Wer sie sind, was sie tun Identitäre Bewegung in Bayern: Hippe Nazis?

Autorenprofil Ruth Schormann
Mitglieder der "Identitären Bewegung" demonstrieren im Sommer 2017 in Berlin. Foto: dpa

Die "Identitäre Bewegung" ist eine gefährliche, rechtsextreme Gruppe, warnen Verfassungsschützer. Warum sie immer größer wird, wo sie sich ihre Aktionen abschaut und wo sie besonders aktiv ist.

München - Sie stellen Kreuze auf dem Baugrund der geplanten Regensburger Moschee auf, unterwandern Faschingsumzüge wie unlängst in Donauwörth oder hissen ein riesiges Banner am Gerüst der Frauenkirche (AZ berichtete).

Sie propagieren "Heimat, Freiheit, Tradition" und sprechen sich gegen die "Islamisierung" aus: Mitglieder der "Identitären Bewegung" (IB), einer Gruppe, die laut Verfassungsschutz-Sprecher Sönke Meußer seit 2015 vermehrt öffentlich in Bayern auftritt. Was steckt dahinter?

Klar ist: Die IB ist eine "rechtsextremistische Bestrebung", ordnet Meußer ein. "In der Ideologie der IB wird die Bedeutung von Abstammung und Identität in einer Art und Weise betont, die eine starke Nähe zum biologistischen Denken und der völkischen Ideologie von Rechtsextremisten erkennen lässt", erklärt der Experte.

Deswegen wird die Gruppe vom Verfassungsschutz beobachtet. Sie propagieren die räumliche und kulturelle Trennung unterschiedlicher Ethnien, was der rechtsextremistischen "Blut und Boden"-Ideologie entspricht. Was früher Rasse hieß, nennen sie nun "ethnokulturelle Identität".

Wo hat die Gruppe ihre Ursprünge? In Frankreich. Dort ist die "Génération identitaire" laut Selbstauskunft der IB 2012 entstanden. Ihr Erkennungszeichen ist ein Lambda in einem Kreis. Der griechische Buchstabe Lambda war das Symbol der Spartaner, die im fünften Jahrhundert vor Christus gegen ein übermächtiges persisches Heer kämpften. Die IB sieht sich, so interpretiert es der Verfassungsschutz in seinem Bericht 2016, also als Opfer einer Invasion anderer Kulturen. Europaweit gibt es Ableger - und einige in Bayern.

"Eine Bewegung, wie sie sich selbst nennen, sind sie aber nicht. Das sind wenige Aktive, die öffentlichkeitswirksam auftreten", sagt Miriam Heigl von der Münchner Fachstelle für Demokratie.

Identitäre Bewegung: Große Dunkelziffer

Wie verbreitet ist die IB im Freistaat? Die Mitgliederzahl wächst und wächst, ständig bilden sich neue Ortsgruppen, sagt Meußer, die aber teilweise nicht dauerhaft aktiv bleiben. Die IB unterteilt sich in die IB Bayern, Schwaben und Franken. Unter ersterer werden Oberpfalz, Ober- und Niederbayern zusammengefasst. 100 Mitglieder und Sympathisanten zählt der Verfassungsschutz. "Eine Zeit war die IB nur ein virtuelles Phänomen, bevor es zu öffentlichen Handlungen kam", erklärt Heigl.

Eine große Dunkelziffer bleibt aber: "Eine Resonanz, die wir nicht wahrnehmen können, findet in den Köpfen statt", betont die Expertin.

Was ist das Perfide an der "Identitären Bewegung"? "Die Identitären versuchen, nicht so verstaubt daher zu kommen und geben sich vordergründig respektvoll", sagt Heigl, "immer mit dem Zusatz, wer nicht den passenden kulturellen Hintergrund hat, gehört nicht hierher".

Wodurch macht die Gruppe auf sich aufmerksam? Immer öfter durch Aktionen in der Öffentlichkeit - wie etwa die knapp 30 Kreuze in Regensburg (AZ berichtete). Ihre Ideen dafür klauen sie oft bei ganz anders gesinnten Gruppen, etwa Greenpeace oder Sea Eye.

"Sie wollen ein junges, hippes Publikum ansprechen", sagt Heigl. Auch durch torpedierende Wortbeiträge bei Veranstaltungen zu Demokratie und Toleranz fallen sie auf.

 

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