Wilde Heimat Die Bekassine

Die Bekassine und ihr Wurm: Sie hält sich vor allem gern in Feuchtwiesen auf. Foto: Christoph Sieradzki

Um uns herum sind so viele Naturphänomene versteckt, die eigentlich keiner kennt. Genau um diese kleinen (und großen) Geheimnisse von Tieren, Pflanzen und Insekten geht es in der AZ-Serie "Wilde Heimat" mit Naturexperte Philipp Herrmann. Er ist als "Vogelphilipp" ständig mit seinem Fernglas unterwegs und kennt alle Vogelstimmen auswendig. Doch auch für anderes hat er einen Blick. Und genau den teilt er in der "Wilden Heimat" mit den AZ-Lesern. Die Fotos stammen von Christoph Sieradzki aus Essenbach. Der Fotograf legt sich mit seiner Kamera und vielen verschiedenen Objektiven in Landshut, im Landkreis, aber auch weltweit auf die Lauer, um die spektakulären Aufnahmen für die "Wilde Heimat" zu liefern. Wer sich für mehr von Christoph Sieradzki interessiert, ist auf www.naturfotografie.la genau richtig.

Landshut - Wie macht sie das? Wie erwischt sie diesen Wurm? Wie kann die amselgroße Bekassine ihren überlangen Schnabel unter der Erde öffnen, wenn er bis zum Anschlag drinsteckt?

Die Bekassine ist ein Wiesenbrüter und hält sich sehr gern in Feuchtwiesen auf, weil sie in dem lockeren Boden besonders gut stochern kann. Ihr Schnabel ist ein hochsensibles Tastorgan, mit dem sie unter der Erde Bewegungen - zum Beispiel von Regenwürmern - wahrnehmen kann. Ist ein Wurm in Reichweite, zwickt sie ihn ein. Der Trick ist hier ein feines Gelenk am oberen Schnabel, der es ihr ermöglicht, nur das vordere Drittel des Schnabels zu öffnen.

Erwischt sie den Wurm, braucht sie ihn nur noch herausziehen; was schwierig ist, wenn der Wurm unter der Erde schnell einen Knoten macht (siehe Bild).

Wer ein wenig in die Vogelkunde hineinschnuppert und mit dem Fernglas am Echinger Stausee auf die Schlammbänke schaut, der kann mit etwas Glück eine Bekassine bei der Nahrungssuche beobachten.

Die Bekassine zieht bei uns im Landkreis noch relativ häufig durch. Mit dem Verschwinden der artenreichen, staunassen Wiesen entlang von Isar und Vils ist sie bei uns als Brutvogel jedoch schon lange ausgestorben.

Von geschätzten 150 000 Brutpaaren die früher in Deutschlands Feuchtwiesen und in Mooren gebrütet haben, sind gerade mal noch etwa 5000 Paare, also drei Prozent, übrig. Die großflächige Entwässerung von Mooren und vor allem der Umbruch und die Trockenlegung von Feuchtwiesen hat dem Vogel fast den Garaus gemacht.

Gegen diesen Trend hält mein Gebietsbetreuerkollege Christian Niederbichler vom Ammersee. Die Bekassine ist sein Steckenpferd, um sie kümmert er sich schon seit über 20 Jahren. Durch seine intensive Betreuung mehrerer Naturschutz- und "Natura 2000"-Gebiete und die enge Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und den Landwirten vor Ort gelingt es ihm, dort die Bekassinen zu fördern.

Die Wiedervernässung ehemaliger Moorstandorte und eine naturschonende landwirtschaftliche Nutzung sind für den Schutz der Art von zentraler Bedeutung. Jedes Frühjahr bietet Niederbichler Führungen zur abendlichen Bekassinenbalz ins Ampermoos an.

Die Bekassine hat nämlich noch ein außergewöhnliches Verhalten zu bieten, sie meckert! Bei der Balz steigt das Männchen hoch in den Himmel, stürzt nach unten und spreizt dabei die äußeren Schwanzfedern. Durch den Luftzug fangen diese an zu vibrieren - und erzeugen einen Laut der an das Meckern einer Ziege erinnert.

Mit etwas Glück kann man eine durchziehende Bekassine am kommenden Sonntag beobachten, wenn der Landshuter LBV und der Bund Naturschutz unter der Leitung von Christian Brummer zur Exkursion "Vögel aus dem Norden auf Zwischenrast" einladen. Die Exkursion beginnt am 7. Oktober um 10 Uhr in Eching am Parkplatz vom Gasthaus "Forster am See".

 

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