Korea. Es hat allen gereicht.

Was war denn so schlimm?

Das ging schon beim Hotel los. Das Zimmer von der Kathrin (Hitzer, d. Red.) und mir war dermaßen dreckig, dass wir erst einmal geputzt haben. Zwei Stunden, alles desinfiziert mit Sagrotan. Wir sind nicht heikel, aber das war echt krass. Auch die Strecke, miserabel präpariert, dazu keine Zuschauer. Ich habe mir dauernd gedacht: Bin ich hier falsch? Ist das eine WM oder eine Vereinsmeisterschaft?

Ein Unterschied zu Ruhpolding oder Oberhof mit tausenden enthusiastischer Fans.

Da sind wir verwöhnt, sicher. Trotzdem sollte man eine WM nicht mehr in solche Länder vergeben. Und auch keine Olympischen Spiele.

Pyeongchang will wie München die Winterspiele 2018.

Olympia hat da in Korea nichts verloren. Ich glaube, so wie diese Biathlon-WM war, war das für unsere Münchner Bewerbung nicht negativ.

Negativer als bisher war allerdings Ihre Ausbeute. Erstmals kamen sie von einer WM nicht mit drei Titeln heim, sondern nur mit einer Silbermedaille. Überwiegt der Frust oder die Erleichterung, weil der zwei Jahre lange, permanente Hype um ihre Person endlich vorbei ist? Ohne Marathon durch die Talk-Shows, ohne Staatsempfang daheim in Wallgau.

Genau darüber habe ich eben mit meinen Eltern gesprochen. Klar, wenn du das ganze Jahr trainierst, dann willst du auch Medaillen holen. Aber es sollte heuer nicht sein. Nach dem letzte WM-Rennen war ich enttäuscht, aber ich habe mir gedacht: Immerhin hast du eine Medaille. Und vielleicht kommt jetzt ein Jahr, wo ich mich wieder auf mich konzentrieren kann. Wo ich raus bin aus dem Rampenlicht. Jetzt werden sich alle auf die Kati Wilhelm stürzen wegen ihrer beiden Goldmedaillen. Das ist ja das Gute in der Mannschaft, dass wir uns da abwechseln können. Und die Kati ist ja auch ein Mensch, der gerne im Fokus steht, der macht das nicht so viel aus.

Was haben Ihre Eltern denn dann gesagt dazu?

Die sahen das genauso. Sie wirkten auch fast etwas erleichtert. Sie haben ja genau mitgekriegt, was in den letzten zwei Jahren auf mich eingeprasselt ist. Wäre es weiter bergauf gegangen, hätte die Öffentlichkeit immer mehr erwartet von mir. Gut, dass die Menschen sehen, dass es nicht selbstverständlich ist, dass ich bei jeder WM drei Titel abräume.

Diesmal auch deshalb nicht, weil Sie seit Sommer fast unentwegt krank sind oder angeschlagen. Eine Folge des ganzen Rummels?

Ich denke schon. Meine Psyche, meine Seele hat gelitten in dieser Zeit. Irgendwie hat sich viel aufgestaut und kam dann eben heraus in Form von Krankheiten. Immer wenn ich mich gestresst gefühlt habe, bin ich krank geworden. Ich denke, ich habe mir zu viel zugemutet, vielleicht den ein oder anderen Termin zu viel gemacht. Aber daraus habe ich unheimlich viel gelernt.

Und zwar? Was sind die Konsequenzen?

Dass ich mehr auf meinen Körper höre, mehr Auszeiten nehme. Dass ich mich in dem Jahr vor Olympia voll auf meinen Sport konzentriere. Sonst nur Termine, die reinpassen. Mit den Sponsoren gibt es Verträge und Verpflichtungen, am liebsten würde ich aber gar nix machen.

Was machen Sie jetzt in diesen Tagen, Sie fliegen ja erst am 8. März zum nächsten Weltcup nach Vancouver?

Daheim sein, meine Erkältung auskurieren, Zeit mit der Familie verbringen. Das ist ja ein ganzer Haufen. Meine Eltern, die drei Geschwister, da saßen wir zu sechst um den Tisch, und Sie glauben nicht, wie sehr ich es genieße, ihnen zuzuhören, zu erfahren, was sie so gemacht haben in den letzten Wochen. Nach den ganzen Wochen voller Biathlon tut es sehr gut, wegzukommen, abzuschalten. Zugegeben, ein bisserl fernschauen tu ich auch, die Nordische WM.

Wo die 18-jährige Garmischer Biathletin Miriam Gössner für die Langlauf-Staffel Silber gerettet hat. Die gilt schon als die zweite Lena Neuner.

Ach, immer diese Vergleiche. Bei mir hat’s immer geheißen, die Neuner ist die zweite Uschi Disl. Dabei wollte ich nie die zweite von irgendwem sein, sondern nur ich selbst. Und so wird’s der Miri auch gehen. Ich kenne sie sehr gut, wir trainieren zusammen. Die Miri ist ein besonderer Typ. Ein brutales Energiebündel, ausgeflippter und durchgeknallter als ich, aber ein grundehrlicher Mensch, mit dem man viel Gaudi haben kann.

Freude soll sie auch bei Olympia machen, wenn sie nicht bei Ihnen im Biathlon startet, soll sie wegen ihrer Schnelligkeit im Langlauf antreten.

Das wird man sehen. Unser Heimtrainer, der Bernhard Kröll, war ja gar nicht begeistert davon, dass wir sie an die Langläufer ausgeliehen haben. Aber bis Olympia ist ja noch viel Zeit. Erst einmal den Winter zu Ende bringen.

Die Saison ist Ende März vorbei. Was machen Sie dann?

Gleich in den Urlaub fliegen. Am ersten Tag nach dem Saisonende. Nicht wie im letzten Jahr noch ewig rumwurschteln, dies und das zu machen, sondern gleich zammpacken und zwei Wochen abhauen.

Mit Ihrem Skitechniker und Freund Björn Weisheit?

Ja.

Und wohin?

Sag ich nicht. Jedenfalls ist es warm, man braucht nicht viel tun und kann sich gut erholen.

Korea ist es vermutlich nicht.

Nein. Da werde ich nur noch hinfahren, wenn ein Weltcup ansteht. Freiwillig nie mehr.

 

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