Wegen Strafzins Banken heben Gebühren an: Wo es noch gratis geht

Geschraubt werde vor allem an den Gebühren für Überweisungen in Papierform und beim Telefonservice, sagt die Stiftung-Warentest-Expertin. Foto: Tobias Kleinschmidt/dpa

Die Zinsflaute nagt an den Erträgen der Kreditinstitute. Parken sie Geld bei der EZB, müssen sie zudem Strafzinsen zahlen. Für Bankkunden heißt das: Mehr Gebühren. Es gibt aber noch Ausnahmen.

 

Gebühren fürs Geldabheben am Automaten oder für Überweisungen auf Papier: In der Zinsflaute sind Banken und Sparkassen erfinderisch geworden. Dennoch gibt es nach wie vor Kreditinstitute, die kostenlose Girokonten anbieten.

Einer Auswertung der Zeitschrift "Finanztest" zufolge sind noch 22 von 294 Kontomodellen gratis, die die Tester bei 122 Geldhäusern unter die Lupe nahmen. Vorausgesetzt: Kunden führen das Konto online und nutzen es als Gehalts- oder Rentenkonto. In diesem Fall gibt es bei den 22 Angeboten keinen monatlichen Grundpreis, alle Onlinebuchungen sind inklusive, die Girocard ist kostenlos.

Kostenlose Girokonten: Instrument der Kundenwerbung

"Weitere 69 Girokonten sind mit Preisen von maximal 60 Euro pro Jahr noch recht günstig", heißt es in der neuen "Finanztest"-Ausgabe von Stiftung Warentest. Vor der Finanzkrise 2008 habe es deutlich mehr kostenlose Girokonten gegeben, berichtete Stephanie Pallasch von Stiftung Warentest: "Sie dienten in erster Linie der Kundengewinnung. Denn, wenn der Kunde als einziges Produkt nur ein kostenloses Girokonto hat, kann sich das nicht rechnen."

Banken treten auf die Kostenbremse

Inzwischen setzen Niedrigzinsen und Kosten für strengere Regulierung die Finanzhäuser unter Druck. Sie treten daher auf die Kostenbremse. Nach Angaben der Bundesbank verringerte sich die Zahl der Filialen im vergangenen Jahr um 2.239 auf 27.887 Zweigstellen. "Der Betrieb von Filialen ist für Kreditinstitute teuer. Es ist daher im Interesse von Banken und Sparkassen, dass die Kunden ihre Bankgeschäfte online selbst erledigen", erläutert Pallasch.

Geschraubt werde vor allem an den Gebühren für Überweisungen in Papierform und beim Telefonservice, sagt die Stiftung-Warentest-Expertin. Bis zu 4,90 Euro kann "Finanztest" zufolge eine Überweisung auf Papier im Einzelfall kosten. Wer als Inhaber eines Onlinekontos mit einem Kundenberater telefonieren will, wird mitunter mit bis zu 3,50 Euro pro Telefonat zur Kasse gebeten.

Künftig könnte es mehr Verbraucher treffen

Ins Geld gehen kann bei Online- und Direktbanken auch der Einsatz der Girocard (EC-Karte) zum Geldabheben. Gebührenfreies Bargeld gibt es bei manchen Instituten nur, wenn die Kreditkarte eingesetzt wird. Neben Gebühren verlangen einige Institute Strafzinsen von Privatkunden für hohe Guthaben.

Künftig könnte es mehr Verbraucher treffen. So warnte der Präsident des baden-württembergischen Sparkassenverbands, Peter Schneider: Sollten Europas Währungshüter die Zinsen weiter senken und nicht gegensteuern, führe kein Weg daran vorbei, Geld für das Aufbewahren von Guthaben zu verlangen. Sollte es tatsächlich dazu kommen, müsse es Freibeträge für Sparer geben, hatte Sparkassen-Obmann Walter Strohmaier jüngst in der AZ gefordert.

 

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