Weltcup-Start in Sölden Ski-Star Felix Neureuther: "Das Ende naht"

Bei der WM im Februar will Neureuther um den Sieg mitfahren: "Sonst ist’s g’scheider, ich sitz neben der Michelle Hunziker." Foto: dpa

Felix Neureuther fühlt sich vor dem Weltcup-Start in Sölden so gut wie lange nicht – und denkt trotzdem ans Aufhören 2018. Den Auftakt nimmt er ganz locker: "Ich mache mir wenige Gedanken".

 

Sölden - Das mit Sölden, das ist so eine Sache. "Es ist zwar schön, dass es losgeht, aber es zählt erst ab Dezember", sagt Felix Neureuther über das erste Rennen der Saison am Sonntag (10 Uhr). Wie bitte? Fritz Dopfer tut so, als hätte er nicht recht gehört. "Für mich ist Sölden ein extrem wichtiges Rennen, eine Standortbestimmung", betont er, doch Neureuther sieht das "komplett anders". Der Riesenslalom auf dem Rettenbachferner sei "speziell wie kein anderes Rennen". Das liegt an der Jahreszeit, an der Beschaffenheit von (Kunst-)Schnee und Eis – und an ihm selbst.

Kein Messer mehr im Rücken - ein befreiendes Gefühl

Felix Neureuther, inzwischen auch schon 32, hat zu viel erlebt in 13 Jahren als Ski-Profi im Weltcup, um sich vor dem Auftakt allzu sehr zu stressen. Während Tüftler Dopfer nach einem verlorenen Jahr ins Grübeln geraten und nun sehr gespannt darauf ist, wie all das Neue funktioniert, das er sich ausgedacht hat, sagt Neureuther gelassen: "Man kann sich mehr Gedanken machen oder weniger, ich mache mir relativ wenige." Sein Motto: "Lieber mit nicht so hohen Erwartungen hingehen und überraschen als himmelhochjauchzend und dann sauber auf die Schnauze fallen."

So hielt er es schon 2015. Da sei er "eher vogelwild" gefahren, sagt Neureuther schmunzelnd, "und trotzdem bin ich Sechster geworden". Im vergangenen Jahr war lange nicht einmal klar gewesen, ob er überhaupt weiterfahren könnte – der Rücken. So wie im Winter 2014/2015, gesteht Neureuther, "hätte ich nicht mehr weitermachen können". Weil aber im Winter 2015/16 keine Großveranstaltung anstand, fuhr Neureuther zwar weiter Ski, doch genau genommen sah er die Zeit als "Übergangssaison, damit sich mein Rücken erholen kann".

Es hat sich gelohnt. Diesmal hat er in der Vorbereitung "all die Dinge gemacht, von denen ich geglaubt habe, dass ich sie nicht mehr tun kann". Jetzt "stehe ich ziemlich gut da", versichert Neureuther. Dass er die Lust am Skifahren neu entdeckt hat, will er nicht sagen, aber wenn er jetzt am Start nicht mehr im Kopf habe, dass ihm einer "mit dem Messer in den Rücken sticht", sei das ein befreiendes Gefühl. "Das ist ein ganz anderes Skifahren".

Neureuther hat nicht mehr lange, "das Ende naht", wie er sagt. Olympia 2018 in Pyeongchang will er noch mitnehmen, im Februar bei der WM in St. Moritz – dort, wo er vor 14 Jahren erstmals aufhorchen ließ – will er um den Sieg mitfahren. "Wenn ich das Gefühl hätte, dass ich keine Rennen mehr gewinnen könnte, würde ich sagen: Okay, dann ist’s g’scheider, dass ich neben der Michelle Hunziker sitze" – wo er als Juror der Sendung "Super Kids" zuletzt wirklich saß. Zusammengefasst heißt das: " Ich bin auf einem guten Weg, dass ich im Dezember in der Form sein werde, in der ich auch sein will."

 

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