Weihnachtsoratorium Nun auch historisierend: Chor und Orchester des Bach Collegiums

Chor und Orchester des Bach Collegiums im Gasteig. Foto: Musikerlebnis

Chor und Orchester des Bach Collegiums mit Bachs Weihnachtsoratorium unter Rubén Dubrovsky

 

Beim Bach Collegium München rührt sich etwas. Nach dem Ende der Ära des ehemaligen Leiters Florian Sonnleitner herrscht Aufbruchstimmung. Ein neuer, eigener Chor wurde gegründet. Zudem ist das Instrumentarium von Grund auf umgestellt worden: Gespielt wird nun auf Nachbauten alter Instrumente.

Nur weiß man nicht so recht, ob man dem Ensemble dazu gratulieren soll, dass es sich nun ebenfalls der historisierenden Aufführungspraxis verschrieben hat. Nicht nur, weil in dieser Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach die Intonation noch ein wenig unsicher ist. Das wird sich geben. Und auch nicht allein, weil die eng gebauten Streichinstrumente hoffnungslos untergehen, sobald die Pauke loslegt – historisierendes Instrumentarium ist ja gerade für einen modernen Raum wie die Philharmonie ungeeignet, selbst, wenn diese nur gut zur Hälfte gefüllt ist.

Im historischen Kostüm

Die Hauptfrage lautet vielmehr: War es strategisch geschickt, dass sich nun auch das Bach Collegium das historische Kostüm überstreift? Es ist längst zu einer Uniform geworden. Entsprechend vorhersehbar ist, wie die sechs Kantaten des Weihnachtsoratoriums an diesem Abend interpretatorisch ablaufen. Dirigent Rubén Dubrovsky, mit dem das Ensemble in Zukunft verstärkt zusammenarbeiten wird, macht alles so wie seine Kollegen. Klanglichkeit wird durch Rhythmus ersetzt, Melodik in kleinste Teile atomisiert, Tempi werden so schnell wie möglich genommen. Oft auch schneller.

Immer wieder kann etwa der Tenor Johannes Chum in seinen Arien einzelne Motive nur noch andeuten, weil Dubrovsky ihn so unter Druck setzt. Auch bei Kristin Mulders gehen zu viele tiefe Töne des an sich schön samtigen Mezzosoprans in der Hitze des Gefechts verloren. Schließlich darf nicht verschwiegen werden, dass das Bach Collegium zwar beflissen so phrasiert, wie man es heute eben macht. Doch so mechanisch korrekt ausgeführt, erstarrt das Historisieren zum bloßen Stil.

Luftige Klanglichkeit

Der neu gegründete Chor des Bach Collegiums setzt sich aus Studierenden der bayerischen Musikhochschulen zusammen und wird bei seinem ersten Auftritt zu ungefähr gleichen Teilen durch den Wiener Kammerchor ergänzt.

Mit seiner luftigen Klanglichkeit tritt die Chorvereinigung dem Bach Collegium, das auf historisches Maß abgemagert ist, nicht zu nahe. Aber es bleibt doch der Eindruck, dass das Werk als Ganzes nicht eigenständig ausgedeutet wird.

Eben dies ist dem besten der Solisten, Jochen Kupfer, vorbehalten, der mit kernigem Bass und echter Tiefe seine Rezitative und Arien fantasievoll gestaltet und somit eine Ebene von Bachs Musik berührt, die man mit historisierender Informiertheit allein nicht erreicht: den Sinn der Texte – und die Bedeutung der Musik. Bei aller Aufbruchstimmung: Hier ist noch viel zu tun.

6. April, 19 Uhr, Philharmonie: „Matthäuspassion“, Bach Collegium, Chor und Orchester, Telefon (0800) 545 44 55 und www.musikerlebnis.de

 

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