Wer waren die Bomber von Boston wirklich? Die mörderischen Brüder

Dschochar Zarnajew ist ansprechbar, kann aber immer noch nicht selbst sprechen und kommuniziert schriftlich mit den Ermittlern. Foto: dpa

Sie wirkten wie normale junge Leute studierten, gingen zum Sport. Doch wer waren die Bomber von Boston wirklich?

Boston - Er studierte Medizin in den USA. Sein Vater nennt ihn „einen Engel“. Das FBI, die Nationalgarde und ein Riesenaufgebot an Polizei suchen Dschochar Zarnajew als den Bombenattentäter von Boston. Der ältere Bruder Tamerlan (26) ist tot, gestorben bei dem Schusswechsel in Watertown, nahe der Elite-Uni MIT. Der 19-jährige Dschochar studierte an einem College in Dartmouth, im zweiten Jahr, so der Vater, Ansor Zarnajew.

 

Die Söhne leben seit März 2002 in den USA. Er habe ihn zu einem Besuch in den Ferien in seiner russischen Heimat erwartet, sagt der Vater. „Mein Sohn ist ein wahrer Engel.“ Der Vater lebt in Machatschkala, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Dagestan im Nordkaukasus. Tamerlan (26), der Ältere, war ein engagierter Boxer, er kämpfte sogar in einer Neu-England-Auswahl und träumte von einer Olympia-Teilnahme.

"Ich habe keine amerikanischen Freunde"

Ansonsten war der 26-Jährige, der Ingenieur werden wollte, sozial eher isoliert. „Ich habe keine amerikanischen Freunde“, erzählte er einem befreundeten Fotografen: „Ich verstehe sie nicht.“ Gleichzeitig mag er den Film „Borat“, auch wenn die „Witze manchmal krass sind“. Tamerlan bezeichnet sich als „gläubigen Moslem“, der das Rauchen und den Alkohol aufgab. Der sich Frauen auch beim Sport „nie mit bloßem Oberkörper zeigen“ würde: „Sie könnten sonst auf dumme Gedanken kommen.“ Außerdem setzte er sich für die Unabhängigkeit Tschetscheniens ein.

2009 hatte er Ärger mit der Polizei: Er soll seine Freundin gewaltsam angegriffen haben. Dschochar, der Jüngere, der noch auf der Flucht ist, war für Medizin eingeschrieben. Bis zuletzt pflegte er seine Seite auf wkontakte, dem russischen Facebook. Als Weltanschauung gibt er dort „Islam“ an, als Lebensziele nennt er „Geld und Karriere“.

„Was sie getan haben, ist eine Schande“, sagte Ruslan Tsarni, der Onkel der beiden: „Jemand hat sie radikalisiert, aber das war nicht mein Bruder.“ Tsarni, der auch in den USA lebt, forderte Dschochar auf, sich zu stellen. „Sie haben es nicht geschafft, sich ein Leben aufzubauen“, sagte er über seine Neffen. „Deshalb haben sie alle anderen gehasst.“ Seit 2005 habe er keinen Kontakt mehr mit ihnen.

Putin bot seine Hilfe an

Offizielle in Tschetschenien haben eine Verbindung zu den Terrorverdächtigen bestritten. „Sie haben zu Tschetschenien keinerlei Beziehungen“, sagte ein Sprecher von Republikchef Ramsan Kadyrow. „Aber wir haben uns daran gewöhnt, dass Tschetschenien für alles Unheil in dieser Welt verantwortlich gemacht wird, sogar für Tsunamis.“

Laut den Sicherheitsbehörden ist die Familie vor Jahren ausgereist und hat danach eine Zeitlang im zentralasiatischen Kasachstan gelebt. In Tschetscheniens Nachbarrepublik Dagestan bestätigte ein Schulleiter, die beiden zu kennen. Von dort aus ist der Ältere mit einem kirgisischen Pass in die USA gereist. Das dagestanische Innenministerium hat keine Erkenntnisse über die Familie.

Kremlchef Wladimir Putin hatte US-Präsident Barack Obama kurz nach dem Anschlag Hilfe bei der Aufklärung angeboten. Ein Kommentator von Radio Echowy Moskau entschuldigte sich gestern bei den Amerikanern dafür, dass „Russland seinen Terror nun sogar in die USA exportiert“.

 

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