Wildtierbabys So süß - aber bitte in Ruhe lassen!

Vom Fuchsbaby bis zur Krähe: Wildtiere lösen Verzückung aus – und manchmal Angst. Nicht immer, wenn man sie alleine auffindet, haben sie ihre Eltern verloren - man sollte deshalb erst einmal abwarten und beobachten, bevor man sie ins Tierheim bringt. Diese süßen Tierkinder sind in München gerade in Menschenobhut: Foto: AZ/ Tierheim München

200 Wildtierbabys sind im Tierheim gelandet. Spaziergänger haben sie aufgelesen – dabei war die Mutter wohl oft ganz in der Nähe

 

MÜNCHEN - Die Mitarbeiter der Brauerei hatten es nur gut gemeint: Ein ganzes Vogelnest voller Küken brachten sie ins Münchner Tierheim. Zwischen Biertragerln hatten sie die Jungen gefunden, von der Mutter fehlte jede Spur. „Hätten sie noch eine Woche zugewartet, wären die Jungen flügge geworden und hätten in freier Wildbahn überleben können“, sagt Judith Brettmeister vom Tierschutzverein, die sich mit ihren Kollegen um bis zu 200 Wildtierbabys kümmern muss. Die tummeln sich zurzeit in den Gehegen und Volieren des Tierheims. Zu viele, das Heim stößt an seine Grenzen.

Den Nachwuchs haben die Tierfreunde auf Balkonen, in Büschen, im Wald oder auf der Straße aufgelesen. „Nicht jeder Jungvogel, der auf dem Boden sitzt, ist verwaist oder verletzt“, erläutert Brettmeister. Der Großteil von ihnen hat gerade einen ersten Flugversuch hinter sich. Nicht immer klappt der Sprung von Ast zu Ast. „Viele erste Versuche enden auf dem Boden. Die Elterntiere sitzen in der Nähe und beobachten das“, sagt Brettmeister. Doch das Junge, das auf dem Boden sitzt und mit hohen Bettelrufen Kontakt zu den Eltern hält, wirkt auf Menschen hilflos. Es wird gerettet – oft unnötig.

„Ein Vogeljunges sollte man nur aufheben, wenn es auf der Straße sitzt oder von einer Katze bedroht wird“, sagt Brettmeister. Mit der Hand sollte man es vorsichtig in die Nähe des Nests setzen, damit die Eltern es wieder finden. Ausnahme sind verletzte Vögel, die von Menschenhand aufgepäppelt werden können. Dann hilft das Tierheim gerne. „Aber ein Vogel, der umherhüpft, von Ast zu Ast springt und flaumige Federn hat, ist gesund“.

Bei Rabenkrähen wirken die Füße groß, ungelenk. Brettmeister: „Das wird fälschlicherweise als Verletzung gedeutet.“ Grundsätzlich gilt: Wer helfen will, sollte aus der Entfernung beobachten, ob die Tiereltern nicht umherstreifen. „Junghasen werden aber zum Beispiel über ein großes Gelände verstreut. Die Häsin sucht ihre Jungen nur einmal am Tag auf“, sagt Brettmeister.

Junge Hasen, Füchse oder auch Rehe kauern gerne in Mulden oder auf dem Waldboden. „Den Tieren fehlt noch der Fluchttrieb“, sagt Expertin Brettmeister. Um Fressfeinden nicht aufzufallen, fehlt ihnen jeder Eigengeruch.

Der verändert sich, sobald Menschen ein Tier mit Fell anfassen. Die Mutter nimmt den Nachwuchs dann nicht mehr an. Wer helfen möchte: Das Tierheim ( 921 0000) bietet für 15 Euro Wildtierpatenschaften an. Davon wird das Futter bezahlt, bis die kleinen Eichhörnchen, Füchse, Vögel, Marder und Hasen ausgewildert werden.

 

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