"Wer hat Angst vorm weißen Mann?" Brigitte Hobmeier: "Ich glaube, dass unsere Seele davon schwebt"

Brigitte Hobmeier mit ihren Filmpartner Andreas Giebel und Tony Mpoudja Foto: BR/die film gmbh/Hendrik Heiden

Klischees über Bayern gibt es viele. Leider treffen die meisten auch zu, meint Schauspielerin Brigitte Hobmeier, die in ihrem neuen Film einige davon überwinden muss. Über Heimatgefühle und ihr größtes Lob spricht die preisgekrönte Darstellerin mit der Nachrichtenagentur spot on news.

 

München - Brigitte Hobmeier (37), die zuletzt als Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen zu sehen war, spielt in ihrem neuen Film "Wer hat Angst vorm weißen Mann" in einer Komödie mit ernstem Thema. Sie will die Metzgerei ihres grantigen Vaters Franz Rissmeyer mithilfe eines kongolesischen Flüchtlings übernehmen und in ihrem Sinne weiterführen. Das versucht der alte Metzgermeister zu verhindern - auch wenn der nur noch als Geist unter den Lebenden weilt. Über Alltagsrassismus, das Leben nach dem Tod und ihre Heimat Bayern spricht die Schauspielerin mit spot on news. "Wer hat Angst vorm weißen Mann" läuft am 9. Oktober um 20.15 Uhr im Ersten.

In der Komödie "Wer hat Angst vorm weißen Mann?" geht es eigentlich um ein sehr ernstes Thema. Darf man über Fremdenfeindlichkeit lachen?

Brigitte Hobmeier: Es ist ein positives Zeichen, dass wir fähig sind, es von der lustigen Seite aufzugreifen. Es passt auch gut zu Regisseur Wolfgang Murnberger, der für seinen schwarzen Humor bekannt ist.

In dem Film werden auch Klischees über Bayern bedient. Der Metzgermeister Franz Rissmeyer verkörpert das Paradebeispiel des bayerischen Grantlers, misstrauisch gegenüber Fremden und traditionsbewusst. Treffen diese Klischees über die Bayern Ihrer Meinung nach zu?

Hobmeier: Es ist schade, wenn man über sein eigenes Volk sagen muss, dass sie zutreffen, aber es ist tatsächlich so. Wenn diese Witze funktionieren sollen, müssen sie schon auch einen echten Boden haben, sonst würden sie in der Polemik und dem schwarzen Humor nicht funktionieren.

Ihre Figur Zita geht sehr souverän mit all den Widerständen in der Geschichte um.

Hobmeier: Ich finde sie nicht so souverän, ihre Einsamkeit und ihre Not machen ihr das Leben schon schwer und lasten auf ihrer Seele. Sie ist zwar kein kleines Kind, das sich in die Ecke setzt und auf einen Ritter wartet, aber ohne die Hilfe von Alpha und ihrem Vater würde sie es nicht schaffen.

Franz Rissmeyer macht einen starken Wandel durch, vom Feind zum Vertrauten des asylsuchenden Alpha. Glauben Sie, dass man Menschen so fundamental ändern kann?

Hobmeier: Ja, das glaube ich wirklich. Wenn man sich auf Neues einlässt und sich das genau anschaut. Das Fremde wird vertraut, wenn man sich damit beschäftigt.

Oft steht man aber Rassismus im Alltag so hilflos gegenüber als wäre es ein Kampf gegen Windmühlen.

Hobmeier: Ja, auch ich stehe manchmal da und frage mich, wie man mit Worten einem solchen Blödsinn begegnen kann und wie man Menschen begreiflich machen kann, dass da gerade etwas ganz falsch läuft.

Im Film geht es auch um Ängste - vor Veränderung, Innovation und Fremden. Wovor haben Sie Angst?

Hobmeier: Ich habe am allermeisten Angst vor dem Verlust von Menschen, die ich liebe.

Glauben Sie daran, dass es eine Seele im Menschen gibt, die den Körper nach dem Tod verlässt?

Hobmeier: Ich glaube, dass unsere Seele davonschwebt und wir nicht einfach nur verrotten, wenn das Herz aufhört zu schlagen. Bei Franz bleibt die Seele ja in Form des Geistes noch auf der Erde. Dabei ist die Frage aber: Beneidet man ihn darum oder ist das die wahrhafte Hölle?

Wie war es mit Andreas Giebel als Geist zu drehen?

Hobmeier: Das war sehr kurios. Wir haben ja auch nicht chronologisch gedreht und haben uns sehr gefreut, wenn wir dann mal wieder miteinander spielen durften. Es ist schon skurril, weil er anwesend und voll da ist und ich durfte nicht auf ihn reagieren.

Sie sind oft in Filmen zu sehen, die in Bayern spielen. Was bedeutet die Heimat Bayern für Sie?

Hobmeier: Die Heimat bedeutet mir viel. Selbst diejenigen, die ihre Herkunft verneinen, haben ihre Heimat in sich als Verlust oder als Bereicherung, als Schmerz oder als Freude.

In vielen Filmen spielt der Dialekt eine Rolle. Wie viele Dialekte beherrschen Sie?

Hobmeier: Ich spreche eigentlich nur Bayerisch.

In "Papa allein zu Haus" sprechen Sie doch Sächsisch?

Hobmeier: Das war ein Experiment, aber ich glaube jeder, der aus dem Landstrich kommt, würde sagen: Setzen sechs, Frau Hobmeier. Wenn jemand gelerntes Bayerisch spricht, könnte er mich damit wohl auch nicht befriedigen, weil es immer etwas anderes ist, wenn man damit aufgewachsen ist. Sprache fasziniert mich aber einfach immer und fremde Dialekte sauge ich auf.

Schlägt Ihr Herz mehr für das Theater oder für den Film?

Hobmeier: Ich hatte bisher das Glück, dass ich beides machen durfte und eigentlich schlägt mein Herz genau dafür, mich nicht entscheiden zu müssen. Ich mache auch gerne Hörspielproduktionen und Lesungen. Diese strikte Abgrenzung, dass jemand nur als Theaterschauspieler oder nur als Filmschauspieler gesehen wird, mag ich nicht. Mir würde wirklich etwas angetan werden, wenn ich nicht mehr beides machen dürfte. Dieses Spartendenken wird uns Schauspielern gar nicht gerecht.

Wie würden Sie reagieren, wenn man Ihnen eine Rolle als Tatort-Kommissarin anbieten würde?

Hobmeier: Ich würde nicht gleich "ja" oder "nein" sagen. Ich würde mir anhören, was das für ein Mensch sein soll. Wenn es eine spannende Figur ist, die nicht nur zu sagen hat: "Wo waren Sie gestern?", dann wäre das eine Überlegung wert (lacht).

Von welchem Film, in dem Sie mitgespielt haben, würden Sie gerne einen zweiten Teil drehen?

Hobmeier: Ich bin eigentlich nie Fan von einem zweiten Teil. Fortsetzungen haben mich selten begeistert und waren nur ein Abklatsch vom ersten Teil. Wenn ich allerdings einen zweiten Teil drehen müsste, dann von "Sommer in Orange". Da würde mich interessieren, was aus den Menschen geworden ist.

Was war das wichtigste Lob, das Sie je bekommen haben?

Hobmeier: Ich glaube das größte Lob war, als Sepp Bierbichler in meiner "Susn" war und dann sagte: "Passt scho, Hobmeier". Das war schon eine wichtige Anerkennung von so einem Urgestein.

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