Welt ohne Menschen Fotograf Michele Limina lässt berühmte Orte verlassen aussehen

Autorenprofil Ruth Schormann
Knapp sieben Millionen Besucher zieht der Eiffelturm jedes Jahr an. Foto: Michele Limina

Der Schweizer Fotograf Michele Limina nimmt eigentlich überlaufene Sehenswürdigkeiten so auf, dass die Massen davor (fast) verschwinden. Für ihn ist das wie Meditation, sagt er der AZ.

 

München - Nicht nur Travelblogger und Instagram-Sternchen kennen das Problem: Man möchte ein Bild vor einem berühmten Bauwerk oder Aussichtspunkt machen – und Tausend andere hatten natürlich die gleiche Idee. Wie würden die berühmtesten Orte der Welt wohl ganz ohne Touristenmassen und Passanten aussehen? Der Fotograf Michele Limina aus Zürich zeigt es auf beinahe gespenstisch anmutenden Kunstwerken. Die Menschen davor verschwinden, sind nur noch minimal schemenhaft zu erkennen.

Notwendig für die Fotos: Graufilter und Geduld

"Die Idee entstand vor fünf Jahren", sagt er der AZ. Damals sei er vom Lande zurück in die Stadt gezogen. "Mir fiel damals auf, dass sich meine Heimatstadt Zürich stark verändert hatte, mehr Verkehr, mehr Menschen, neue Bauten." Was es braucht, um solche beeindruckenden, menschenleeren Fotos zu schießen? Graufilter, die die Verschlusszeiten verlängern – und viel Geduld. Aber: "Es entschleunigt wahnsinnig und ist meiner Meinung nach genauso effizient wie Meditation! Die Belichtungszeiten variieren von 15 Minuten – bis zu einer Stunde. Danach muss man immer genauso lange warten, wie die jeweilige Belichtung gedauert hat, um das fertige Bild zu sehen", erklärt der Fotograf. Ein Bild gelinge selten auf Anhieb, sagt er. "In Venedig war ich zum Beispiel viermal, verteilt über drei Jahre, bis es klappte", sagt er. Gut, dass Sie für diese Bilder nicht auf Reisen gehen müssen. Die AZ wünscht gute Entschleunigung beim Betrachten!


Weitere Projekte und Werke von Michele Limina finden Sie auf www.limina.ch.

 

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