Weinmesse im Bernlochner Edle Tropfen: Von super-süß bis "furztrocken"

Durchprobieren macht Laune: Die Landshuter Weinmesse hat auch junges Publikum angelockt. Foto: Christine Vinçon

Ein feucht-fröhlicher Besuch auf der Weinmesse im Bernlochner. Doch nicht nur Wein steht auf der Karte: Auch Edelbrände gehören dazu. 

Wenn Daniela Dünckelmeyer eine Flasche kanadischen Eiswein öffnet, hält sich der süßliche Duft des Dessertweins wie ein Parfüm kurz nach dem Auftragen noch Minuten lang in der Luft. Mit ihrem Mann stellte sie am Wochenende auf der vierten Weinmesse im Bernlochner edle Tropfen aus Australien, Neuseeland und ja, auch aus Kanada, vor. Probieren: Pflicht!

Das Mutterland des Eishockeys, das haben vor etwa 30 Jahren Weinexperten erkannt, liegt geografisch auf denselben Breitengraden wie die bekannten Weinanbaugebiete Norditaliens. Seitdem hat sich die Rebe rund um die Niagarafälle, am Ontario- und Eriesee etabliert. Das Geschäft um den Wein, das hat die vierte Landshuter Weinmesse gezeigt, ist vielfältig und facettenreich – und auch immer wieder für eine Überraschung gut.

Probieren: Pflicht! 

Nur ein paar Meter weiter hat Bodo Eger einen Stand aufgebaut. Dort gibt es keinen Eiswein. Der 57-Jährige mag es trocken, wenn er das Glas an die Lippen setzt. Bodo trinkt Riesling. "Gerne auch Riesling-Schorle", sagt der Pfälzer Weinbauer – mit 2,02 Meter eine Schrankwand von einem Mann. Groß sei er schon immer gewesen. "Das merke ich immer dann, wenn ich wie heute Morgen feststellen muss, dass der Brauseschlauch im Hotel einen halben Meter zu kurz ist."

Wenn man den Pfälzer Winzer fragt, was er unter einem richtig trockenen Riesling versteht, dann holt er aus dem Weinkühler ein Fläschchen hervor, dessen Inhalt in Obrigheim ein Geheimtipp unter Weintrinkern ist. Dort liegt das in der zwölften Generation geführte Weingut der Egers. Der Tropfen – mit der charmanten Etikettierung "Furztrocken" – macht seinem Namen alle Ehre. "Er hat seine Liebhaber", sagt der Pfälzer – mit süffisantem Unterton.

Mit seiner Frau Barbara ist er zum ersten Mal in Landshut auf der Weinmesse, die an beiden Tagen gut besucht ist. Barbara ist Fränkin,ihr Vater ein Bierbrauer. Dass Bodo mit ihr heute zusammen Wein herstellt und verkauft, ist Barbaras Einfallsreichtum zu verdanken. Beide hatten vor 20 Jahren unabhängig von einander eine Reise in die Karibik gebucht. Dort war ihr in der anderen Reisegruppe der freundliche und sympathische Hüne aufgefallen. Doch mehr als der Vorname und das Bodo in der Pfalz lebt, ließ sich auf dem gemeinsamen Rückflug bis München nicht mehr herausfinden.

Wieder zuhause, Barbara arbeitete damals in einem Gastronomiebetrieb am Bodensee, gab sie in der Pfälzer Zeitung eine Annonce auf. Daraufhin bekam sie Post von Bodos Vater, der sie schließlich, nach einigem hin und her, zusammenbrachte. Barbara machte sich Sorgen, dass Bodo vielleicht ein Lebemann wäre. Bodos Vater machte sich Sorgen, dass Barbara mit der Arbeit auf dem Weingut überfordert sein könnte. War sie nicht. Heute bewirtschaften sie zehn Hektar Land und sind glücklich. Seit 20 Jahren versucht Barbara nun, ihren "Riesen" etwas "kleiner zu kriegen": Das habe sie bisher aber noch nicht geschafft. 

24 Weinbauern und -händler hatte Messeorganisator Jakob Karrer zur Landshuter Weinmesse eingeladen. Die Aussteller präsentierten Weine, Spirituosen und Leckereien aus Deutschland, Österreich und Italien. Das die Messe in der "Bier-Region" Landshut so gut ankommt, freut Karrer. Die ersten Wein-Messen fanden noch im benachbarten Ergolding statt. Karrer: "Es hat sich als schwierig herausgestellt, die Landshuter nach Ergolding zu locken. Der Bernlochner ist dagegen gut zu Fuß zu erreichen. Das ist für eine Wein-Messe natürlich wichtig."

Wein ist eben nicht gleich Wein

Laut Aussteller sei die Messe ein voller Erfolg gewesen. "Das Landshuter Publikum war sehr interessiert. Es waren viele junge Leute da. Nur ein paar Besuchern müssen wir noch die Scheu nehmen, dass sie nicht gezwungen sind, gleich eine Kiste Wein zu kaufen, wenn sie mal ein Glas probieren wollen", sagt Karrer. Auf einer Probier-Messe dürfe man sich ruhig ausgiebig durchsüffeln.

Denn Wein, das hat die Messe gezeigt, ist eben nicht gleich Wein. Und wie jeder gute Tropfen haben auch die Winzer eine eigene Geschichte zu erzählen. Wie die von Kellermeister Paul Glaser, der auf einem Weingut aufgewachsen ist und mit Kesselputzen sein erstes Taschengeld verdient hat. Nach seiner Lehrzeit und der Ausbildung zum Kellermeister, tobt sich der Franke mittlerweile richtig aus im Geschäft rund um die Rebe.

Auf der Messe präsentierte Glaser einen Wein, der in einem 15 000 Euro teueren Granitfass gereift ist, der in Handarbeit aus Blöcken herausgeschlagen wird, um dem Tropfen noch eine schlankere Note zu verpassen.

Auch die Brüder Jakob (27) und Anton (28) Gerhard aus dem rheinhessischen Dexheim durfte die AZ kennenlernen. Sie repräsentierten auf der Messe eine neue Generation von jungen Winzern, mit dem Herz in der Hand und dem Kopf voller Ideen. Vor zwei Jahren hatten Jakob und Anton den Betrieb der Eltern umgekrempelt. Nach ihrer Lehrzeit stellen sie nun ihre ersten eigenen Weine her. Sie bewirtschaften eine Fläche, die so groß ist, wie 33 Fußballfelder zusammen.

Auf der Weinmesse, die auch im kommenden Jahr wieder stattfinden soll, gibt es also noch viel mehr zu entdecken, als nur gute Tropfen.

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