Weltblutspendetag in München Warum ist Blutspenden für schwule Männer so kompliziert?

Ein Mann spendet Blut. Für homosexuelle Männer ist es nach wie vor fast unmöglich, Spender zu werden. Foto: Andreas Gebert/dpa

Homosexuelle Männer dürfen nur unter strikten Bedingungen Blut spenden. Das sei völlig überholt, sagt etwa das Bayerische Rote Kreuz.

 

München - An jedem Tag braucht es 2.000 – und das allein in Bayern. Die Rede ist von Blutkonserven, die Zahlen stammen vom Blutspendedienst des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Genauso wie viele andere Dienste ist er auf regelmäßige Spenden angewiesen – nicht nur am heutigen Weltblutspendetag. Jährlich fielen 100.000 Spender aus, warnt das Rote Kreuz – mehr Menschen, die ihr Blut geben, sollten also herzlich willkommen sein. Doch es darf nicht jeder. Eine Ausschlussgruppe ist besonders umstritten: homosexuelle Männer.

Schwule dürfen Blut spenden, wenn sie ein Jahr keinen Sex hatten

Fakt ist: Bis vor noch nicht ganz zwei Jahren waren Männer, die Sex mit Männern haben – in der Fachwelt MSM genannt – lebenslang von der Blutspende ausgeschlossen.

2017 erschien dann die Hämotherapie-Richtlinie, die das Verbot lockerte: Menschen, die ein "gegenüber der Allgemeinbevölkerung deutlich erhöhtes Übertragungsrisiko für Infektionskrankheiten haben" – so formuliert es das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und meint damit unter anderem schwule Männer – dürfen spenden, wenn der letzte "Risikokontakt" zwölf Monate her ist. Im Klartext: Schwule Männer dürfen nur Blutspender werden, wenn sie ein Jahr lang keinen Sex hatten – auch nicht mit dem eigenen Partner oder Ehemann.

Leonhard Stärk, Landesgeschäftsführer des BRK, hält diese Regelung für nicht mehr zeitgemäß. "Sie ist überholt und diskriminierend", sagt er der AZ. "Es ist zum Beispiel ironisch, dass nicht mal Bundesgesundheitsminister Jens Spahn spenden darf." Die Regelung gehöre überprüft. "Persönlich glaube ich, dass monogam lebende Paare besser als Blutspender geeignet sind als etwa ein heterosexueller Mann mit ständig wechselnden Partnerinnen." Man wolle mehr Menschen zur Spende animieren – egal, ob homo- oder heterosexuell.

Bundesärztekammer entscheindet, wer Blut spenden darf

Der BRK-Blutspendedienst erklärt auf Anfrage zwar, dass die Sicherheit höchste Priorität habe. Dennoch seien sämtliche Regelungen, die es Menschen ermöglichen, mehr Blut zu spenden, zu begrüßen.

Die Entscheidung darüber, wer Blut spenden darf, treffen aber nicht die einzelnen Dienste, sondern die Bundesärztekammer gemeinsam mit dem PEI. Verankert ist das Ganze im Transfusionsgesetz. Richtig ist, dass nicht nur homosexuelle Männer ausgeschlossen sind, sondern auch Menschen mit bestimmten Erkrankungen und – für eine gewisse Zeit – auch Prostituierte oder Heterosexuelle mit risikohaftem Sexualverhalten.

Argumentiert wird bei den "MSM" (und bei anderen Risikogruppen) damit, dass die Gefahr höher ist, dass sie mit durch das Blut übertragbaren Krankheiten wie HIV infiziert seien. Laut PEI liegt der Anteil von Männern, die mit Männern Sex haben, an der Gesamtbevölkerung zwischen drei und fünf Prozent – gleichzeitig umfasse er aber zwei Drittel aller HIV-Infizierten. Zwar würden alle Blutspenden getestet – zusätzlich zu einem Fragebogen, den Spender ausfüllen müssen – dennoch bestehe ein Restrisiko, weil Testergebnisse in der Frühphase negativ ausfallen könnten.

"Schwule Männer werden beim Zugang zum Blutspenden diskriminiert"

Die Münchner Aids-Hilfe hält allerdings dagegen: "Eine HIV-Infektion kann man heute sechs Wochen nach dem letzten Risiko sicher ausschließen", heißt es auf AZ-Anfrage. "Eine Frist von einem Jahr schließt die meisten schwulen und bisexuellen Männer weiterhin unnötig von der Blutspende aus." Und auch Axel Hochrein vom Deutschen Schwulen- und Lesbenverband sagt: "Immer noch werden schwule Männer beziehungsweise Männer, die Sex mit Männern haben, in Deutschland beim Zugang zum Blutspenden diskriminiert. Das Risiko bemisst sich danach, ob Sexualpraktiken safe oder unsafe sind und nicht danach, ob die Spender homo-, bi- bzw. heterosexuell sind."

Anlass für eine Änderung oder Aufhebung der Regelung sieht das Bundesgesundheitsministerium unter Jens Spahn – der seit 2017 mit einem Mann verheiratet ist – nicht. Es verweist auf die medizinischen Risikofaktoren – die sexuelle Orientierung spiele dabei keine Rolle.

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