Weltcup-Riesenslalom Hirscher schreibt Geschichte, Neureuther sauer

Felix Neureuther: "Ich komme mir schon ein bisschen veräppelt vor." Foto: dpa

Marcel Hirscher ist der beste Skirennfahrer seit Jahren. Mit dem sechsten Gesamtsieg im Weltcup nacheinander schreibt er ein weiteres Kapitel Ski-Geschichte. In Kranjska Gora trotzt er den Bedingungen und macht den Coup frühzeitig perfekt. Die Deutschen hadern.

 

Kranjska Gora - Felix Neureuther war stinksauer. Platz fünf beim Weltcup-Riesenslalom in Kranjska Gora, zeitgleich mit Teamkollege Stefan Luitz, war aller Ehren wert, doch Neureuther fühlte sich um einen Platz auf dem "Stockerl" betrogen. "Ich komme mir schon ein bisschen veräppelt vor", sagte der 32-Jährige, das Wort "verarscht" vermied er nur mit größter Mühe.

Was war passiert?

Während sich Marcel Hirscher mit seinem 44. Weltcup-Sieg zum sechsten Mal in Serie den Gesamtweltcup sicherte (Rekord), hatte Neureuther als Fünfter vor dem Finale ebenfalls aufs "Stockerl" gehofft. Doch bevor er zum zweiten Mal auf die von Dauerregen aufgeweichte "Podkoren 3" ging, zog der Nebel wieder über die Piste.

Neureuther musste trotzdem ran - und hatte im Blindflug keine Chance, weiter nach vorne zu kommen. "Das ist schade, weil das Podium drin gewesen wäre", sagte Neureuther, dem 0,25 Sekunden auf Platz drei fehlten. Deshalb geigte er Renndirektor Markus Waldner unmittelbar nach dem Rennen die Meinung. "Das war nicht in Ordnung", sagte er.

Luitz und er gleich im ersten Rennen nach seinem Bronze-Coup beim WM-Slalom vor zwei Wochen so weit vorne, das sei "ein gutes Ergebnis", versuchte Neureuther sich später zu beruhigen. Seine verständliche Enttäuschung über das entgangene Top-Resultat vermochte er allerdings nicht zu überspielen.

"Das Unschaffbare ist machbar geworden"

Dennoch fiel es ihm leicht, die Leistung von Hirscher zu würdigen. "Dass er der Beste ist, weiß man nicht erst seit diesem Jahr", sagte Neureuther, "es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, dass es daran nichts zu rütteln gibt, egal wie die Bedingungen sind."

Auch Hirscher (28) fand das Rennen in den slowenischen Karawanken "sauzäh", doch er rettete 0,46 Sekunden Vorsprung auf den Norweger Leif Kristian Haugen ins Ziel. Damit gewann der Österreicher vorzeitig und zum vierten Mal die Disziplinwertung im Riesenslalom sowie fünf Rennen vor Saisonende abermals die große Kristallkugel.

Sechs Mal wie nun Hirscher hat das bisher nur die österreichische Ski-Legende Annemarie Moser-Pröll geschafft, allerdings nicht wie er in Serie. "Das Unschaffbare ist machbar geworden", sagte Hirscher sichtlich stolz, "das ist ziemlich lässig."

Ganz anders sah es nach der Abfahrtsgeneralprobe für die Olympischen Spiele 2018 in Jeongseon/Südkorea für Viktoria Rebensburg aus. Bei der zweiten Zwischenzeit lag die 27-Jährige aus Kreuth als Zweitschnellste noch 0,67 Sekunden vor der späteren Siegerin Sofia Goggia (Italien). Doch dann patzte sie "leider" bei einer Bodenwelle, wie sie geknickt eingestand. Es war ein ebenso unnötiger wie für Rebensburgs verkorksten Winter symbolhafter Fehler.

"Dafür, dass ich abgeschwungen habe, ist die Zeit echt okay", sagte sie nach Platz 14. Für die WM-Vierte Goggia war es nach neun Podestfahrten in dieser Saison der erste Sieg im Weltcup. Lindsey Vonn (USA/0,07 Sekunden zurück) wurde Zweite, Michaela Wenig (Lenggries) erreichte als 23. ihr bestes Weltcup-Ergebnis.

Die Strecke, auf der in einem Jahr Olympia-Medaillen ausgefahren werden, präsentierte sich mit vielen Wellen, Geländeübergängen und lang gezogenen Kurven anspruchsvoll. Bei der Zeitmessung gab es jedoch Probleme, die für eine halbstündige Unterbrechung sorgten.

 

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