Wiederaufbereitungs-Anlage Sellafield Ungewöhnlich hohe Radioaktivität in Atomanlage

Archivbild von September 2012. In der Atomanlage Sellafield stehen auch zahlreiche deutsche Castoren. Foto: AFP

Sellafield ist das Ziel deutscher Atommüll-Castoren. In der britischen Wiederaufbereitungsanlage wurde jetzt ungewöhnlich hohe Radioaktivität gemessen.

 

London - In der britischen Wiederaufbereitungsanlage von Sellafield ist ungewöhnlich hohe Radioaktivität gemessen worden. Eines der Messgeräte im Norden der weitläufigen Anlage habe ein "hohes Niveau der Radioaktivität" registriert, teilte die Betreiberfirma Sellafield Ltd am Freitag mit. Vorsichtshalber sei das Personal auf der Atomanlage im Nordwesten Englands reduziert worden, doch arbeite die Anlage normal weiter.

Die Radioaktivitätswerte seien über den natürlich auftretenden Werten, doch "deutlich unterhalb" der Werte, die ein Einschreiten inner- oder außerhalb der Anlage notwendig machen würde, erklärte das Unternehmen. Die Anlage laufe normal weiter, es habe aber lediglich das dringend benötigte Personal zur Arbeit erscheinen müssen. Der Vorgang werde untersucht.

Die britische Regierung erklärte in einer kurzen Stellungnahme, es gebe derzeit "keinen Grund davon auszugehen, dass der Vorfall schlimmer ist als er dargestellt wurde". Ein Mitarbeiter der Anlage, der ungenannt bleiben wollte, sagte, die Beschäftigten seien nicht über die Art des Vorfalls informiert worden. Die Anlage in Sellafield ist der älteste und größte Atomkomplex in Europa.

In einer Mitteilung des Energieministerium hieß es: „Wir stehen in ständigem Kontakt mit Sellafield, aber wir haben keinen Grund, zu glauben, dass die Lage ernster ist, als sie sagen.“ Auch von der Gewerkschaft Prospect, die rund 5000 Atomspezialisten in Sellafield vertritt, hieß es, die Werte seien innerhalb der akzeptablen Grenzen und stellten keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen oder die ganze Anlage dar. Laut Betreiber war ein Alarm in der riesigen Anlage im Nordwesten Englands, in der Tausende Menschen arbeiten, losgegangen. Experten seien vor Ort, um den Vorfall im Detail zu untersuchen.

Die Atomanlage Sellafield ist seit Jahrzehnten umstritten. Der schwerste Zwischenfall in der früher nach dem Nachbarort Windscale benannten Anlage ereignete sich im Oktober 1957. Damals brach in einem zum Bau von Bombenplutonium genutzten Reaktor ein Feuer aus. Beim Versuch, den Brand zu löschen, entwichen radioaktive Gase in die Atmosphäre und verseuchten ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern. Zeitweilig war hier die Milcherzeugung verboten. Der Reaktor wurde stillgelegt.

Einen weiteren Skandal gab es 2005, als bekanntwurde, dass nach einem Rohrbruch etwa 20 Tonnen eines hochaktiven Uran-Plutonium-Gemisches in Salpetersäure in eine Auffangwanne geflossen waren. Für Menschen und Umwelt habe keine Gefahr bestanden, betonte der Betreiber.

Seit 2003 wird in Sellafield kein Strom mehr produziert. Die Anlage wird statt dessen zur Lagerung nuklearer Abfälle und zur Wiederaufbereitung benutzter Brennelemente verwendet. Auch deutsche Kraftwerksbetreiber schicken benutzte Brennstäbe zur Wiederaufbereitung nach Sellafield. Auf dem Gelände befinden sich noch etliche Castoren mit hochradioaktivem Abfall, die zurück nach Deutschland transportiert werden sollen.

 

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